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Trump gerät wegen Familientrennung an der Grenze unter Druck
International 1 3 Min. 20.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Trump gerät wegen Familientrennung an der Grenze unter Druck

Ein weinendes Mädchen aus Honduras wird zum Symbol für Donald Trumps Grenzpolitik - und der wachsenden Kritik.

Trump gerät wegen Familientrennung an der Grenze unter Druck

Ein weinendes Mädchen aus Honduras wird zum Symbol für Donald Trumps Grenzpolitik - und der wachsenden Kritik.
Foto: Getty Images / John Moore
International 1 3 Min. 20.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Trump gerät wegen Familientrennung an der Grenze unter Druck

Donald Trumps Null-Toleranz-Politik an der Grenze stößt auf wachsenden Widerstand. Je mehr die Amerikaner über die Konsequenzen erfahren, desto größer wird der Druck, die angeordnete Trennung von Einwandererfamilien zu beenden.

Von LW-Korrespondent Thomas Spang (Washington) 

John Moore hat in seinem Leben als Kriegsreporter und Begleiter von Flüchtlingstrecks schon einiges gesehen. Was er kürzlich in der Nacht am Rio Grande erlebte, lässt ihn nicht mehr los. Es ist das Bild eines zweijährigen Mädchens, das sich die Augen aus dem Kopf weint, während ihre Mutter von US-Grenzern durchsucht wird. 

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Die beiden waren kurz zuvor an Bord eines Schlauchboots mit anderen Flüchtlingen von der mexikanischen Seite übergesetzt. Drüben warteten schon die Beamten der „Border Patrol“, um die Menschen festzunehmen. Seit dem 7. Mai ist der Grenzübertritt ohne Papiere nach der neuen Null- Toleranz-Politik Donald Trumps eine Straftat – egal aus welchem Grund. 

Instinktive Angst 

Seitdem werden Familien, die vor Gewalt in Zentralamerika fliehen, wie Kriminelle behandelt. Dazu gehört auch, dass die US-Grenzer Eltern die Kinder wegnehmen und in Lager stecken. Getty-Fotograf Moore sagt, das kleine Mädchen habe instinktiv geahnt, dass Gefahr droht. „Diese Situation zeigt, was Trennungsangst bedeutet“. Das Bild des weinenden Mädchens verbreitete sich in Windeseile in den sozialen Medien und ist nun das Symbol der Null-Toleranz-Politik des Präsidenten. 


Babys in Lagern an US-Grenze: US-Moderatorin bricht in Tränen aus
Sie gilt als hartes Fernsehgesicht, doch mit dieser Meldung kam selbst Rachel Maddow nicht klar: Als sie eine Meldung über die Trennung von Familien an der US-Grenze verlesen sollte, brach die Moderatorin in Tränen aus.

Verstärkt wird es durch ein Tondokument, das dem Journalistennetzwerk „Pro Publica“ aus einem der Übergangslager an der Grenze zu Mexiko zugespielt wurde. Zu hören sind verzweifelte Stimmen von Kindern, die nach Mama und Papa rufen. „Wir haben ein Orchester hier“, witzelt ein US-Grenzer über die Angst der Kleinkinder, die oft nicht mehr als diese beiden Worte sagen können. „Es fehlt nur noch ein Dirigent.“

Binnen der wenigen Wochen seit Bekanntgabe der harschen Maßnahmen von Justizminister Jeff Session schnellte die Zahl der „entführten Kinder“ auf über 2 300 an. Mit jedem neuen Detail, das ins öffentliche Bewusstsein dringt, gerät die Regierung stärker unter Druck. 

Der lautstarke Widerspruch reicht von der säkularen Bürgerrechtsorganisation ACLU über die katholische Bischofskonferenz bis hin zu erzkonservativen Republikanern, wie der ehemalige Präsidentschaftskandidat und Senator Ted Cruz. Alle noch lebenden First Ladies äußerten indessen ihre Abscheu über die „grausame“ Praxis. Und alle 49 demokratischen Senatoren brachten inzwischen ein Gesetz ein, das die Zwangstrennung an der Grenze explizit verbietet. 


