Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Trump weist neue Spur zum Kronprinzen im Fall Khashoggi zurück
International 3 Min. 23.11.2018

Trump weist neue Spur zum Kronprinzen im Fall Khashoggi zurück

Donald Trump und Kronprinz Mohamed Bin Slaman im Mai 2017.

Trump weist neue Spur zum Kronprinzen im Fall Khashoggi zurück

Donald Trump und Kronprinz Mohamed Bin Slaman im Mai 2017.
Foto: AFP
International 3 Min. 23.11.2018

Trump weist neue Spur zum Kronprinzen im Fall Khashoggi zurück

Welche Rolle spielte der saudische Kronprinz bei der Ermordung des Journalisten Khashoggi? Mehrere Spuren führen angeblich zu ihm als Drahtzieher. US-Präsident Trump will davon nichts wissen und eilt den Verbündeten in Riad erneut zu Hilfe. Die Welt sei Schuld, meint er.

(dpa) - Trotz größter Hilfsbemühungen des US-Präsidenten Donald Trump ist das saudische Königshaus im Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi weiter in Erklärungsnot. Einer großen türkischen Zeitung zufolge hat der US-Geheimdienst CIA Aufnahmen eines brisanten Telefongesprächs des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, die dessen Verwicklung in das Mordkomplott belegen sollen. Zuvor hatte bereits die „Washington Post“ unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, die CIA sehe den saudischen Thronfolger als Drahtzieher hinter dem Verbrechen. Trump wies diese Darstellung am Donnerstag zurück und sprang der saudischen Führung erneut zur Seite.

Khashoggi war am 2. Oktober in das saudische Konsulat in Istanbul gegangen, um Papiere abzuholen - und kam nie wieder heraus. Saudi-Arabien räumte erst nach massivem internationalen Druck ein, dass der Regierungskritiker dort getötet wurde. Das saudische Königshaus beteuert, nichts davon gewusst zu haben.


Der Journalist Jamal Khashoggi soll nach der jüngsten Darstellung bei einem Streit im Istanbuler Konsulat ums Leben gekommen sein.
Proteste im Kongress gegen Trumps Unterstützung für Saudi-Arabien
US-Präsident Trump will die saudische Führung nicht für den Mord am Journalisten Khashoggi bestrafen. Selbst Senatoren von Trumps Partei halten es für falsch, Waffengeschäfte über Menschenrechte zu stellen.

Nach Medienberichten kommt die CIA zu einem anderen Schluss. Im Fokus steht dabei vor allem Kronprinz Mohammed bin Salman, kurz „MbS“ - der starke Mann Saudi-Arabiens. Die türkische Zeitung „Hürriyet“ berichtete am Donnerstag, die Direktorin des US-Geheimdienstes, Gina Haspel, habe bei ihrem Türkei-Besuch im vergangenen Monat „signalisiert“, dass die CIA ein brisantes Gespräch zwischen dem Kronprinzen und dessen Bruder Khalid bin Salman abgehört habe. Darin soll der Kronprinz gesagt haben, Khashoggi solle „so schnell wie möglich zum Schweigen gebracht werden“. Das Blatt berief sich auf namentlich nicht genannte Quellen.

Die türkische Regierung lanciert über regierungsnahe Medien seit Wochen Details zu dem Fall. Angeblich verfügt sie über Tonaufnahmen aus dem Inneren des Gebäudes. Nur wenige Informationen ließen sich unabhängig überprüfen. Die Türkei und Saudi-Arabien sind Rivalen in der Region. Außerdem betrachtet die Türkei es als Affront, dass Khashoggis Verschwinden in Istanbul orchestriert wurde. Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht in Saudi-Arabien „höchste Kreise“ involviert und will nicht locker lassen, bis der Fall aufgeklärt ist.

Der neue Bericht erhöht den Druck auf die USA, die Aufklärung des Falls voranzutreiben. Er erschien kurz nachdem Trump deutlich gemacht hatte, dass er uneingeschränkt zur saudischen Führung hält.

