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Tränengas gegen Flüchtlinge
International 10.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Mazedonischer Grenzzaun

Tränengas gegen Flüchtlinge

Migranten beim Versuch, den Grenzzaun zu überwinden.
Mazedonischer Grenzzaun

Tränengas gegen Flüchtlinge

Migranten beim Versuch, den Grenzzaun zu überwinden.
Foto: AFP
International 10.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Mazedonischer Grenzzaun

Tränengas gegen Flüchtlinge

Michel THIEL
Michel THIEL
Hunderte Migranten haben am Sonntag erneut versucht, den mazedonischen Grenzzaun nahe des nordgriechischen Dorfes Idomeni zu stürmen. Die Polizei setzte Tränengas ein.

(dpa) - Hunderte Flüchtlinge und andere Migranten haben am Sonntag erneut versucht, den mazedonischen Grenzzaun nahe des nordgriechischen Dorfes Idomeni zu stürmen. Die Menschen wollten nach Mazedonien und von dort aus weiter in Richtung Westeuropa gelangen. Mazedonische Grenzschützer reagierten mit Tränengas und Blendgranaten. Augenzeugen berichten von etlichen Verletzten.

Auslöser der Tumulte war ein Flugblatt in arabischer Sprache. Darin wurden die rund 11 000 Bewohner des improvisierten Lagers in Idomeni aufgerufen, am Sonntag zur Grenze zu marschieren. Dem Aufruf hätten sich auch Migranten aus anderen Lagern angeschlossen, berichteten griechische Medien.

Die Menschen stürmten dann am Sonntagvormittag über ein Feld auf den mazedonischen Grenzzaun zu. „Atemnot, tränende Augen - viele Menschen wurden verletzt zurück ins Lager gebracht“, berichtete Julia Niemeyer. Die Chefredakteurin der „Deister- und Weserzeitung“ war zum Zeitpunkt des Ansturms auf den Grenzzaun vor Ort.

Unbeteiligte Kinder betroffen

Die mazedonische Polizei habe Tränengas immer weiter über die Grenze nach Griechenland abgefeuert, schließlich habe der Wind gedreht und die Gaswolke direkt ins Lager Idomeni getragen, fügte Niemeyer hinzu. Auch Kinder seien von dem aggressiven Gas betroffen. Die griechische Polizei habe nicht eingegriffen.

Der Zaun wurde an manchen Stellen niedergerissen.
Der Zaun wurde an manchen Stellen niedergerissen.
Foto: AFP

Bei einer ähnlichen Aktion Mitte März waren drei Menschen ums Leben gekommen; damals hatten Aktivisten die Flüchtlinge per Flugblatt dazu aufgerufen, einen reißenden Fluss an der Grenze zu Mazedonien zu überqueren. Rund 2000 Flüchtlinge waren dem Aufruf gefolgt, drei Menschen ertranken in den Fluten.


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Flüchtlingslager in Idomeni
Tränengas, verängstigte Kinder, langes Anstehen für ein Stück Brot: Das waren immer wieder die Bilder von Idomeni. Jetzt haben das Leid, aber auch die Hoffnung der Menschen ein Ende. Der griechische Staat will unter das Kapitel "Idomeni" einen Schlussstrich ziehen.
A woman looks outside from a window of a bus as she leaves the refugee and migrant makeshift camp on the Greek-Macedonia border near the village of Idomeni on May, 23 2016.
Greece said on May 23 it will step up efforts to clear the squalid camp of Idomeni where over 8,400 migrants remain on the border with Macedonia after braving a winter in vain hope of being allowed through to Europe. / AFP PHOTO / SAKIS MITROLIDIS
Nach Ausschreitungen in Idomeni
Bei den Ausschreitungen an der mazedonischen Grenze sind am Sonntag mehr als 300 Menschen verletzt worden. Das berichten griechische Medien unter Berufung auf die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.
TOPSHOT - A woman and her children cry after being effected by tear gas close to the border near their makeshift camp in the northern Greek border village of Idomeni, on April 10, 2016.
Dozens of people were hurt when police fired tear gas on a group of migrants as they tried to break through a fence on the Greece-Macedonia border, the medical charity Doctors without Borders (MSF) said. A plan to send back migrants from Greece to Turkey sparked demonstrations by local residents in both countries days before the deal brokered by the European Union is set to be implemented. / AFP PHOTO / BULENT KILIC
Die griechische Regierung ist ratlos, wie sie mit den Tausenden Flüchtlingen im Auffanglager Idomeni sowie zunehmenden Gewaltausbrüchen umgehen soll. Bürgerschutzminister Nikos Toskas schließt erstmals den «Einsatz leichter Polizeigewalt» nicht mehr aus - allerdings nur in Ausnahmefällen, wenn «jemand Probleme macht».
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Tausende Flüchtlinge sitzen derzeit in Griechenland fest. Die Lage an der Grenze zu Mazedonien ist dramatisch. Am Donnerstag blockierten Hunderte Menschen die Schienen nahe der Grenzstadt Idomeni.
A migrant boy stands next to the riot police as other migrants block the railway track at the Greek-Macedonian border, near the village of Idomeni, Greece March 3, 2016. REUTERS/Marko Djurica
An der griechisch-mazedonischen Grenze
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 Mehr als 700 Flüchtlinge stecken seit Tagen an der griechisch-mazedonischen Grenze fest.