MCALLEN, TX - JUNE 12: Central American asylum seekers, including a Honduran girl, 2, and her mother, are taken into custody near the U.S.-Mexico border on June 12, 2018 in McAllen, Texas. The group of women and children had rafted across the Rio Grande from Mexico and were detained by U.S. Border Patrol agents before being sent to a processing center for possible separation. Customs and Border Protection (CBP) is executing the Trump administration's zero tolerance policy towards undocumented immigrants. U.S. Attorney General Jeff Sessions also said that domestic and gang violence in immigrants' country of origin would no longer qualify them for political asylum status.   John Moore/Getty Images/AFP
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Republikaner wollen gemeinsame Mutter-Kind-Inhaftierung erlauben
Im US-Senat formiert sich eine Mehrheit für ein Gesetz, das die gemeinsame Inhaftierung von illegal eingewanderten Müttern und ihrer Kinder erlauben soll.

Bei den Republikanern bleibt es vorerst bei Lippenbekenntnissen. Den scharfen Worten einiger Abgeordneter in den sozialen Medien, folgen wie so oft in der Vergangenheit keine Taten. Sie fürchten den langen Arm Präsident Trumps mehr als eine Bestrafung bei den Zwischenwahlen zum Kongress im November. 

Fake News 

Zumal bereits eine Kampagne in den Trump-nahen Medien unterwegs ist, die das humanitäre Drama an der Grenze als Erfindung der Linken abtut. Fox-Moderatorin Laura Ingraham spielte die Unterbringung hinter Maschendraht als „Sommer-Lager“ herunter, während Ann Coulter den Präsidenten sogar davor warnt, die verzweifelten Kinder seien „Krisenschauspieler“. Trump schickte derweil First Lady Melania vor, Sympathien zu bekunden. Ganz wie der Präsident tat sie so, als sei die Zwangstrennung unvermeidbar, weil sich „beide Seiten“ im Kongress nicht auf eine Reform der Einwanderung verständigen könnten. 

Trump selbst zeigte mit dem Finger direkt auf die Demokraten und behauptete fälschlich, ein Gesetz Barack Obamas sei für die Zwangstrennung der Familien verantwortlich. Allerdings gibt es nachweislich kein Gesetz, dass die Familientrennung vorschreibt. 

Heimatschutzministerin Kirsten Nielsen, die für die Umsetzung von Trumps Einwanderungspolitik verantwortlich ist, nimmt es mit der Wahrheit auch nicht so genau: „Wir haben keine Politik, die Familien an der Grenze trennt. Punkt“, twitterte sie eine glatte Lüge. Vor Reportern im Weißen Haus stritt sie die unmenschliche Situation an der Grenze wahlweise ab oder beschuldigte den Kongress.

„Selbst Schuld“ 

Justizminister Jeff Sessions schob bei einer Konferenz der „National Sheriffs Association“ den Flüchtlingen selbst die Schuld in die Schuhe. Personen, die ohne Papiere in die USA kämen, seien nun einmal Kriminelle. „Wenn wir eine Mauer bauen, Gesetzgebung beschließen, die die Gesetzlosigkeit beendet, blieben uns so schreckliche Entscheidungen erspart.“ 

Für den ehemaligen CIA-Direktor unter US-Präsident George W. Bush, Michael Hayden, stehen die Vereinigten Staaten vor einer Nagelprobe der Zivilgesellschaft. Bushs ehemaliger Spionagechef twitterte ein Bild des Konzentrationslagers in Birkenau. Darunter schrieb er den Satz: „Andere Regierungen haben Mütter von ihren Kindern getrennt.“

Auf CNN verteidigte Hayden den Vergleich mit dem erratischen Verhalten des Präsidenten. „Wir sind die am stärksten destabilisierende Kraft in der Welt.“


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