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Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng gestorben
International 2 Min. 06.04.2021

Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng gestorben

Der Theologe Hans Küng zählte zu den herausragendsten Vertretern seines Fachs.

Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng gestorben

Der Theologe Hans Küng zählte zu den herausragendsten Vertretern seines Fachs.
Foto: dpa
International 2 Min. 06.04.2021

Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng gestorben

Er war einer der profiliertesten und zugleich umstrittensten Denker der Kirche, die ihm die Lehrerlaubnis entzog: Hans Küng ist tot.

(KNA/mer) Hans Küng ist tot. Der zu den renommiertesten Theologen weltweit zählende Begründer der Stiftung Weltethos ist am Dienstagmittag im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Tübingen gestorben. Der von 1960 bis 1996 in Tübingen lehrende Schweizer hat die katholische Kirche maßgeblich mit geprägt. Seine Bücher wurden Bestseller. In den vergangenen 30 Jahren engagierte er sich vor allem für den Dialog der Weltreligionen, insbesondere im „Projekt Weltethos“.

Die Gründung eines entsprechenden Institutes an der Universität Tübingen 2011 bezeichnete er als Anerkennung dieser Arbeit. "Nicht zuletzt, weil meine Jahre gezählt sind und ich möchte, dass mein Lebenswerk nach meinem Tod fortgeführt wird", sagte Küng damals. Hinter dem Projekt steht die Überzeugung, ohne Frieden unter den Religionen könne es keinen Frieden unter den Staaten geben.

Küng hatte 1990 das Buch "Projekt Weltethos" veröffentlicht und war darin in Anlehnung an die Philosophie Immanuel Kants der Frage nach einer alle Menschen und alle Religionen verbindenden Wertehaltung nachgegangen. Küng erhielt viele Auszeichnungen, darunter mehr als ein Dutzend Ehrendoktorwürden.

Konflikt mit dem Vatikan


Der Theologe Hans Küng im September 2012 in Tübingen während eines Gesprächs mit der deutschen Presse-Agentur (dpa). Foto: Franziska Kraufmann
Hans Küng würdigt Papst Franziskus
Der Schweizer katholische Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng hat dem neuen Papst hohes Lob gezollt.

Zum Bruch mit der Kirche war es 1979 gekommen: Am 15. Dezember stellte die vatikanische Glaubenskongregation gravierende Abweichungen von der katholischen Lehre fest, unter anderem wegen Kritik an der Lehre der Unfehlbarkeit des Papstes. Daraufhin entzog ihm die Deutsche Bischofskonferenz die Lehrerlaubnis.

Nur kurz zuvor, am 4. Dezember 1979, hatte Küng noch im Centre Convict in Luxemburg einen Vortrag gehalten sowie eine Woche später an der theologischen Fakultät der Universität Straßburg, auch vor vielen Luxemburger Theologiestudenten. „Er wurde begeistert gefeiert. Als aber einige Tage später der Entzug der Lehrbefugnis verkündet wurde, war kein Theologieprofessor in Straßburg bereit, eine von der Studentenschaft verfasste Petition dagegen zu unterzeichnen“, schreibt der luxemburgische Theologe Bodo Bost. 

Briefwechsel mit Papst Benedikt XVI.

Als Papst Benedikt XVI. 2005 Küng in Castel Gandolfo empfing, sorgte das weltweit für Aufsehen. Dabei ging es um das Weltethos-Projekt und das Verhältnis von Naturwissenschaft, Vernunft und Glaube, nicht um kirchliche Lehrfragen. Danach gab es einen Briefwechsel zwischen dem später zurückgetretenen Papst und Küng. Seit Anfang der 1960er Jahre, also noch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65), hatte sich der Konflikt um Küng angebahnt, bei dem es auch um die Frage ging, wie Jesus Christus verstanden werden soll. Küng plädierte immer wieder für eine innerkirchliche Erneuerung und eine ökumenische Öffnung mit dem Ziel der Vereinigung der Kirchen.

Küng sah sich als "loyalen katholischen Theologen". Seine Bücher mit Millionenauflage wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. 2015 begann der Herder Verlag eine auf 48 Bände angelegte Herausgabe seiner gesammelten Werke. Zu den bekanntesten Büchern zählen „Unfehlbar?“ „Christ sein“, „Existiert Gott?“ und „Projekt Weltethos“. Küng, der auch die Zeitschrift für Theologie „Concilium“ mitbegründete, erhielt auch Ehrenbürgerwürden, das Bundesverdienstkreuz mit Stern und wissenschaftliche Preise.


(FILES) In this file photo taken on September 11, 2006 Pope Benedict XVI (R) chats with his brother Georg Ratzinger at Saint Oswald Church in Marktl am Inn as the Pope's visited his birth town during a six-day visit to Bavaria. - Former pope Benedict XVI's brother Georg Ratzinger has died aged 96, the Vatican said July 1, 2020, just over two weeks after the retired pontiff made an exceptional trip to Germany to see him. (Photo by John MACDOUGALL / AFP)
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Den letzten großen öffentlichen Auftritt hatte Küng im Frühjahr 2018. Die Stiftung Weltethos und die Universität hatten zu seinem 90. Geburtstag ein wissenschaftliches Symposium ausgerichtet, an dem unter anderen viele theologische Schüler Küngs teilnahmen und eine Bilanz seines Schaffens zogen.


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