Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Texas-Schulmassaker: Täter rief „Überraschung“
International 4 Min. 20.05.2018 Aus unserem online-Archiv

Texas-Schulmassaker: Täter rief „Überraschung“

Trauernde Schülerinnen gedenken der Opfer an der Absperrung des Tatortes.

Texas-Schulmassaker: Täter rief „Überraschung“

Trauernde Schülerinnen gedenken der Opfer an der Absperrung des Tatortes.
Foto: AFP
International 4 Min. 20.05.2018 Aus unserem online-Archiv

Texas-Schulmassaker: Täter rief „Überraschung“

Nach dem Schulmassaker von Texas werden grausige Details bekannt. Der Schütze gesteht seine Tat - die Auswahl seiner Opfer war wohl kein Zufall. Seine Familie ist fassungslos.

(dpa) - Der 17-jährige Schütze des Schulmassakers von Texas hat seine Opfer angeblich bewusst ausgewählt. Er habe Ermittlern gesagt, dass er nicht auf Schüler geschossen habe, die er gemocht habe, berichteten US-Medien am Samstag. Der junge Mann gestand die Tat, er legte eine eidesstattliche Erklärung ab.

Die Behörden gaben den Namen des Schützen mit Dimitrios Pagourtzis an. Er war Schüler an der High School, die er am Freitag überfallen hatte. Er erschoss zehn Menschen, darunter neun Schüler. Das FBI erhöhte die Zahl der Verletzten von zehn auf 13. Unter den Schwerverletzten sind auch zwei Polizisten.

Den Angaben zufolge sagte der 17-Jährige, er habe bei seinem mörderischen Zug durch die Schule bewusst einige Schüler ausgelassen, damit seine Geschichte an die Öffentlichkeit gelangen könne. Die Polizei erklärte, vor der Festnahme des Täters sei es für 15 Minuten zu einem Feuergefecht gekommen. Erst dann habe der 17-Jährige aufgegeben. Zunächst sei sein Plan gewesen, sich das Leben zu nehmen.

„Überraschung“  

Schüler berichteten, wie der Schütze in ihr Klassenzimmer trat und schoss - auch aus nächster Nähe auf Schüler, die am Boden lagen. Als er einen Raum betrat, habe er gesagt: „Überraschung“. Dann begann er zu feuern.

Der Täter benutzte zwei Schusswaffen, die seinem Vater gehörten, wie Gouverneur Greg Abbott sagte. Er wurde des Mordes angeklagt. Der Schütze hat keinerlei kriminelle Vergangenheit. Lehrer beschrieben ihn als überdurchschnittlich guten Schüler.

Familie fassungslos

Die Familie des 17-Jährigen zeigte sich in einer schriftlichen Stellungnahme fassungslos. „Wir sind so schockiert wie alle anderen auch“, zitierte die „Los Angeles Times“ aus dem Brief. Sie hätten Dimitrios als klugen, ruhigen und gutmütigen Jungen gekannt. „Wir wissen so gut wie nichts über die Gründe dieser Tragödie. Aber was wir aus den Medien gehört haben, scheint unvereinbar zu sein mit dem Jungen, den wir lieben.“

Zwei vermeintliche Bomben, die Pagourtzis mitgebracht hatte, entpuppten sich nach näherer Untersuchung als harmlos. Ein mit Nägeln gefüllter Dampfkochtopf enthielt keinen Sprengstoff, auch ein mit Draht umwickelter Kanister war nur eine Attrappe.

Am Samstag durften die Schüler der betroffenen High School das Gelände wieder betreten, um bei der Flucht zurückgelassene Habseligkeiten einzusammeln. Jeder wurde dabei von einem Polizisten begleitet.

Erbitterte Fronten um Waffenbesitz in den USA

Auch nach diesem jüngsten Vorfall bleiben die Fronten in der Diskussion über den Umgang mit Waffen in den USA hart. Erbittert stehen Befürworter schärferer Gesetze Verteidigern des Rechts auf Waffenbesitz gegenüber.

Im zweiten Verfassungszusatz ist nach konservativer Lesart das Recht auf Waffenbesitz verankert. Auch viele Abgeordnete und Senatoren unterstützen die finanzkräftige Waffenlobby NRA.

Politiker wie Präsident Donald Trump versprachen nach den Schüssen von Texas erneut besseren Schutz. Das war bisher allerdings immer folgenlos geblieben: Die Waffenlobby wusste schärfere Regeln stets zu verhindern. Erschossene Schüler werden deshalb weiter zum Alltag der USA gehören.

