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Trotz Wintereinbruchs: Flüchtlingsansturm auf Balkanroute hält an
Die Kälte stellt die Flüchtlinge vor weitere Herausforderungen.

Trotz Wintereinbruchs: Flüchtlingsansturm auf Balkanroute hält an

Foto: Reuters
Die Kälte stellt die Flüchtlinge vor weitere Herausforderungen.
International 2 Min. 03.01.2016

Trotz Wintereinbruchs: Flüchtlingsansturm auf Balkanroute hält an

Trotz Schnees ziehen weiter Tausende Flüchtlinge über die Balkanroute gen Österreich und Deutschland. Und der Zustrom aus der Türkei reißt nicht ab - obwohl die Ägäis-Überfahrt nun immer gefährlicher wird.

(dpa) - Das Flüchtlingselend nimmt kein Ende: Ein zweijähriger Junge aus Syrien ist am Samstag bei einem Bootsunglück ums Leben gekommen. Es sei der erste Flüchtling, der im neuen Jahr in der Ägäis gestorben sei, teilte die griechische Küstenwache mit.

Ein anderes Flüchtlingsboot kenterte bei der gefährlichen Überfahrt aus der Türkei vor der griechischen Insel Chios. Die 56 Insassen konnten aus den eisigen Fluten gerettet werden, wie der Staatsrundfunk am Sonntag meldete. Und auch auf einer kleinen Insel vor der Türkei strandeten Flüchtlinge. Auf der Balkanroute sind weiter Tausende Flüchtlinge in Richtung Österreich und Deutschland unterwegs - trotz des Wintereinbruchs mit bis zu 20 Zentimetern Schnee und Minusgraden.

Tausende Menschen unterwegs

Allein in den ersten Stunden des Sonntags seien rund 2800 Migranten in Kroatien gezählt worden, teilte das Innenministerium in Zagreb mit. Am Vortag seien es knapp 1900, am ersten Tag des neuen Jahres etwa 3000 gewesen.

Auch weiter südlich kamen täglich aus der Türkei mehr als 4000 Flüchtlinge auf die vorgelagerten griechischen Inseln, wie der für Migration zuständige griechische Vizeminister Ioannis Mouzalas der Zeitung „Eleftheros Typos“ (Samstag) sagte. Neben den vor allem aus Syrien kommenden Kriegsflüchtlingen registrierten die Behörden nun immer mehr Migranten aus Nordafrika: „Wir haben ein neues Phänomen: Marokkaner und Algerier (...) kommen in großen Zahlen“, berichtete der Minister.

Wind sorgt für Gefahr

Die Überfahrt aus der Türkei nach Griechenland wird inzwischen immer gefährlicher. In der Region wehen starke Winde. Die Flucht per Boot über die Ägäis sei deswegen „äußerst gefährlich“, sagte ein Offizier der griechischen Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur.

Der zweijährige Junge aus Syrien, der am Samstag umkam, war von Helfern der privaten maltesischen Initiative MOAS entdeckt worden. Das Schlauchboot mit dem Kind, seiner Mutter und mehreren Dutzend anderen Migranten sei nahe der kleinen griechischen Insel Agathonisi gegen einen Felsen geprallt. An Silvester hatte die griechische Küstenwache die Leichen von zwei Migranten in der Ägäis entdeckt. 

Die türkische Küstenwache rettete über 50 Flüchtlinge, die bei der versuchten Überfahrt über die Ägäis auf einer unweit der griechischen Insel Lesbos liegenden kleinen Insel vor dem türkischen Küstenort Dikili strandeten. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag. Zwölf der Insassen seien mit dem Hubschrauber ausgeflogen worden, darunter drei Kinder. Die übrigen Flüchtlinge seien mit Fischerbooten an das türkische Festland gebracht worden, weil größere Schiffe wegen des felsigen Ufers nicht anlegen konnten.

Prekäre Lage

Die Türkei hatte der Europäischen Union zugesichert, die Seegrenzen besser zu schützen. Dennoch setzen fast täglich Flüchtlinge von der türkischen Küste nach Griechenland über.

Kritik, Griechenland könne seine Grenzen nicht kontrollieren, wies Griechenlands Vizeminister Mouzalas zurück. „Landesgrenzen kann man wunderbar kontrollieren. Im Meer, wenn ein Boot sinkt, hat man keine andere Wahl, als die Menschen zu retten“, sagte Mouzalas der Zeitung „Eleftheros Typos“.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR kamen im vergangenen Jahr insgesamt 851 319 Menschen über die Ägäis nach Europa. 28 Prozent davon seien Kinder gewesen. Allein im Dezember kamen demnach mehr als 103 000 Menschen - fast genauso viele wie im August (107 843).

Auch in den Nachbarländern Syriens ist die Lage der Flüchtlinge prekär. Im Libanon etwa, wo weit mehr als eine Million Flüchtlinge leben, schneit es inzwischen. Zum Teil sind die Flüchtlinge dort in provisorischen Zeltstädten untergebracht.


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