Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Trump dreht WHO mitten in Corona-Krise den Geldhahn zu
International 1 5 Min. 15.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Trump dreht WHO mitten in Corona-Krise den Geldhahn zu

Mitten in der Corona-Pandemie legt US-Präsident Donald Trump die Beitragszahlungen für die WHO auf Eis.

Trump dreht WHO mitten in Corona-Krise den Geldhahn zu

Mitten in der Corona-Pandemie legt US-Präsident Donald Trump die Beitragszahlungen für die WHO auf Eis.
Foto: AFP/Mandel Ngan
International 1 5 Min. 15.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Trump dreht WHO mitten in Corona-Krise den Geldhahn zu

US-Präsident Trump steht in der Corona-Krise erheblich unter Druck. Mit der WHO hat er nun einen Schuldigen gefunden, den er für die Tragweite der Pandemie verantwortlich machen kann. Will er damit von eigenen Versäumnissen ablenken?

(dpa) - Mitten in der Coronavirus-Pandemie hat US-Präsident Donald Trump einen Stopp der Beitragszahlungen für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranlasst. Trump machte die Organisation am Dienstagabend (Ortszeit) für die Vielzahl an Toten mitverantwortlich. Durch das Missmanagement der WHO und deren Vertrauen auf Angaben aus China habe sich die Epidemie dramatisch verschlimmert und rund um die Welt verbreitet, sagte Trump im Rosengarten des Weißen Hauses. Seine Regierung werde in den kommenden 60 bis 90 Tagen prüfen, welche Rolle die WHO bei der „schlechten Handhabung und Vertuschung der Ausbreitung des Coronavirus“ gespielt habe. So lange lägen die Zahlungen auf Eis.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Fast zehn Minuten trug Trump seine vernichtende Kritik an die Adresse der WHO vor. „Eine der gefährlichsten und kostspieligsten Entscheidungen der WHO war die katastrophale Entscheidung, sich gegen Reisebeschränkungen aus China und anderen Ländern auszusprechen“, sagte er. „Zum Glück war ich nicht überzeugt und setzte Reisen von China aus und habe damit unzählige Leben gerettet. Tausende und Abertausende Menschen wären gestorben.“ Ende Januar verhängten die USA ein Einreiseverbot für ausländische Reisende aus China. Andere Länder hätten die Empfehlungen der WHO dagegen befolgt und damit „die Pandemie auf der ganzen Welt beschleunigt“, behauptete Trump. „Die Entscheidung anderer großer Länder, das Reisen offenzuhalten, war eine der großen Tragödien und verpassten Chancen in der ersten Zeit.“

Drohende soziale und wirtschaftliche Folgen

Die WHO hatte Handels- und Reisebeschränkungen in der Krise unter anderem mit Verweis auf die drohende Unterbrechung von benötigten Hilfstransporten und wegen negativer sozialer und wirtschaftlicher Auswirkungen auf betroffene Länder nicht offiziell empfohlen. Anfang März sagte WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan aber, notfalls könne mit drastischen Maßnahmen wie in China oder Italien - wo die Bewegungsfreiheit schon damals in stark betroffenen Regionen eingeschränkt war - zumindest die Ausbreitung der Krankheit verlangsamt werden. In diesem Zusammenhang seien Reisebeschränkungen eine vernünftige taktische Strategie. Trump erklärte, Reiseverbote funktionierten wie Quarantänen. „Pandemien hängen von der Übertragung von Mensch zu Mensch ab. Grenzkontrollen sind für die Viruskontrolle von grundlegender Bedeutung.“

Damit nicht genug der Belehrung: Die WHO habe es versäumt, die Angaben der chinesischen Regierung kritisch und zeitnah zu überprüfen, kritisierte Trump weiter. Stattdessen habe sie Chinas Zusicherungen für bare Münze genommen und das Land gar für seine „sogenannte Transparenz“ gelobt. Die späte Erklärung einer gesundheitlichen Notlage habe „wertvolle Zeit gekostet“. Mit einem schnelleren und entschlosseneren Einschreiten der WHO hätte die Epidemie mit wenigen Toten auf ihren Ursprungsort begrenzt werden können, behauptete Trump. „Das hätte Tausende Leben gerettet und weltweiten wirtschaftlichen Schaden verhindert.“


US President Donald Trump speaks during the daily briefing on the novel coronavirus, which causes COVID-19, in the Brady Briefing Room at the White House on April 13, 2020, in Washington, DC. (Photo by MANDEL NGAN / AFP)
Trump: "Ich habe die allumfassende Macht"
Der US-Präsident reklamiert in der Corona-Krise die Entscheidungsgewalt für sich allein. Gouverneure wie Andrew Cuomo widersprechen heftig.

