Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Trump rollt Macron roten Teppich aus
International 2 Min. 23.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Trump rollt Macron roten Teppich aus

Der Händedruck des Jahres: Mit einem mehreren Sekunden langen Handshake besiegeln US-Präsident Donald Trump und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beim NATO-Treffen im Mai 2017 ihre Männerfreundschaft.

Trump rollt Macron roten Teppich aus

Der Händedruck des Jahres: Mit einem mehreren Sekunden langen Handshake besiegeln US-Präsident Donald Trump und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beim NATO-Treffen im Mai 2017 ihre Männerfreundschaft.
AFP
International 2 Min. 23.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Trump rollt Macron roten Teppich aus

Donald Trump rollt für Emanuel Macron den roten Teppich aus. Außer viel protokollarischem Pomp hat der französischen Staatschef für seine Bromance mit dem US-Präsidenten bisher wenig vorzuzeigen.

Von LW-Korrespondent Thomas Spang aus Washington

Trump lässt sich nicht lumpen. Als Dank für die Einladung zur Militärparade am französischen Nationalfeiertag nach Paris im vergangenen Jahr, empfängt er Macron als ersten Besucher seiner Amtszeit zu einem formalen Staatsbesuch. Zum Auftakt luden der US-Präsident und First Lady Melania die Macrons am Montagabend zum privaten Dinner am früheren Landsitz George Washingtons in Mount Vernon.

Ein trauter Rahmen, der an das Miteinander in Paris bei Tisch auf dem Eiffel-Turm erinnert, wo die beiden unwahrscheinlichen Partner ihre "Bromance" besiegelten. "Er ist ein großartiger Kerl. Klug. Stark. Liebt es, meine Hand zu halten", sagte Trump über Macron auf dem Weg zurück in die USA. Eine Anspielung auf den kuriosen Händedruck vom NATO-Gipfel im Mai, mit dem der Franzose seinen Anspruch etablierte, dem US-Präsidenten auf Augenhöhe zu begegnen.

Am Montagabend wird Macron in Mount Vernon empfangen, dem ehemaligen Landsitz des ersten Präsidenten der USA, George Washington.
Am Montagabend wird Macron in Mount Vernon empfangen, dem ehemaligen Landsitz des ersten Präsidenten der USA, George Washington.
AFP

Hohe Mitarbeiter im Weißen Haus bekräftigten vor der dreitägigen Staatsvisite "die gute Arbeitsbeziehung" zwischen den beiden Männern, die als Außenseiter in die Politik gingen und mit Frauen verheiratet sind, von denen sie jeweils 24 Lebensjahre trennen. Trump und Macron fehlt es nicht an Selbstbewusstsein und beide schätzen pompöse Auftritte.

All das kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie weit Trump und Macron inhaltlich auseinander liegen. Hier der "Amerika-First"-Nationalist, der die multilaterale Weltordnung verabscheut, die seine Vorgänger nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet haben. Dort der europäische Globalist, der in Freihandel und internationaler Kooperation den Schlüssel zum Erfolg sieht.

Gegensätze ziehen sich an

Diese Gegensätze dürften deutlich werden, wenn der französische Präsident am Mittwoch vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses spricht. Während das festliche Staatsdinner am Dienstag eher Gelegenheit ist, die traditionelle Verbundenheit der beiden Länder zu betonen. Die Frage ist, ob Macron bei den Kernanliegen seiner Reise, etwas Greifbares mit nach Hause bringen kann. In einem geschickt platzierten Interview mit Trumps Haussender FOX im Vorfeld der Reise äußerte der französische Gast schon mal seine Erwartungen.


