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Terroranschlag in Barcelona: Zwei Tatverdächtige festgenommen, 13 Todesopfer
International 13 4 Min. 17.08.2017

Terroranschlag in Barcelona: Zwei Tatverdächtige festgenommen, 13 Todesopfer

International 13 4 Min. 17.08.2017

Terroranschlag in Barcelona: Zwei Tatverdächtige festgenommen, 13 Todesopfer

Michel THIEL
Michel THIEL
Im Zentrum von Barcelona ist ein Lieferwagen in eine Menschengruppe gerast. Es gab über 50 Verletzte und mindestens 13 Tote, darunter auch eine Belgierin. Zwei Personen wurden festgenommen. Der IS hat sich zum Anschlag bekannt.

(dpa) - Bei einem Terroranschlag mit einem Lieferwagen sind auf Barcelonas berühmter Flaniermeile Las Ramblas mindestens 13 Menschen getötet worden. Weitere 80 Menschen wurden verletzt, wie der katalanische Innenminister Joaquim Forn am Donnerstagabend mitteilte. Ein Verdächtiger wurde nach Polizeiangaben nach dem Anschlag festgenommen, eine zweite Person wurde wenig später ebenfalls gefasst.  Laut dem katalanischen Fernsehsender TV3 ist ein weiterer Verdächtiger tot - dies wurde zunächst nicht bestätigt.

Die Behörden bestätigten, dass es sich um einen Terroranschlag gehandelt habe. Demnach war ein Lieferwagen im Zentrum der Stadt in eine Menschenmenge gerast. Am Abend bekannte sich die Terrorgruppe "Islamischer Staat" zu dem Anschlag.

Die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group berichtete, dass Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in sozialen Netzwerken den Anschlag ähnlich feierten wie seinerzeit die Attacke in Manchester. Sie veröffentlichten Fotos, frühere Warnungen und Lobeshymnen. Allerdings habe sich die IS-Terrormiliz bislang nicht offiziell bekannt. Die Ausführung aber erinnere an andere vom IS inspirierte Anschläge und Instruktionen.

Fahndung nach weiteren Verdächtigen

Bei dem ersten Festgenommenen handelt es sich nach Medienberichten um einen Mann, der in einer Stadt nördlich von Barcelona gemeldet sei. Er komme aus Marseille und habe nordafrikanische Wurzeln, berichteten die katalanische Zeitung „La Vanguardia“ und das staatliche Fernsehen TVE unter Berufung auf Polizeikreise.

Nach der ersten Festnahme wurde nach zwei weiteren Verdächtigen gefahndet. Eine zweite Person wurde gegen 21 Uhr gefasst.

Fotos aus Barcelona zeigten Leichen am Straßenrand. Augenzeugen berichteten, das Fahrzeug sei mit hohem Tempo auf die Promenade im Zentrum der Stadt gefahren.

Ein Tourist sagte, das Fahrzeug sei Zickzack gefahren, „um ein Maximum an Fußgängern zu erwischen“. Berichten zufolge liefen Menschen panisch über die Straßen.

Viele Menschen hätten geschrien und sich in Hauseingängen wie Geschäften in Sicherheit gebracht, berichteten Augenzeugen. Ein deutscher Tourist sagte, es sei wie in einer „Kriegszone“ gewesen. „Polizisten mit Maschinengewehren und Gewehren im Anschlag kamen in der Straße auf mich zugerannt.“ Der Verkehr im Zentrum der Stadt sei zusammengebrochen. Die Geschäfte auf der Flaniermeile hätten geschlossen und ihre Fensterläden heruntergelassen.

Das belgische Außenministerium bestätigte den Tod einer Belgierin. Auch sollen zwei Deutsche unter den Todesopfern sein.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast. Der Fahrer des Lieferwagens soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe gewesen sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen getragen haben, wie die Zeitung „El Periódico de Catalunya“ berichtete. Ob es sich bei dem von der Polizei festgenommenen Mann um den Fahrer des Lieferwagens gehandelt habe, blieb zunächst offen.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort und forderte die Bevölkerung auf, die Region zu meiden. Die betroffene Gegend wurde weiträumig abgesperrt. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es.

Schock und Mitgefühl

Der spanische König Felipe VI. hat den Terroranschlag in der Innenstadt von Barcelona mit mindestens 13 Toten scharf verurteilt. „Das sind Mörder, einfach Kriminelle, die uns nicht terrorisieren werden“, schrieb der Palast am Donnerstagabend auf Twitter. Zugleich drückte der Hof seine Solidarität aus: „Ganz Spanien ist Barcelona. Die Ramblas werden wieder für alle da sein“.  

Politiker weltweit reagierten geschockt und betroffen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg teilte mit: „Wir stehen vereint im Kampf gegen den Terrorismus.“ EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani bekannte, die gesamte EU sei vereint in der Verteidigung des Friedens. US-Präsident Donald Trump lässt sich nach Angaben des Weißen Hauses ständig auf dem Laufenden halten.

Kremlchef Wladimir Putin hat nach dem Anschlag in Barcelona die Bereitschaft zum gemeinsamen Kampf gegen den Terror bekräftigt. „Der Vorfall bestätigt einmal mehr die Notwendigkeit, dass die gesamten Weltengemeinschaft sich im kompromisslosen Kampf gegen die Kräfte des Terrors vereinigen muss“, schrieb der russische Präsident an den spanischen König Felipe VI. „Wir verurteilen entschieden dieses brutale und zynische Verbrechen gegen friedliche Bürger.“  

Seit vergangenem Sommer war es in Europa wiederholt zu Anschlägen mit Fahrzeugen gekommen. Im Juli 2016 raste ein Attentäter mit einem Lkw auf dem Strandboulevard von Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen starben. Beim Anschlag mit einem gekaperten Laster auf den Berliner Weihnachtsmarkt wurden im Dezember zwölf Menschen getötet. Im Frühjahr 2017 gab es zudem tödliche Attacken mit Fahrzeugen in London und Stockholm.

Der bisher blutigste Terroranschlag in Spanien ereignete sich am 11. März 2004. Damals hatten islamistische Attentäter in Madrid Bomben in Pendlerzügen gezündet und 191 Menschen getötet. Rund 1500 weitere wurden verletzt.  

Die spanische Polizei hat eine Telefonnummer für Angehörige eingerichtet, die Informationen benötigen. Die Nummer lautet +349 321 4212 4




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