Bei seiner Pressekonferenz holten Trump eigene Aussagen aus der jüngeren Vergangenheit wieder ein. Er hatte den Umgang Chinas mit dem Ausbruch Anfang des Jahres selbst mehrfach ausdrücklich gelobt. „China hat sehr hart daran gearbeitet, das Corona-Virus einzudämmen. Die Vereinigten Staaten wissen ihre Anstrengungen und Transparenz zu schätzen“, ist etwa in einem Tweet vom 24. Januar nachzulesen.

Ablenkungsmanöver

Die WHO ist für Trump ein willkommener Sündenbock. In der Corona-Krise ist er selbst erheblich unter Druck geraten. Der Republikaner hatte die Gefahr des Corona-Virus öffentlich lange heruntergespielt. Nun wird ihm vorgeworfen, zu zögerlich auf den Ausbruch reagiert zu haben, sodass die USA weitestgehend unvorbereitet von der Epidemie getroffen wurden. Noch bis Anfang März beteuerte Trump, das Virus sei für die USA kein Grund zur Sorge, und erklärte: „Wir haben eine ungeheure Kontrolle darüber.“ 

Mittlerweile sind die USA das Land mit den meisten nachgewiesenen Infektionen und Corona-Toten weltweit. Spätestens seit die „New York Times“ am Wochenende umfassend die Reaktion der Regierungszentrale auf das Virus dokumentierte, wehrt sich Trump immer vehementer gegen die Vorwürfe. Er beteuert, alles in seiner Macht Stehende getan und auf den Rat von Experten gehört zu haben. „Die Wahrheit ist, dass Donald Trump im Januar vor dieser Pandemie gewarnt wurde, diese Warnungen ignoriert, unzureichende Maßnahmen ergriffen und unnötigen Tod und Unglück angerichtet hat“, erklärte die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi.

Drastische Maßnahme zu heiklem Zeitpunkt 

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte Trumps Entscheidung. Es sei „nicht die Zeit, Ressourcen für die Anstrengungen der WHO oder irgendeiner anderen humanitären Organisation im Kampf gegen das Virus zu reduzieren“, erklärte er. Das Virus und „seine erschütternden Konsequenzen“ müssten gemeinschaftlich gestoppt werden. Der UN-Chef hatte die Arbeit der WHO vergangene Woche ausdrücklich verteidigt - aber auch eine Untersuchung zu späterer Zeit in Aussicht gestellt. „Fakt ist, dass die WHO hilft, die Amerikaner zu schützen. Das ist eine unverzichtbare Institution“, sagte der ehemalige Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC, Tom Frieden, dem Sender Fox News. „Eine stärkere WHO ist entscheidend.“


(FILES) In this file photo  New York Governor Andrew Cuomo speaks to the press at the Jacob K. Javits Convention Center in New York, on March 27, 2020. - New York recorded a new single-day high for coronavirus deaths on April 8, 2020 but Governor Andrew Cuomo said the epidemic appeared to be stablizing. Cuomo said 779 people had died in the last 24 hours, outdoing the previous high of 731 set on Monday."We are flattening the curve," the governor told reporters, stressing that social confinement orders were working. (Photo by Bryan R. Smith / AFP)
Cuomo legt sich mit Trump an
Im Streit über die Entscheidungshoheit bei der Lockerung der Einschränkungen des öffentlichen Lebens in den USA hat New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sich erneut gegen Präsident Donald Trump gestellt.