(FILES) In this file photo taken on July 14, 2017 French President Emmanuel Macron (L) bids farewell to his US counterpart Donald Trump after the annual Bastille Day military parade on the Champs-Elysees avenue in Paris.
Macron on April 22, 2018, reiterated demands that Europe be definitively spared from punishing new US steel and aluminum tariffs, days before a temporary exemption is due to expire. "I hope... he will decide for an exemption for the European Union," Macron said of US President Donald Trump on Fox News Sunday. "You don't make trade war with your allies."
 / AFP PHOTO / ALAIN JOCARD
Macron appelliert vor Trump-Besuch zu internationaler Zusammenarbeit
Vor seinem Besuch bei Trump schlägt Macron schon mal ein paar Pflöcke ein. Der Iran-Deal, Syrien, Strafzölle - und dann sei da noch ihre „special relationship“. Dennoch: Thematisch könnte es durchaus Kontroversen geben.

Höchste Priorität hat für Macron die Rettung des Atomvertrags mit Iran. "Wir haben keinen Plan B für Iran", sagte Macron auf "Fox News Sunday" und appellierte an Trump, der am 12. Mai zertifizieren muss, dass sich Iran an die Bedingungen des Vertrags hält: "Lasst uns den Vertrag jetzt nicht aufgeben." Außerdem will Macron die US-Schutzzölle auf Stahl und Aluminium zur Sprache bringen. Diese treten am 1. Mai in Kraft, falls der US-Präsident die EU nicht dauerhaft davon ausnimmt. "Ich hoffe, dass Trump diese Zölle nicht erheben wird", erklärte er in dem FOX-Interview. "Man zieht nicht gegen seine Alliierten in einen Handelskrieg."

Schließlich geht es Macron darum, Trump von dem Abzug der US-Truppen aus Syrien abzubringen. Nach dem Sieg über den sogenannten "Islamischer Staat" müsse eine Rückkehr der Terroristen genauso verhindert werden wie das Füllen des US-Vakuums durch andere Mächte, allen voran Iran."Die große Frage bleibt, ob die stilistische Nähe und Kameraderie zu substantiellen Veränderungen in der Politik führt", sagt der frühere politische Direktor im US-Außenministerium Jeffrey Rathke das Kalkül Macrons. Zweifel daran bestehen nicht nur bei ihm. "Es ist nicht klar, wie viel Einfluss er wirklich hat", wundert sich auch Jeff Lightfoot vom "Atlantic Council" in Washington. Bisher hat Macron nicht viel an Erfolgen vorzuweisen. Sein Versuch, Trump vom Verbleib im Pariser Klimaabkommen zu überzeugen, ging ins Leere.  


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Trumps erster Staatsbesuch ist ein allseits sehr kraftvoller. Viel Anfassen, viel Pathos und noch mehr Symbolik. Was Macron aber an Zählbarem mit nach Europa nimmt, etwa beim Iran-Deal, das muss erst noch sortiert werden.
Große Gesten: Emmanuel Macron (l.) und Donald Trump.
Donald Trump hat sich lange Zeit gelassen, um gemeinsam mit seiner Frau Melania erstmals einen Staatsbesuch zu organisieren. Nun sind Frankreichs Präsident und First Lady zu Gast in Washington.
US President Donald Trump and First Lady Melania Trump walk after a tree planting ceremony with French President Emmanuel Macron and his wife Brigitte Macron on the South Lawn of the White House in Washington, DC, on April 23, 2018.
The tree comes from Belleau Woods, where, in June 1918, some 9,000 US Marines died in the Belleau Wood battle during World War I. / AFP PHOTO / JIM WATSON
Macron verteidigte seine EU-Reformen in Straßburg. Mehr Europa wagen ist sein Leitmotiv. Aber ist Europa bereit für eine Vertiefung seiner Integration?
Merkel und Macron auf dem Europäischen Gipfel.
Damit hat wohl kaum jemand gerechnet: Nordkoreas Machthaber will seine Atom- und Raketentests auf Eis legen. Die atomare Bedrohung bleibt aber Kims wichtigstes Faustpfand.
People walk past a television news screen showing a file footage of North Korean leader Kim Jong Un, at a railway station in Seoul on April 21, 2018.
North Korean leader Kim Jong Un said he would halt nuclear tests and intercontinental missile launches, in an announcement welcomed by US President Donald Trump ahead of a much-anticipated summit between the two men. / AFP PHOTO / Jung Yeon-je