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Trump: „New York Times“ soll Namen von anonymem Autor nennen
Trumps Lieblingsbeshäftigung: Wahlkampf.

Trump: „New York Times“ soll Namen von anonymem Autor nennen

AFP
Trumps Lieblingsbeshäftigung: Wahlkampf.
International 10 3 Min. 07.09.2018

Trump: „New York Times“ soll Namen von anonymem Autor nennen

Ein Regierungsmitarbeiter schreibt in der „New York Times“ von Widerstand gegen Trump in den eigenen Reihen. Das Weiße Haus sucht fieberhaft nach dem anonymen Urheber. Trump selbst verlangt nun von der Zeitung, sofort die Identität des Autors bekannt zu geben.

(dpa) - Nach dem explosiven Gastbeitrag eines anonymen Regierungsmitarbeiters in der „New York Times“ hat US-Präsident Donald Trump die umgehende Veröffentlichung des Autorennamens gefordert. „Um der nationalen Sicherheit willen sollte die "New York Times" seinen Namen sofort veröffentlichen“, sagte Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt in Billings im US-Bundesstaat Montana. Der anonyme Autor hatte von systematischem „Widerstand“ gegen den Präsidenten in dessen eigener Regierung berichtet.

Trump nannte den Autor einen „Feigling“ und fügte hinzu: „Der sogenannte Widerstand ist wütend, weil ihre furchtbaren Ideen vom amerikanischen Volk zurückgewiesen worden sind und es treibt sie in den Wahnsinn.“ Bei dem Gastbeitrag in der „scheiternden“ „New York Times“ handele es sich um den jüngsten Akt dieses Widerstandes. Nicht-gewählte Funktionäre, die sich den Wählern widersetzten, um ihre eigenen geheimen Pläne voranzutreiben, seien „wahrlich eine Bedrohung für die Demokratie an sich“.

Der Urheber des am Mittwoch veröffentlichten Gastbeitrags hatte dagegen eher Trump als Gefahr für die Demokratie porträtiert. Der anonyme Bericht hatte die US-Regierung in Aufruhr versetzt, die Suche nach dem Autor des explosiven Textes läuft. In dem Gastbeitrag heißt es, hochrangige Regierungsmitarbeiter vereitelten bewusst die Umsetzung von Plänen Trumps, um Schaden vom Land abzuwenden.

Verunsicherung im Weißen Haus

Die „Washington Post“ berichtete am Donnerstag, die Verunsicherung im Weißen Haus nach der Veröffentlichung sei enorm. Dort werde der Text auf bestimmte Sprachmuster untersucht, um dem Urheber auf die Spur zu kommen. US-Außenminister Mike Pompeo und Vize-Präsident Mike Pence wiesen öffentlich weit von sich, etwas mit dem Text zu tun zu haben. Eine ganze Reihe weiterer Kabinettsmitglieder ließen ebenfalls über ihre Sprecher erklären, dass sie nicht Urheber des Beitrages seien.


US President Donald Trump reads from an article praising his administration as he answers a journalist during a meeting with sheriffs at the White House in Washington, DC, on September 5, 2018. - Trump was responding to an anonymous "senior official" who wrote an op-ed article entitled "I Am Part of the Resistance Inside the Trump Administration" in The New York Times on September 5. (Photo by NICHOLAS KAMM / AFP)
„Widerstand“ gegen Trump im eigenen Haus?
Ein anonymer Regierungsmitarbeiter schreibt einen explosiven Gastbeitrag in der „New York Times“. Demnach leisten er und andere in der Verwaltung aktiv Widerstand gegen Präsident Trump. Der tobt - und will wissen, wer das geschrieben hat.

Darin heißt es, Trumps Handeln sei „dem Wohlergehen unserer Republik abträglich“. Der Präsident verstehe nicht, „dass viele hochrangige Mitarbeiter in seiner eigenen Regierung von innen heraus unablässig daran arbeiten, Teile seines Programms und seiner schlimmsten Neigungen zu verhindern.“

Trumps impulsive und zerstreute Art führe zu halbgaren, schlecht informierten und bisweilen waghalsigen Entscheidungen. „Jeder, der mit ihm arbeitet, weiß, dass er keinen erkennbaren Grundprinzipien folgt, die seine Entscheidungsfindung leiten.“ Viele derjenigen, die Trump ernannt habe, „haben gelobt, dass wir tun, was wir können, um unsere demokratischen Institutionen zu schützen“, schreibt der anonyme Autor. Und weiter: „Wir werden tun, was wir können, um die Regierung in die richtige Richtung zu lenken, bis es - auf die eine oder andere Art und Weise - vorbei ist.“


US President Donald Trump prepares to board Air Force One at Morristown Municipal Airport on July 29, 2018 in Morristown, New Jersey after spending the weekend at Trump National Golf Club in Bedminster, New Jersey.   / AFP PHOTO / JIM WATSON
„New York Times“-Herausgeber warnt Trump
US-Präsident Trump nennt kritische Reporter „Volksfeinde“, das kennt man sonst aus autoritären Regimen. Der Herausgeber der „New York Times“, Sulzberger, warnt vor den Gefahren einer solchen Rhetorik.

Dass die „New York Times“ einen Gastbeitrag ohne Namen veröffentlicht, ist ungewöhnlich. Dass ein Mitarbeiter der US-Regierung sich an eine (von Trump noch dazu verachtete) Zeitung wendet, um zu verkünden, dass es aktiven „Widerstand“ gegen den Präsidenten gibt, ist es mindestens ebenso. Die „New York Times“ kennt eigenen Angaben zufolge den Namen des Autors. Die Redaktion argumentiert, die anonyme Veröffentlichung sei die einzige Möglichkeit, ihn zu schützen und den Lesern zugleich „eine wichtige Sichtweise zu übermitteln“.

Der Informationsdienst „Axios“ berichtete am Donnerstag, nach der Veröffentlichung in der „New York Times“ hätten sich bei ihnen zwei weitere Regierungsmitarbeiter gemeldet und gesagt, der Autor des Beitrags spreche ihnen aus der Seele. „Viele von uns hätten sich gewünscht, wir hätten das geschrieben“, zitierte „Axios“ einen von ihnen. „Es gibt Dutzende und Dutzende von uns.“


Links das echte Cover des "Time Magazine" vom 1. März 2009, rechts das Fake-Cover mit demselben Datum
„Fake News“: Gefälschte „Time“-Cover in Trumps Golfclubs
In einigen Golfclubs Donald Trumps hängt ein Cover des berühmten Magazins, auf dem dieser abgebildet ist. Das Problem ist, dass es nie ein solches Cover gab.

Die „New York Times“ bezeichnet den anonymen Autor als „senior official“, womit viele Regierungsmitarbeiter gemeint sein können. Unklar ist also, wie hochrangig der Autor tatsächlich ist. Klar ist aber, dass er ein verheerendes Bild von Trumps Weißem Haus zeichnet - wie am Tag zuvor schon der Pulitzer-Preisträger Bob Woodward.

Am Dienstag waren erste Auszüge von Woodwards neuem Buch über die Trump-Präsidentschaft veröffentlicht worden, das am kommenden Dienstag erscheint - und das Trump eine „erfundene Geschichte“ nennt. Auch in dem Buch werden Zweifel daran geweckt, ob der Präsident eigentlich die Kontrolle im Weißen Haus hat.


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