Die in Genf ansässige WHO ist die wichtigste Sonderorganisation der Vereinten Nationen im Gesundheitsbereich. Ihr Budget besteht nach eigenen Angaben zu weniger als einem Viertel aus den verpflichtenden Beiträgen der Mitgliedsstaaten. Die USA sind in diesem Kreis der größte Zahler: Für die Jahre 2020 und 2021 sind jeweils fast 116 Millionen US-Dollar fällig. Chinas Beitrag liegt für die beiden Jahre bei jeweils rund 57 Millionen US-Dollar. 2018 und 2019 lagen sie noch bei je 37,9 Millionen US-Dollar, während sie bei den USA fast auf demselben Niveau lagen. Die Höhe der Mitgliedsbeiträge hängt laut WHO von der Bevölkerungsgröße und dem Wohlstand des Landes ab.

Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, hat die Entscheidung von US-Präsident Trump kritisiert, mitten in der Corona-Pandemie die Beitragszahlungen für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu stoppen.
Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, hat die Entscheidung von US-Präsident Trump kritisiert, mitten in der Corona-Pandemie die Beitragszahlungen für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu stoppen.
Foto: Michael Kappeler/dpa/Pool/dpa

Der Ausbruch und die Reaktion der WHO

Am 31. Dezember wurde durch eine Mitteilung der Gesundheitskommission der chinesischen Metropole Wuhan bekannt, dass in der Stadt eine mysteriöse Lungenkrankheit ausgebrochen war. Die WHO erfuhr nach eigenen Angaben am selben Tag davon. Rückwirkend datierten die chinesischen Behörden die erste Ansteckung auf einen früheren Zeitpunkt. Ebenfalls gab es früh Hinweise, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird. Ende Januar erklärte die WHO wegen des Ausbruchs der neuen Lungenkrankheit eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“. Am 11. März stufte sie die Verbreitung des Virus Sars-CoV-2 als Pandemie ein.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die USA haben ihren Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation vollzogen, wie aus Regierungskreisen verlautete.
(FILES) This file photo taken on February 24, 2020 shows the logo of the World Health Organization (WHO) written in French and Chinese at the entrance of their headquarters in Geneva. - President Donald Trump has formally withdrawn the United States from the World Health Organization, making good on threats over the UN body's response to the coronavirus, a senator said July 7, 2020.  "Congress received notification that POTUS officially withdrew the US from the @WHO in the midst of a pandemic," Senator Robert Menendez, the top Democrat on the Foreign Relations Committee, wrote on Twitter. (Photo by Fabrice COFFRINI / AFP)
Seine Vorwürfe gegen die WHO sind nicht neu, seine Drohungen dafür umso heftiger. US-Präsident Donald Trump will eine andere WHO - und zwar schnell.
(FILES) This file photo taken on February 24, 2020 shows the logo of the World Health Organization (WHO) at their headquarters in Geneva. - President Donald Trump threatened on May 18 to permanently freeze US funding to the World Health Organization unless "substantive improvements" were made within the next 30 days. (Photo by Fabrice COFFRINI / AFP)
US-Präsident Trump hat in der Krise einen neuen Gegner ausgemacht: die Weltgesundheitsorganisation. Mitten in der globalen Gesundheitskrise droht er, US-Gelder einzufrieren.
CORRECTION - US President Donald Trump points to ABC News chief White House correspondent Jonathan Karl (off frame) during the daily briefing on the novel coronavirus, COVID-19, in the Brady Briefing Room at the White House on April 6, 2020, in Washington, DC. (Photo by MANDEL NGAN / AFP) / �The erroneous mention[s] appearing in the metadata of this photo by MANDEL NGAN has been modified in AFP systems in the following manner: [ABC News chief White House correspondent Jonathan Karl] instead of [CNN journalist Jim Acosta]. Please immediately remove the erroneous mention[s] from all your online services and delete it (them) from your servers. If you have been authorized by AFP to distribute it (them) to third parties, please ensure that the same actions are carried out by them. Failure to promptly comply with these instructions will entail liability on your part for any continued or post notification usage. Therefore we thank you very much for all your attention and prompt action. We are sorry for the inconvenience this notification may cause and remain at your disposal for any further information you may require.