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Tragödie
Kommentar International 01.10.2018

Tragödie

Zoran Zaev (Mazedonien) und Alexis Tsipras (Griechenland)

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Zoran Zaev (Mazedonien) und Alexis Tsipras (Griechenland)
AFP

Tragödie

Diego VELAZQUEZ
Diego VELAZQUEZ
In seiner Rede zur Lage der Europäischen Union forderte der Kommissionschef Jean-Claude Juncker, eine „Weltpolitikfähigkeit” zu entwickeln. Das an der niedrigen Beteiligung gescheiterte Referendum in Mazedonien zeigt, dass man sehr weit davon entfernt ist.

Erst vor wenigen Tagen forderte der Kommissionschef Jean-Claude Juncker in seiner Rede zur Lage der Europäischen Union, eine „Weltpolitikfähigkeit” zu entwickeln – also den Willen, die Geschicke der Welt als Union mitzugestalten. Das an der niedrigen Beteiligung gescheiterte Referendum, das den Jahrzehnte währenden Streit mit Griechenland um den Namen „Mazedonien“ hätte beenden können, zeigt, dass man sehr weit davon entfernt ist, tatsächlich weltweit Einfluss zu haben. Und das, obwohl die Abstimmung in Skopje eine einmalige Chance für das große Ganze war: Allen Nationalisten zum Trotz hatte der pro-westliche Premier versucht, durch das Ende des Namensstreits seinem Land die Möglichkeit zu eröffnen, Mitglied der EU zu werden.

Das Land hat das Zeug dazu, demokratisches Vorbild für eine von Nationalismus geprägte Region zu werden. Es wäre wichtig gewesen, dies eindeutig zu unterstützen. Doch dazu war die EU nicht fähig. Ausgerechnet der Über-Europäer Emmanuel Macron hatte mit dem niederländischen Premier Mark Rutte eine eindeutige Botschaft zur europäischen Perspektive Mazedoniens verhindert – aus Furcht vor den EU-Feinden im eigenen Land. Diese lähmende Angst hatte Auswirkung auf die Abstimmung am Sonntag, weil die Mazedonier nicht sicher sein konnten, dass sie eines Tages tatsächlich in Brüssel willkommen sind. Das zeigt, wie hilflos die EU ist: Welchen Einfluss will man zum Beispiel in Syrien gelten machen, wenn es nicht einmal im kleinen und friedlichen Mazedonien klappt?


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