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Trump droht Iran mit Angriffen auf Dutzende Ziele
International 3 Min. 05.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Trump droht Iran mit Angriffen auf Dutzende Ziele

Tausende Menschen nahmen an der Trauerfeier für die getöteten Militärs teil.

Trump droht Iran mit Angriffen auf Dutzende Ziele

Tausende Menschen nahmen an der Trauerfeier für die getöteten Militärs teil.
Foto: AFP
International 3 Min. 05.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Trump droht Iran mit Angriffen auf Dutzende Ziele

Die Tötung eines enorm einflussreichen iranischen Generals durch die USA wühlt den Nahen Osten auf.

(dpa) - Mit scharfen Worten hat US-Präsident Donald Trump den Iran vor Racheakten nach dem tödlichen US-Luftangriff auf General Ghassem Soleimani gewarnt. Für den Fall, dass der Iran US-Bürger oder amerikanische Einrichtungen attackieren sollte, gebe es eine Liste mit 52 wichtigen iranischen Zielen, die dann angegriffen würden, schrieb Trump am Samstag auf Twitter. 

Die Führung in Teheran hatte Rache geschworen für den Tod Soleimanis, der als bekanntestes Gesicht des iranischen Militärs im Ausland galt und von vielen Landsleuten als Märtyrer betrachtet wird. Zu Trauermärschen und Zeremonien zu seinen Ehren erwarten die iranischen Revolutionsgarden am Sonntag nach eigenen Angaben Millionen Iraner.

Donald Trump spart nicht mit weiteren Drohungen.
Donald Trump spart nicht mit weiteren Drohungen.
Foto: AFP

Auf Twitter richtete Trump martialische Worte an die Iraner, denen er dringend von Vergeltungsakten abriet: Die für die Islamische Republik und deren Kultur teils sehr bedeutsamen Orte auf der Liste würden sonst „sehr schnell und sehr hart angegriffen“, schrieb er in Großbuchstaben - ebenso wie das Wort „Warnung“. Seine Tweet-Serie schloss Trump mit den Worten: „Die USA wollen keine Drohungen mehr!“


Iranians demonstrate against American crimes in the capital Tehran on January 3, 2020 following the killing of Iranian Revolutionary Guards top commander Qasem Soleimani in a US strike on his convoy at Baghdad international airport. - The Pentagon said US President Donald Trump had ordered Soleimani's "killing" after a pro-Iran mob this week laid siege to the US embassy in the Iraqi capital. Iran's supreme leader Ayatollah Ali Khamenei swiftly vowed "severe revenge" for Soleimani's death, the biggest escalation yet in a feared proxy war between Iran and the US on Iraqi soil. (Photo by ATTA KENARE / AFP)
In Nahost droht Eskalation mit Iran
Die USA töten den Architekten der iranischen Militärpolitik in der arabischen Welt - ein schwerer Schlag für Teheran. Der Iran und seine Verbündeten dürften auf den Angriff mit Gegengewalt reagieren.

Laut US-Regierung erfolgte der Angriff auf Soleimani in der Nacht zum Freitag in Bagdad, um weitere von ihm geplante Attacken auf US-Diplomaten und Einsatzkräfte zu verhindern. Der Iran sprach von einem „terroristischen Akt“ der USA, für den sie „einen hohen Preis zahlen“ würden. Sollte es zu Angriffen auf US-Ziele im Irak oder anderen Ländern des Nahen Ostens kommen, droht eine folgenschwere Spirale der Gewalt - wie auch Trumps jüngste Drohung unterstreicht.

Anspielung auf Botschaftsbesetzung

Trump begründete die Zahl der 52 ausgewählten Zielorte mit „jenen 52 amerikanischen Geiseln, die der Iran vor vielen Jahren genommen hat“ - eine Anspielung auf die Besetzung der US-Botschaft in Teheran im November 1979. Aus Protest gegen die Aufnahme des gestürzten Schahs in den USA hatten iranische Studenten damals 52 Angehörige der US-Botschaft als Geiseln genommen und die Auslieferung des Schahs gefordert. Washington verhängte Sanktionen, die Geiselnahme endete nach 444 Tagen. Wegen der Botschaftsbesetzung brachen die USA die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Hardliner im Iran feiern die Besetzung immer noch als revolutionäre Heldentat und Sieg über den US-Imperialismus.