Trump hatte schon nach dem Schulmassaker in Florida mit 17 Toten im Februar zugesagt, sich für schärfere Waffengesetze stark zu machen. Wenige Wochen später sicherte der Präsident der NRA erneut seine Unterstützung zu. Anläufe für schärfere Gesetze gingen fast alle ins Leere.

"Eigenbrötler" in schwarzem Trenchcoat

Im Internet tauchten Bilder auf, die den Schützen mit einem schwarzen T-Shirt und der Aufschrift „Born to Kill“ zeigen. „Das war vielleicht das einzige Warnsignal überhaupt“, sagte Abbott. Mitschüler beschrieben den jungen Mann als Eigenbrötler, der oft in einem schwarzen Trenchcoat unterwegs gewesen sei.

In sozialen Medien erregte die lakonische Reaktion der Schülerin Paige Curry viel Aufsehen. Reporterfrage: „Hast Du währenddessen gedacht, das kann doch gar nicht sein, das kann an meiner Schule nicht passieren?“ Antwort: „Nein. Ich habe immer gespürt, dass es irgendwann halt auch hier passieren wird.“

Nach Parkland jetzt Houston

Nach dem Schulmassaker von Parkland mit 17 Toten hatten Schüler landesweit für eine Verschärfung der Waffengesetze demonstriert. Auch einige Schüler der Santa-Fe-High-School hatten protestiert.

Nach der Tat von Santa Fe tauchten wieder Falschinformationen im Internet auf, zum Beispiel ein falsches Facebook-Konto des Täters. Nach einem Bericht der „Washington Post“ trägt der Schütze dort in einem gefälschten Bild eine Mütze, die ihn als Unterstützer der Demokratin Hillary Clinton ausweisen soll. In einigen Videos auf YouTube wurde behauptet, den Angriff habe es gar nicht gegeben. Auf Twitter wurde einem Opfer vorgeworfen, eine Schauspielerin zu sein.

Einer Auswertung der „Washington Post“ zufolge sind in diesem Jahr bereits mehr Menschen in Schulen getötet worden als US-Soldaten im Einsatz.    


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Amoklauf an Highschool: Motiv weiter offen
Zwei Schüler in Kalifornien sterben, als ein 16-Jähriger an seiner Schule Schüsse abgibt. Auch der Schütze erliegt seinen Verletzungen. Wenig später fallen wieder an einer Highschool Schüsse.
Trauernde stehen fasssungslos an der Schule, an der der Täter um sich schoss.
Highschool-Schießerei in Kalifornien: Zwei Tote
Wieder fallen in den USA tödliche Schüsse an einer Schule. Bei dem Schützen soll es sich um einen Schüler handeln, der am Tag der Tat Geburtstag hatte. Mit der letzten Kugel in seiner Pistole soll er sich selber in den Kopf geschossen haben.
SANTA CLARITA, CALIFORNIA - NOVEMBER 14: Students are evacuated from Saugus High School onto a school bus after a shooting at the school left two students dead and three wounded on November 14, 2019 in Santa Clarita, California. A suspect in the shooting is being treated at a local hospital for a gunshot wound to the head.   Mario Tama/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==
Houston: Teenager nach Schulmassaker angeklagt
Nach tödlichen Schüssen auf zehn Menschen an einer Schule in Texas ist ein Teenager des Mordes angeklagt worden. Die Tat des 17-Jährigen am Freitag in Santa Fe entfachte die Debatte über die Waffengesetze in den USA erneut.
Am Weißen Haus in Washington hing die Flagge gestern auf Halbmast.
Zehn Tote nach Schüssen in High School in Texas
In einer Schule nahe der texanischen Metropole Houston hat sich am Freitag ein Amoklauf ereignet. Nach letzten Informationen wurden neun Schüler und ein Lehrer getötet, es gibt zahlreiche Verletzte.
Emergency crews gather in the parking lot of Santa Fe High School where at least eight students were killed on May 18, 2018 in Santa Fe, Texas. 
At least eight people were killed when a student opened fire at his Texas high school on May 18, 2018, as President Donald Trump expressed "heartbreak" over the latest deadly school shooting in the United States. The shooting took place as classes were beginning for the day at Santa Fe High School in the city of the same name, located about 30 miles (50 kilometers) southeast of Houston."There are multiple fatalities," Harris County Sheriff Ed Gonzalez told reporters. "There could be anywhere between eight to 10, the majority being students."




 / AFP PHOTO / Daniel KRAMER