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Trump will nun gegen Corona-Virus „immun“ sein
International 4 Min. 12.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Trump will nun gegen Corona-Virus „immun“ sein

Trump am Samstag bei einem öffentlichen Auftritt auf dem Gelände des Weißen Hauses.

Trump will nun gegen Corona-Virus „immun“ sein

Trump am Samstag bei einem öffentlichen Auftritt auf dem Gelände des Weißen Hauses.
Foto: AFP/Mandel Ngan
International 4 Min. 12.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Trump will nun gegen Corona-Virus „immun“ sein

Vor einer Woche lag US-Präsident Trump noch im Krankenhaus. Jetzt zieht es ihn zurück in den Wahlkampf. Sein Arzt gibt grünes Licht dafür - doch wichtige Fragen zu seiner Gesundheit bleiben unbeantwortet.

(dpa) - Nach seiner Covid-19-Erkrankung ist US-Präsident Donald Trump nach eigenen Angaben nun „immun“ gegen das Corona-Virus. Die Immunität sei für ihn wie ein „beschützender Glanz“, sagte Trump am Sonntag in einem telefonischen Interview mit dem Sender Fox News. Er fühle sich „fantastisch“, sagte Trump. 

Zuvor hatte sein Leibarzt am Samstagabend erklärt, der Präsident sei nicht mehr ansteckend. Trump, der sich bei der Wahl am 3. November um eine zweite Amtszeit bewirbt, plant schon von Montag an wieder große Wahlkampfauftritte.

Trumps Arzt Sean Conley erklärte, der jüngste Coronavirus-Test habe nach „gegenwärtig anerkannten Standards“ gezeigt, dass der Präsident „kein Übertragungsrisiko für andere mehr darstellt“. Trump könne nun, rund zehn Tage nach dem Auftreten erster Symptome, gemäß den Kriterien der Gesundheitsbehörde CDC seine freiwillige Quarantäne beenden, erklärte der Arzt. Die Tests im Verlauf seiner Erkrankung hätten eine stets abnehmende Viruskonzentration gezeigt, schrieb Conley weiter. 


TOPSHOT - White House physician Sean Conley (C) answers questions surrounded by other doctors, during an update on the condition of US President Donald Trump, on October 5, 2020, at Walter Reed Medical Center in Bethesda, Maryland. - President Donald Trump announced that he is leaving the hospital where he was given emergency treatment for Covid-19 and told the nation, where the virus has killed almost 210,000 people this year, that they have nothing to worry about. (Photo by SAUL LOEB / AFP)
Wer ist Trumps Leibarzt?
Dr. Sean P. Conley dient nur einen Patienten, der gleichzeitig sein Chef ist. Der Leibarzt des Präsidenten ist ganz nach dem Geschmack Donald Trumps. Ein Porträt.

Dass Trump immun sei oder dass ein Corona-Test beim Präsidenten negativ ausgefallen sei, schrieb er jedoch nicht. Es schien daher wahrscheinlich, dass auch der jüngste Test wegen einer geringen Viruskonzentration immer noch positiv ausgefallen war.

Der 74-Jährige Trump war nach eigenen Angaben am 1. Oktober positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Das Weiße Haus teilte jedoch nie mit, wann Trumps regelmäßige Corona-Tests zuletzt negativ ausgefallen waren. Er erkrankte an Covid-19 und wurde daher ab 2. Oktober drei Tage in einem Militärkrankenhaus behandelt.

Immunität: Noch viele Fragen offen

Experten gehen davon aus, dass Menschen nach einer Corona-Infektion vermutlich immun sind. Für wie lange und wie absolut ein Schutz existiert, ist aber noch unklar. Das Robert Koch-Institut etwa schreibt dazu: „Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt noch, wie regelhaft, robust und dauerhaft dieser Immunstatus aufgebaut wird.“

Trump habe seit „weit mehr als 24 Stunden“ kein Fieber mehr, „alle Symptome“ hätten sich „verbessert“, schrieb Conley. Der Arzt machte am Samstag aber keine Angaben dazu, welche Symptome bei Trump noch in welchem Maß feststellbar waren. Am Mittwoch hatte Conley berichtet, der US-Präsident sei seit mehr als 24 Stunden „frei von Symptomen“.

