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"Trump, der Verräter": Die Reaktionen nach Helsinki
International 5 Min. 17.07.2018

"Trump, der Verräter": Die Reaktionen nach Helsinki

US-Präsident Trump gerät in der Heimat arg in Bedrängnis.

"Trump, der Verräter": Die Reaktionen nach Helsinki

US-Präsident Trump gerät in der Heimat arg in Bedrängnis.
AFP
International 5 Min. 17.07.2018

"Trump, der Verräter": Die Reaktionen nach Helsinki

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Newt Gringrich ist ein politisches Urgestein. Der US-Republikaner war 20 Jahre lang Kongressabgeordneter, als Sprecher des Repräsentantenhauses vier Jahre lang sogar die Nummer 3 im Staat. Er gilt als engster Vertrauter des US-Präsidenten, hat ihn während des Wahlkampfs gefördert und beraten.

 „Niemand kennt den Präsidenten so gut, wie Newt Gingrich“, befand noch vor kurzem der US-Botschafter in Luxemburg. Randy Evans muss es wissen: Ihn verbindet eine enge Freundschaft mit Gringrich. Sogar als Trump sich 2016 wegen frauenfeindlicher Aussagen verantworten musste, sprang ihm Gingrich zur Seite. Umso aussagekräftiger ist deshalb die Reaktion des Republikaners nach Trumps Treffen mit dem russischen Präsidenten in Helsinki. Auf Twitter sprach Gingrich am Montagabend vom bislang ernsthaftesten Fehler des Präsidenten seit dessen Amtsantritt. Trump müsse seine Äußerungen über die US-Geheimdienste und Putin umgehend korrigieren.

Tatsächlich gerät der US-Präsident vor allem wegen seiner fehlenden Gegenwehr zum russischen Hackerangriff unter Beschuss: Eine Einmischung der russischen Regierung in die Wahl 2016 habe es nicht gegeben – ganz gleich, zu welchem Ergebnis der amerikanische Geheimdienst gekommen war. Darin waren sich beide Präsidenten nach ihrem Treffen eins. Dass der US-Präsident dem russischen Präsidenten offenbar mehr Glauben als den eigenen Geheimdiensten schenkt, bringt ihn in der Heimat nun arg in Bedrängnis.

„Schändlich“

Eindeutige Worte fand das Republikaner-Urgestein John McCain: „Die heutige Pressekonferenz in Helsinki war eine der schändlichsten Vorstellungen eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken“. Dabei attestierte der schwer kranke Senator aus Arizona dem US-Präsidenten grobste Inkompetenz: „Trump erwies sich nicht nur als unfähig, sondern auch als nicht willens, Putin die Stirn zu bieten.“

Sowohl der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, als auch Senats-Fraktionschef Mitch McConnell, beide Republikaner, sahen sich dazu verleitet, Trump daran zu erinnern, dass Russland weder Freund noch Verbündeter sei. Während McConnell sich etwas zugeknöpfter gab, konnte Ryan aufgrund seiner Rücktrittsabsichten befreiter auftreten: Mit einem Land, das den Grundwerten und Idealen der USA feindlich gegenüberstehe, könne es keine moralische Gleichwertigkeit geben, erklärte Ryan. Russland müsse zur Verantwortung gezogen werden und seinen widerwärtigen Attacken gegen die Demokratie müsse ein Ende bereitet werden.

Deutlich wurde auch Senator Bob Corker, der Vorsitzende der außenpolitischen Kommission: Jeder wisse, dass man Putin mit Stärke begegnen müsse. Doch Trumps Aussagen ließen die USA schwach aussehen. Putin wisse, dass er gewonnen habe. „In diesem Moment gönnt er sich wohl Kaviar“, so Corker. Von „Zeichen der Schwäche“ sprach der Trump ansonsten eher freundlich gesinnte republikanische Senator Lindsay Graham. Der Auftritt des Präsidenten schaffe mehr Probleme, als dass welche gelöst wurden, sagte Graham, während der abtretende Senator Jeff Flake sich über Twitter beschwerte: Niemals hätte er sich vorstellen können, dass eines Tages ein amerikanischer Präsident mit einem russischen Staatschef auf einer Bühne stehen und den USA die Schuld an der russischen Einmischung geben würde.

