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Terror in Barcelona: Hauptverdächtiger möglicherweise flüchtig
International 3 Min. 19.08.2017

Terror in Barcelona: Hauptverdächtiger möglicherweise flüchtig

Bei dem Attentat waren 13 Personen getötet und über 100 verletzt worden.

Terror in Barcelona: Hauptverdächtiger möglicherweise flüchtig

Bei dem Attentat waren 13 Personen getötet und über 100 verletzt worden.
Foto: AFP
International 3 Min. 19.08.2017

Terror in Barcelona: Hauptverdächtiger möglicherweise flüchtig

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Die Ermittlungen in Spanien kommen nur langsam voran. Die Polizei hat mehrere Verdächtige erschossen und weitere festgenommen. Der Haupttäter ist möglicherweise noch auf der Flucht.

(dpa) - Nach der Terrorattacke mit einem Lieferwagen in Barcelona ist der Haupttäter möglicherweise noch auf freiem Fuß. Die Polizei äußerte Zweifel, dass der bisherige Hauptverdächtige tatsächlich der Fahrer des Tatfahrzeugs war. „Es ist eine Möglichkeit. Aber zu diesem Zeitpunkt (...) verliert sie an Gewicht“, sagte der katalanische Polizeichef Josep Lluis Trapero. Der 17 Jahre alte Moussa Oukabir war nach Angaben der Polizei zusammen mit vier anderen Verdächtigen in der Nacht zum Freitag bei einem Antiterror-Einsatz in Cambrils rund 100 Kilometer südlich von Barcelona erschossen worden.

Es gebe derzeit keine „ausreichenden Beweise“, dass Oukabir den Lieferwagen auf der Touristenmeile Las Ramblas in die Passanten gesteuert habe. Offen sei auch, wie er nach der Tat von Barcelona nach Cambrils gelangt sein könnte. Bei der Attacke in Barcelona am Donnerstag waren mindestens 13 Menschen getötet worden. Eine Frau starb zudem nach einem vereitelten Angriff in der Küstenstadt Cambrils.

Möglicherweise Richtung Frankreich

Medienberichten zufolge richtet sich die Aufmerksamkeit der Polizei auf einen derzeit flüchtigen 22 Jahre alten Marokkaner. Dabei handele es sich um den Bruder eines der getöteten Terrorverdächtigen von Cambrils. Demnach stammt er aus Ripoll rund 100 nördlich von Barcelona.

Der Gesuchte war unbestätigten Berichten zufolge möglicherweise Richtung Frankreich unterwegs. Er könnte die spanisch-französiche Grenze bereits passiert haben.

Die Ermittler gehen derzeit von einem Netzwerk von zwölf Verdächtigen aus. Fünf von ihnen wurden in Cambrils getötet, vier wurden festgenommen. Drei weitere sind noch nicht gefunden. Einer oder zwei von ihnen könnten bei der Explosion in dem Wohnhaus in Alcanar am Mittwoch umgekommen sein. Die Beamten vermuten, dass die Gruppe dort Sprengstoff für ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vorbereitete. 

Haus eines Imam durchsucht

Die Polizei durchsuchte am Samstagmorgen in der Stadt Ripoll nördlich von Barcelona das Haus eines Imam. Die Sicherheitskräfte hätten nach DNA-Proben gesucht, berichtete die Zeitung „El Pais“ unter Berufung auf Polizeikreise. Es gebe die Vermutung, dass es sich bei einer der beiden Leichen, die in der von einer Explosion zerstörten Wohnung in Alcanar gefunden worden waren, um den muslimischen Geistlichen handeln könnte.

Die Terrorzelle soll laut Polizei den Anschlag auf dem Boulevard Las Ramblas und den vereitelten Anschlag von Cambrils in der Wohnung geplant haben, wo es am Mittwoch zu einer Explosion gekommen war.

Die Polizei ordnete beide Vorfälle einer mutmaßlichen, aus zwölf Mitgliedern bestehenden Islamisten-Zelle zu - genau wie die Gas-Explosion mit möglicherweise zwei Toten am Mittwoch in einem Wohnhaus in dem Ort Alcanar.

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) reklamierte die Attacke von Barcelona für sich. Mehrere Glaubenskämpfer hätten sie in zwei Gruppen ausgeführt und „Kreuzfahrer“ ins Visier genommen, teilte der IS in einer Erklärung am Samstag über das Internet mit. Bisher war das IS-Bekenntnis nur von seinem Sprachrohr Amak verbreitet worden.

 Noch 54 Opfer im Krankenhaus

Zwei Tage nach den Anschlägen waren am Samstag noch 54 Menschen im Krankenhaus. 50 Verletzte lägen in Kliniken in Barcelona, vier in Cambrils, teilten die katalanischen Notfalldienste mit. Zwölf Patienten seien in kritischem Zustand, 25 weitere schwer verletzt.

Die spanische Regierung wird die Terrorwarnstufe für das Land nicht erhöhen. Dies sagte Innenminister Juan Ignacio Zoido am Samstag vor Journalisten. In Spanien gilt bereits seit zwei Jahren die zweithöchste Terrorwarnstufe 4. Sie bedeutet, dass ein „erhebliches Risiko eines terroristischen Anschlags“ besteht. Allerdings würden die Sicherheitsvorkehrungen ab sofort verschärft, so Zoido. Einzelheiten wollte er aus Sicherheitsgründen nicht nennen.


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