Anhänger des getöteten iranischen General Soleimani nehmen an einem Trauerzug in der irakischen Hauptstadt teil.
Tausende nehmen an Trauerzug für iranischen General teil
Die Tötung eines iranischen Generals durch einen US-Angriff im Irak schürt Sorgen vor einem neuen Krieg im Nahen Osten.

Der Tod Soleimanis, des Kommandeurs der iranischen Al-Kuds-Brigaden, hat die schweren Spannungen in der ohnehin konfliktreichen Region nochmals verschärft. Das irakische Parlament berät am Sonntag in einer Dringlichkeitssitzung über Forderungen nach einem Abzug der rund 5000 verbliebenen US-Truppen im Land. Der geschäftsführende Regierungschef Adel Abdel Mahdi sprach von „angemessenen Maßnahmen“, um „die Würde des Irak und dessen Sicherheit und Souveränität“ zu erhalten. Vize-Parlamentssprecher Hassan al-Kabi sagte: „Es ist Zeit, dem Leichtsinn und der Arroganz der USA ein Ende zu bereiten.“

Bei der Ankunft der Särge in Teheran beweinten Anhänger die Toten.
Bei der Ankunft der Särge in Teheran beweinten Anhänger die Toten.
AFP

Tausende Trauergäste

Tausende Iraker hatten am Samstag an einem Trauerzug für Soleimani teilgenommen, darunter viele Spitzenpolitiker. Angeführt wurde der Zug nach Augenzeugenberichten von Milizionären, die irakische Flaggen sowie Banner von Milizen schwenkten, die vom Iran unterstützt werden. Einige riefen anti-amerikanische Parolen wie „Tod für Amerika“ und forderten Vergeltung für den US-Angriff.

Ein Komplettabzug der US-Truppen aus dem Irak ist zwar eher unwahrscheinlich, doch könnte sich eine anti-amerikanische Stimmung in dem Krisenland festigen. Das allein wäre aus Sicht des Irans, der großen Einfluss im Irak hat, schon ein politischer Erfolg. Zudem befürchten Experten, dass Teheran mithilfe verbündeter schiitischer Milizen im Irak militärisch Rache an den USA nehmen könnte.


03.01.2020, Irak, Bagdad: Die US-Botschaft steht an dem Fluss Tigris. Der Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden Soleimani ist bei einem US-Raketenangriff nahe dem Flughafen der irakischen Hauptstadt getötet worden. Foto: Ameer Al Mohmmedaw/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Neuer Raketenbeschuss im Irak
Zwei Tage nach dem US-Angriff auf den iranischen General Soleimani ist es in der irakischen Hauptstadt Bagdad zu Raketenangriffen gekommen.

Am Samstagabend schlugen nahe dem Luftwaffenstützpunkt Al-Balad, auf dem auch US-Soldaten untergebracht sind, sowie nahe einer weiteren Basis im Stadtzentrum Bagdads zwei Raketen ein. Die Sicherheitsvorkehrungen an Stützpunkten im Irak wurden zusätzlich hochgefahren, wie ein Sprecher des US-geführten Militäreinsatzes „Operation Inherent Resolve“ (OIR) daraufhin mitteilte. US-Soldaten kamen bei den Attacken, deren Hintermänner zunächst im Dunkeln blieben, anscheinend nicht zu Schaden.

Vorwürfe von Pelosi

Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, warf Trump vor, durch unverhältnismäßigen Einsatz des US-Militärs Soldaten, Diplomaten und amerikanische Bürger in Gefahr gebracht zu haben. Das Vorgehen der Regierung und ihre nachgelieferte Begründung dazu werfe „ernsthafte und drängende Fragen auf“. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Elizabeth Warren warf Trump angesichts seiner jüngsten Warnung an den Iran die „Drohung mit Kriegsverbrechen“ vor, ihr Mitbewerber Joe Biden bescheinigte dem Republikaner zunehmend irrationales Handeln.


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