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Terrorverdächtiger Abaaoud getötet
International 22 2 Min. 19.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Polizeiaktion in Saint-Denis

Terrorverdächtiger Abaaoud getötet

Abaaoud auf einem undatierten Foto.
Polizeiaktion in Saint-Denis

Terrorverdächtiger Abaaoud getötet

Abaaoud auf einem undatierten Foto.
AFP
International 22 2 Min. 19.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Polizeiaktion in Saint-Denis

Terrorverdächtiger Abaaoud getötet

Er galt als Drahtzieher der Anschläge von Paris. Jetzt ist klar: Der gesuchte Abdelhamid Abaaoud ist tot. Er starb bei der Polizeiaktion in Saint-Denis am Mittwoch.

(dpa) - Der als mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris gesuchte Abdelhamid Abaaoud ist bei der Polizeiaktion nördlich der französischen Hauptstadt am Mittwoch getötet worden. Dies teilte die Pariser Staatsanwaltschaft am Donnerstag nach der Untersuchung der Leiche mit. Abaaoud war von Schüssen und Granaten tödlich verletzt worden.

Der 28-jährige Belgier hatte Kampferfahrung in Syrien und war berüchtigt als meistgesuchter Islamist Belgiens. Der mutmaßliche Terrorpate, Sohn eines marokkanischen Händlers, wurde bereits seit einem vereitelten Terroranschlag auf Polizisten im ostbelgischen Verviers gesucht. Bei dem Einsatz von Polizei-Spezialkräften im vergangenen Januar waren zwei gesuchte Terroristen ums Leben gekommen, Abaaoud soll Kopf der aus drei Personen bestehenden Terrorzelle gewesen sein.

Belgier tauchte in Propaganda-Videos auf

Abaaoud lebte früher in dem als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Medienberichten zufolge stand er auch in engem Kontakt mit Brahim Abdeslam, der sich am Freitagabend in Paris auf dem Boulevard Voltaire in die Luft gesprengt hat. Beide Namen sollen auch in Verbindung stehen mit mehreren Straftaten aus den Jahren 2010 und 2011.

Dieses Bild erschien im Propaganda-Magazin „Dabik“.
Dieses Bild erschien im Propaganda-Magazin „Dabik“.
AFP

In mehreren Propagandavideos der Dschihadisten tauchte der Belgier auf. Bekannt ist auch ein Video, auf dem Abaaoud ein Auto steuert, das vier verstümmelte Leichen hinter sich herzieht. Im vergangenen Juli wurde Abaaoud in Brüssel wegen Rekrutierung von Syrien-Kämpfern zu 20 Jahren Haft verurteilt - in Abwesenheit.

Schlagzeilen machte der Islamist gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Younes, der ihm im vergangenen Jahr als Kämpfer nach Syrien gefolgt war. Belgische Zeitungen bezeichneten den 13-Jährigen damals als „jüngsten Dschihadisten der Welt“. Auf einem Foto im Internet posiert ein Junge in traditioneller Kleidung und mit Waffe, es soll sich dabei um Younes handeln.

Dschihadist rühmt sich seiner Taten

Auch bekannt als Abu Omar al-Baldschiki („der Belgier“) verheimlichte Abaaoud seine Terrorpläne keineswegs: Nach Angaben der englischen Tageszeitung „Guardian“ rühmte er sich in einem Interview des über das Internet verbreiteten Propaganda-Magazins „Dabik“ der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) mehrerer Terrorplanungen gegen den Westen - von Belgien aus und „direkt vor der Nase des belgischen Geheimdienstes“.

„Mein Name und mein Bild waren überall in den Nachrichten, trotzdem konnte ich in ihrem Land bleiben, Operationen gegen sie planen und ungehindert weggehen, als es nötig war.“ Als bereits gesuchter Islamist sei er sogar kontrolliert worden, behauptete er. Der Polizist habe ihn aber nicht erkannt. Unklar ist allerdings, ob das Interview echt ist.

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