Der republikanische Kongressabgeordnete und frühere CIA-Mitarbeiter Will Hurd schrieb ebenfalls auf Twitter: „Ich habe in meiner Karriere viele Menschen gesehen, die vom russischen Geheimdienst manipuliert wurden, und ich hätte nie gedacht, dass der US-Präsident einer davon sein würde.“ Der frühere Direktor des US-Geheimdienstes CIA, John Brennan nannte Trumps Pressekonferenz „nicht weniger als verräterisch“. Der Präsident sei vollständig in der Tasche Putins.

„Ein trauriger Tag“

Die Oppositionsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, sprach von einer beschämenden Schwäche, die beweise, dass die Russen etwas über den Präsidenten haben: „Das ist ein trauriger Tag für Amerika und für alle westlichen Demokratien, die Putin weiterhin ins Visier nimmt.“ Und der Oppositionsführer im Senat, Chuck Schumer, kritisierte, dass Trump „das Wort des KGB über die Männer und Frauen der CIA“ gestellt habe.

Chuck Schumer sprach von einem traurigen Tag für Amerika.
Chuck Schumer sprach von einem traurigen Tag für Amerika.
AFP

Auch die Medien ließen kein gutes Haar am Auftritt des US-Präsidenten. „Stell ihn neben Putin und andere Diktatoren und er wird zu Spachtelmasse“, schrieb die „New York Times“, für die das „Spektakel“ nur „schwer zu begreifen“ war. Der „Boston Globe“ ging sogar weiter und titelte „Trump, der Verräter“. Es sei nun ein Fakt, dass Trump ein Agent der russischen Regierung sei.

Die „Washington Post“ nannte das Ergebnis „eine Serie von Erklärungen, die von Moskau hätte vorgeschrieben sein können“. Die netteste Analyse sei noch, dass Trump für Putin „einfach ein nützlicher Idiot“ sei. Trump stütze diese Ansicht „mit seiner atemberaubenden Ignoranz von Geschichte und Kontext“. Die „Los Angeles Times“ fand es schockierend, dass der Präsident den Beschlüssen seiner eigenen Behörden kein größeres Gewicht gibt „als dem Gerede eines manipulativen russischen Autokraten.“

Sogar der Trump'sche Haussender Fox News zitierte stundenlang Kritiker, die kein gutes Haar am Präsidenten ließen. „Das war keine besonders starke Vorstellung“, sagte Stuart Varney und sein Kollege Neil Cavuto fand den Auftritt des Präsidenten sogar „widerlich“. Kein Verhandlungsergebnis sei es wert, die eigenen Leute und das eigene Land ins offene Messer laufen zu lassen, schrieb Fox-Moderatorin – und Tochter des US-Botschafters in Moskau – Abby Huntsman.

Fanboy Trump

Die verheerendsten Worte aber stammen vom ehemaligen Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger: „Sie standen da wie eine kleine nasse Nudel, wie ein kleiner Fanboy“, schimpft der Republikaner in einem auf Twitter veröffentlichten Video. „Ich hab mich gefragt, wann Sie ihn nach einem Autogramm oder einem Selfie fragen.“ Er sei nicht nur den Geheimdiensten und dem Justizsystem in den Rücken gefallen, sondern dem ganzen Land. „Sie sind der Präsident der Vereinigten Staaten, Sie sollten das nicht tun. Was ist los mit Ihnen?“, fragt Schwarzenegger.

Positive Reaktionen gab es auch, zum Beispiel vom Republikaner Rand Paul. Der Senator aus Kentucky war der einzige hochrangige Republikaner, der sich in Interviews hinter Trump stellte und die Kritik am Präsidenten als "Anti-Trump-Ressentiments" ausmachte. Der Präsident bedankte sich denn auch prompt auf Twitter für dessen Rückendeckung.

Ansonsten musste man nach Russland blicken um Positives über die Pressekonferenz zu hören: Der Moskauer Außenpolitiker Konstantin Kossatschow sagte, die Annäherung der beiden Präsidenten sei das maximal mögliche Ergebnis gewesen. Und Außenminister Sergej Lawrow meinte, das Treffen sei „besser als super“ verlaufen. Sogar die russischen Medien hielten sich zurück, wie beispielsweise die „Iswestija“: „Putin und Trump bestätigten ihre gegenseitige Sympathie zueinander. Doch warum verspüren wir dann nicht mehr als nur vorsichtigen Optimismus?“


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