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Trump: «Wahlmanipulation»
International 3 Min. 16.10.2016 Aus unserem online-Archiv
Drogentest vor dritter TV-Debatte?

Trump: «Wahlmanipulation»

Donald Trump will seine Anhänger auf Linie bringen und teilt dabei kräftig gegen echte und vermeintliche Gegner aus.
Drogentest vor dritter TV-Debatte?

Trump: «Wahlmanipulation»

Donald Trump will seine Anhänger auf Linie bringen und teilt dabei kräftig gegen echte und vermeintliche Gegner aus.
Foto: AFP
International 3 Min. 16.10.2016 Aus unserem online-Archiv
Drogentest vor dritter TV-Debatte?

Trump: «Wahlmanipulation»

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Nach anhaltenden Belästigungs-Vorwürfen von Frauen schlägt Donald Trump verbal um sich - gegen seine Anklägerinnen, die Medien und Hillary Clinton.

(dpa) - Nach den jüngsten Belästigungsvorwürfen mehrerer Frauen heizt der US-Republikaner Donald Trump das Klima mit dem Vorwurf der «Wahlmanipulation» an. Wiederholt sprach er am Wochenende von einer massiven Verschwörung der «globalen Elite» und vor allem der Medien, ihm «die Wahl zu stehlen».

Zugleich deutete der Präsidentschaftskandidat an, dass seine demokratische Rivalin Hillary Clinton bei der Fernsehdebatte am Sonntag vergangener Woche unter dem Einfluss von Drogen - gemeint waren wohl Schmerzmittel - gestanden haben könnte. Er schlug vor, dass sich beide vor ihrem nächsten TV-Duell am Mittwoch einem Test unterziehen.

Der ranghöchste Republikaner der USA, Paul Ryan, wies Trumps Vorwurf der Wahlmanipulation zurück. Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses habe «volles Vertrauen, dass die einzelnen Staaten diese Wahl mit Integrität ausführen werden», erklärte seine Sprecherin AshLee Strong.

Einordnung der Parteien

Ryan hatte kürzlich erklärt, dass er nicht mehr für Trump kämpfen und ihn auch nicht mehr verteidigen werde. Die jüngste Stellungnahme zeigt, wie tief der Graben mittlerweile geworden ist.

Auch das Clinton-Wahlkampflager kritisierte Trumps Manipulationsvorwurf scharf. «Diese Wahl wird eine Rekordbeteiligung haben, weil Wähler Donald Trumps beschämende Versuche durchschauen, eine Wahl zu untergraben, bevor sie stattfindet», sagte Sprecher Robby Mook.

Gegenschlag auf Satiresendung

Trump empörte sich zudem über die Satire-Sendung «Saturday Night Live», die ihn und Hillary Clinton regelmäßig aufspießt. Er selber wird in der Kultshow seit kurzem vom Schauspieler Alec Baldwin verkörpert, und in der jüngsten Ausgabe wurde über die TV-Debatte der beiden Präsidentschaftskandidaten vor einer Woche gewitzelt.

«Ich habe mir den Anschlag auf mich bei Saturday Night Live angeschaut», twitterte Trump am Sonntag. «Zeit, diese langweilige und unlustige Show in den Ruhestand zu schicken. Alec Baldwins Darstellung stinkt.»

Eine am Sonntag veröffentlichte ABC/«Washington Post»-Umfrage sieht Clinton mit vier Prozentpunkten vor Trump. In anderen jüngsten Erhebungen war ihr Vorsprung größer, zwischen fünf und zehn Prozentpunkte.

Vorwurf sexueller Übergriffe

Am Samstag hatte eine neunte Frau Trump einen sexuellen Übergriff vorgeworfen. Nach Medienberichten packte er sie 1997 bei einem Muttertagsbrunch in seinem Club Mar-a-Lago in Florida an den Armen und küsste sie gegen ihren Willen. Auch die anderen acht Frauen hatten berichtet, Trump habe ihnen in der Vergangenheit Küsse aufgezwungen oder sie begrapscht.

Trump sprach auf Twitter von «total erfundenem Unsinn» mit dem Ziel, «mir die Wahl zu stehlen». Bereits zuvor hatte er den Medien angelastet, die Wahl durch «falsche Vorwürfe» und «Lügen» zu manipulieren, «damit die betrügerische Hillary gewählt wird».

Merkwürdiges Verhalten

Auch auf mehreren Wahlveranstaltungen am Wochenende prangerte der Milliardär die angebliche «Schmierkampagne» gegen ihn an - «eine der größten, die unser Land jemals erlebt hat». Seine Anklägerinnen bezeichnete er als «verrückte Frauen».

Am Freitag (Ortszeit) hatte er bei einem Auftritt in North Carolina zu verstehen gegeben, dass zumindest zwei dieser Frauen nicht einmal attraktiv genug seien, um überhaupt seine Aufmerksamkeit zu erregen. Mit Blick auf Clintons Aussehen bei der Fernsehdebatte am 9. Oktober sagte Trump: «Als sie vor mir herging, glaubt mir, war ich nicht sehr beeindruckt.»

Hillary Clinton liegt nach letzten Umfragen vorne.
Hillary Clinton liegt nach letzten Umfragen vorne.
Foto: AFP

Trump verwies auch auf seiner Ansicht nach merkwürdiges Verhalten der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin bei dem TV-Duell. «Ich weiß nicht, was mit ihr vorgeht», erklärte er am Samstag in New Hampshire. Am Anfang der Debatte sei Clinton total «aufgedreht» und am Ende dann völlig erledigt gewesen. Sie habe es kaum zu ihrem Auto geschafft.

«Warum machen wir nicht einen Drogentest?», fragte der republikanische Kandidat für das Weiße Haus. Er selbst sei dazu jedenfalls bereit.

Die dritte und letzte Fernsehdebatte dieses Wahlkampfes findet am kommenden Mittwochabend (Donnerstag 03.00 Uhr MESZ) in Las Vegas statt. Gewählt wird am 8. November.


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