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Touristenbus auf Madeira verunglückt - 29 Tote

Touristenbus auf Madeira verunglückt - 29 Tote

AFP
International 4 1 6 Min. 18.04.2019

Touristenbus auf Madeira verunglückt - 29 Tote

Erschreckende Bilder von der "Blumeninsel" Madeira: Ein Touristenbus verunglückt schwer. Unter den fast drei Dutzend Opfern sollen viele Deutsche sein.

(dpa/TJ/jt/SC) - Bei einem schweren Busunglück auf der portugiesischen Ferieninsel Madeira sind am frühen Mittwochabend mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen. Bei den Opfern – elf Männer und 18 Frauen – soll es sich um deutsche Touristen handeln. „Wir müssen davon ausgehen, dass unter den Opfern viele Deutsche sind“, schrieb der deutsche Außenminister Heiko Maas am Donnerstagmorgen auf Twitter. „Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten, wir hoffen mit den Verletzten.“

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit Entsetzen auf das Busunglück mit vielen deutschen Toten auf der portugiesischen Insel Madeira reagiert. „Mit Trauer und Bestürzung denke ich an unsere Landsleute und alle anderen Menschen, die von dem fürchterlichen Busunglück auf Madeira betroffen sind“, erklärte Merkel am Donnerstag. „Meine aufrichtige Anteilnahme gilt vor allem all den Familien, die in diesem Unglück ihre Liebsten verloren haben.“ Sie hoffe mit den Verletzten und ihren Angehörigen, die um sie bangten, dass sie die körperlichen wie seelischen Folgen überwinden könnten.

Eine konkrete Zahl von Opfern nannte die Kanzlerin nicht. „Ich danke allen auf Madeira, den Rettern, Sanitätern und Ärzten, die unter schwierigen Umständen an der Unglücksstelle im Einsatz waren“, schrieb Merkel weiter. Das Auswärtige Amt und seine Mitarbeiter in Portugal seien in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden bemüht, „den Angehörigen soweit als möglich in diesen schmerzhaften Stunden und Tagen zur Seite zu stehen“.

Die Zeitung "Observador" berichtete von insgesamt 57 Passagieren an Bord. 27 von ihnen seien unterschiedlich schwer verletzt worden und entweder vor Ort behandelt oder in ein Krankenhaus in der Hauptstadt Funchal gebracht worden. Die portugiesische Luftwaffe kündigte an, zwei Flugzeuge mit medizinischer Ausrüstung nach Madeira schicken, um die Verletzten zu versorgen oder sie, falls notwendig, schnell auf das Festland zu transportieren.

Der Fahrer des auf Madeira verunglückten Reisebusses hat nach Angaben einer Augenzeugin mit allen Mitteln versucht, den Unfall zu verhindern. Jedoch sei es ihm nicht gelungen, das Fahrzeug noch zum Stoppen zu bringen, sagte Rita Castro, die das Geschehen nach eigenen Angaben aus der Nähe beobachtet hatte, dem Nachrichtensender TVI24.

Danach sei zunächst eine „ohrenbetäubende Stille“ eingetreten. „Ein Schrei aus Stille, wie in einem Schockzustand“, sagte die Portugiesin. Sie selbst habe zunächst auch keinen Laut hervorgebracht. Sie könne sich gut den Schrecken vorstellen, den der Fahrer gespürt habe, zumal der Bus bei dem Absturz ein Haus getroffen habe.


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Überlebende des schweren Busunglücks von Madeira haben ein Bremsversagen als wahrscheinliche Unfallursache bezeichnet. „Ich kann mir keine andere Ursache vorstellen. Der Bus fuhr von der Quinta Splendida los, nach einige Sekunden wurde er immer schneller. Er schlug gegen die Mauer, wir glaubten sofort, dass er außer Kontrolle geraten war. Er wurde immer schneller, und dann überschlug er sich“, erzählte ein leicht verletzter Mann nach einem Bericht der Online-Zeitung „Observador“.

Der Mann hatte sich demzufolge bei dem Unfall eine Rippe gebrochen, seine Frau wurde am Nacken leicht verletzt. Die Frau erzählte, dass ein Tipp auf dem Hinflug wohl dafür gesorgt habe, dass sie glimpflich davon kamen. „Im Flugzeug erklärten sie uns, was zu tun war. Wir kauerten uns zusammen wie die Babys. Und das war unser Glück“, sagte sie.