Twitter versieht Trump-Mitteilung mit Warnhinweis

Twitter versah eine Nachricht Trumps zu seiner angeblichen Immunität mit einer Warnung vor Falschinformationen. Der Tweet habe gegen Regeln zur „Verbreitung irreführender und womöglich gesundheitsschädlicher Informationen“ beim Thema Covid-19 verstoßen, hieß es am Sonntag. Der Tweet war deswegen erst nach einem Klick auf einen Warnhinweis zugänglich und konnte nicht ohne einen eigenen Kommentar der Nutzer weiterverbreitet werden. Trump hatte auf Twitter geschrieben, er sei nun „immun“ und könne das Virus „nicht weitergeben“.

Im Krankenhaus hatten Ärzte Trump unter anderem das antivirale Medikament Remdesivir, Entzündungshemmer und einen experimentellen Antikörper-Cocktail gegeben. Die aggressive Behandlung ließ vielen Experten zufolge - entgegen der Darstellung des Weißen Hauses - auf eine ernstere Erkrankung schließen.


(COMBO) In this file combination of pictures created on September 29, 2020 Democratic Presidential candidate and former US Vice President Joe Biden (L) and US President Donald Trump speak during the first presidential debate at the Case Western Reserve University and Cleveland Clinic in Cleveland, Ohio. - The presidential debate between Democratic Presidential candidate and former US Vice President Joe Biden and US President Donald Trump scheduled for October 15 has been cancelled by the Commission on Presidential Debates, US media reported on October 9, 2020. (Photos by JIM WATSON and SAUL LOEB / AFP)
Zweite TV-Debatte zur US-Präsidentenwahl offiziell abgesagt
Die Veranstalter gaben am Donnerstag bekannt, dass sie die Debatte online abhalten wollen, statt die Kandidaten in einem Raum zusammenzubringen. Trump sagte daraufhin seine Teilnahme ab.

Trump warb am Sonntag erneut für die Covid-Behandlung mit dem Antikörper-Cocktail der Biotech-Firma Regeneron. Das Medikament sei keine Behandlungsmethode, sondern ein „Heilmittel“ und ein „Wunder“, das bald allen zur Verfügung stehen solle.

Die von mehreren Herstellern entwickelten Antikörper-Cocktails sind jedoch noch nicht zugelassen und auf absehbare Zeit auch nur in relativ geringer Stückzahl verfügbar. Kritikern zufolge bewirbt Trump das Mittel, um damit vor der Wahl am 3. November vom Versagen seiner Regierung bei der Eindämmung der Pandemie abzulenken.

Auftritt vor mehreren hundert Anhängern

Trump hatte am Freitag erstmals einen längeren TV-Auftritt absolviert, am Samstag trat er im Weißen Haus erstmals wieder kurz öffentlich auf. Trump sprach dabei von einem Balkon des Weißen Hauses aus zu mehreren Hundert Anhängern, die sich auf dem Südrasen des Geländes versammelt hatten. Sie trugen zumeist Masken, standen aber relativ dicht gedrängt. „Ich fühle mich toll“, sagte Trump unter dem Jubel der Anhänger. Der Republikaner warnte eindringlich vor einem Wahlsieg seines demokratischen Herausforderers Joe Biden. Seine Rede blieb mit weniger als 20 Minuten aber ungewöhnlich kurz: Bei solchen Anlässen spricht Trump sehr oft länger als eine Stunde.

Trump spricht am Samstag von einem Balkon des Weißen Hauses zu Anhängern.
Trump spricht am Samstag von einem Balkon des Weißen Hauses zu Anhängern.
Foto: AFP/Mandel Ngan

Bidens Programm sei „sozialistisch“ oder gar „kommunistisch“ und würde das Land in die Krise stürzen, behauptete Trump. Der Präsident liegt in Umfragen gut drei Wochen vor der Wahl allerdings hinter Biden (77), einem früheren Senator und Ex-Vizepräsidenten. Trumps Wahlkampfteam kündigte für Montag, Dienstag und Mittwoch jeweils einen großen Wahlkampfauftritt des Präsidenten in den bei der Wahl hart umkämpften Bundesstaaten Florida, Pennsylvania und Iowa an.

Trump versprach bei dem Auftritt im Weißen Haus am Samstag erneut, dass die Pandemie bald überstanden sein werde. „Sie verschwindet und die Impfstoffe werden helfen und die Mittel zur Behandlung werden sehr viel helfen“, sagte Trump. Das „China-Virus“ werde „ein für alle Mal besiegt“ werden. Viele Experten halten Trumps Prognosen zur Pandemie aber für viel zu rosig und werfen ihm Versagen vor.

Daten der Universität Johns Hopkins zufolge haben sich in dem Land mit 330 Millionen Einwohnern bislang gut 7,7 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 214.000 Menschen starben. Zuletzt meldete das CDC wieder mehr als 50.000 Neuinfektionen pro Tag.


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