Trump wiederholte seine Beistandsbekundungen am Donnerstag und wies die Darstellung zurück, die CIA habe Belege für eine Verwicklung des saudischen Kronprinzen in den Khashoggi-Mord. „Sie sind nicht zu einem abschließenden Ergebnis gekommen“, sagte Trump in Palm Beach in Florida mit Blick auf die CIA-Ermittler. Niemand sei zu solch einer Schlussfolgerung gekommen und vielleicht ließen sich die genauen Hintergründe der Tat auch nie aufklären.

Auf die Frage, wer für Khashoggis Mord zur Rechenschaft gezogen werden sollte, sagte Trump: „Vielleicht sollte die Welt zur Rechenschaft gezogen werden, denn die Welt ist ein böser Ort.“

Erneut pries Trump Saudi-Arabien als extrem wichtigen politischen und wirtschaftlichen Partner für die USA. Wenn Amerika einem bestimmten Standard folgen würde, könne es fast gar keine Verbündeten mehr auf der Welt haben, sagte er. Der Kronprinz weise vehement zurück, dass er in den Fall involviert gewesen sei, betonte er. „Ich hasse das Verbrechen, ich hasse die Vertuschung“, sagte Trump. „Der Kronprinz hasst es noch mehr als ich.“


Trump hatte einen „umfassenden Bericht“ zu der Ermordung Khashoggis angekündigt, der bis zu diesem Dienstag vorliegen sollte. Nun veröffentlichte er eine kurze schriftliche Erklärung.
Trump hält trotz möglicher Mitwisserschaft bei Khashoggi-Mord zu Riad
Hat der saudische Kronprinz vom Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi gewusst? Gut möglich, meint US-Präsident Trump. Die Beziehungen zu Saudi-Arabien sind ihm aber wichtiger als solche Details. Er schlägt sich klar auf die Seite Riads.

Mohammed bin Salman brach am Donnerstag erstmals seit Bekanntwerden der Khashoggi-Affäre zu einer Auslandsreise auf. Nach Mitteilung des Hofes in Riad wolle er „mehrere verwandte arabische Staaten“ besuchen, berichtete die Staatsagentur SPA. Beim anstehenden G20-Gipfel im argentinischen Buenos Aires ab 30. November könnte es laut der türkischen staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu auch ein Treffen zwischen dem saudischen Kronprinzen und dem türkischen Präsidenten geben. Es wäre ihr erstes Treffen seit Khashoggis Tod.

Der Fall hat sich international zum Skandal ausgewachsen. Mehrere Staaten haben bereits Konsequenzen gezogen. Dänemark zog am Donnerstag die Genehmigung für Rüstungslieferungen nach Saudi-Arabien zurück. Deutschland hat den Export bereits gestoppt, während die USA weiterhin Waffen nach Saudi-Arabien liefern.

Die US-Regierung hatte wegen des Falls Sanktionen gegen 17 ehemalige saudische Regierungsmitarbeiter verhängt, die an Khashoggis Mord beteiligt gewesen sein sollen. Das Königshaus blieb aber unangetastet. Auch Deutschland hat Sanktionen erlassen. Am Donnerstag verhängte Frankreich ebenfalls Strafmaßnahmen gegen 18 Saudis.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Im Weißen Haus nichts Neues
Die USA stehen fest an Riads Seite. Das ist nicht verwunderlich. Opportunismus gehört zu US-Präsident Trumps Stratgie.
Saudi-Arabien und die USA sind und bleiben treue Verbündete.
Kronprinz unter Verdacht
Wer hat die Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi befohlen? US-Präsident Donald Trump will das klären. Es könnte die nächste dramatische Wendung in dem Fall sein.
(FILES) In this file photo taken on October 23, 2018 Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman attends the Future Investment Initiative (FII) conference in the Saudi capital Riyadh. - The US Central Intelligence Agency has concluded Saudi's powerful Crown Prince Mohammed bin Salman was behind the killing of journalist Jamal Khashoggi, The Washington Post reported on November 16, 2018, citing people close to the matter. (Photo by FAYEZ NURELDINE / AFP)