Bei den Opfern der Reisebus-Tragödie handelt es sich nach Angaben des Hotels, in dem die Touristen untergebracht waren, um Deutsche aus verschiedenen Teilen der Bundesrepublik. Es habe sich nicht um eine gemeinsame Gruppe gehandelt, sondern um Reisende, die zu verschiedenen Zeitpunkten auf Madeira angekommen seien und über einen deutschen Reiseveranstalter und dessen portugiesischen Partner Ausflüge gebucht hätten, sagte eine Mitarbeiterin des Hotels „Quinta Splendida“ in dem Ort Caniço am Donnerstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. 

Das Unglück ereignete sich dem örtlichen Zivilschutz zufolge gegen 18.30 Uhr in der östlich von Funchal gelegenen Gemeinde Caniço. Der Fahrer hatte offenbar in einer Kurve die Kontrolle über den Bus verloren, der daraufhin eine Böschung hinunter auf ein Haus stürzte. Zahlreiche Rettungswagen waren im Einsatz.

Das Haus, auf das der verunglückte Reisebus auf Madeira gestürzt ist, war zum Unfallzeitpunkt leer. Das bestätigte der Bürgermeister des Ortes Caniço, Filipe Sousa, der portugiesischen Onlinezeitung „Observador“. Bewohnt werde es normalerweise von einem Mann, der sich zum Zeitpunkt des Unglück bei Verwandten aufgehalten habe. Er sei über die Tragödie informiert worden. Am Donnerstag sollten Experten die Schäden an dem Haus überprüfen.  

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Medienberichten zufolge waren die Urlauber im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf dem Weg von ihrem Hotel in ein Restaurant in der Provinzhauptstadt Funchal.   


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„Mein Gott, ich bin sprachlos“, sagte Sousa. Auf Bildern war zu sehen, wie der weiße Reisebus völlig zerstört auf der Seite und teilweise auf einem roten Ziegeldach lag. Der Busfahrer und der Reiseleiter – beide Portugiesen – hätten verletzt überlebt, so der Bürgermeister.

Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa wollte zunächst noch am Abend nach Madeira reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Jedoch würden die Militärflugzeuge möglicherweise gebraucht, um Verletzte auf das Festland zu bringen, hieß es. Sousa habe die Reise deshalb zunächst wieder abgesagt, wie Medien berichteten. „Dies ist ein Moment des Schmerzes, aber auch der Solidarität“, sagte der Präsident dem Nachrichtensender SIC Noticias.


Die Regionalregierung ordnete eine dreitägige Trauerzeit für die Insel an. Diese gelte von Donnerstag bis Samstag, hieß es in einer Erklärung des Regierungsrats der Autonomen Region Madeira. Demnach werden die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden auf Madeira während der drei Tage auf halbmast gesetzt.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker drückte über Twitter ebenfalls seine Anteilnahme aus.  

Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein. Die deutsche Botschaft stehe in engem Kontakt mit den portugiesischen Behörden auf Madeira, um die Identität der Opfer zu klären und den Verletzten beizustehen, twitterte das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes am späten Mittwochabend.

Die Bundesregierung prüft den Einsatz eines Rettungsflugzeugs der Luftwaffe zur schnellen Hilfe für die bei dem Busunglück auf Madeira verletzten Deutschen. 

Der Einsatz eines „MedEvac“-Airbus werde sich noch heute entscheiden, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun am Donnerstag in Berlin zu dem Busunglück auf Madeira mit vielen deutschen Opfern. „Wir haben den bereits in Bereitschaft gestellt, und wenn es sinnvoll ist und möglich ist, Verletzte mit ihm hierher zu transportieren, dann werden wir ihn zum Einsatz bringen“, sagte Braun vor Journalisten.  

Ursache unklar

Die Unfallursache war zunächst noch unklar. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Der Inhaber des Unglücksfahrzeugs sagte den Ermittlungsbehörden seine uneingeschränkte Kooperation zu. „Es ist unser Wille und unser Bestreben, dass alle Fakten, Gründe und Verantwortlichkeiten des Unfalls ermittelt werden“, zitierte die Nachrichtenagentur Lusa am Donnerstag aus einer Mitteilung des Verkehrsunternehmens SAM.

Laut Medienberichten könnte ein mechanisches Problem der Grund gewesen sein – entweder ein Bremsausfall oder ein eingeklemmtes Gaspedal. Der Vizepräsident der Regionalregierung, Pedro Calado, nannte jegliche Mutmaßungen zu der Unglücksursache „verfrüht“.


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