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Tausende demonstrieren in Russland: Oppositioneller Nawalny festgenommen
International 2 Min. 26.03.2017

Tausende demonstrieren in Russland: Oppositioneller Nawalny festgenommen

Alexej Nawalny wurde mit Hunderten weiteren Demonstranten festgenommen.

Tausende demonstrieren in Russland: Oppositioneller Nawalny festgenommen

Alexej Nawalny wurde mit Hunderten weiteren Demonstranten festgenommen.
Archivfoto: AFP
International 2 Min. 26.03.2017

Tausende demonstrieren in Russland: Oppositioneller Nawalny festgenommen

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
In ganz Russland protestieren die Menschen gegen die Korruption im Land - mehrere Hundert werden festgenommen. Unter ihnen ist auch die Galionsfigur der Opposition, Alexej Nawalny.

(dpa) - Bei landesweiten Massenprotesten in Russland hat die Polizei mehrere Hundert Demonstranten und Anhänger des Oppositionellen Alexej Nawalny festgenommen. Nawalny selbst wurde am Sonntag gleich zu Beginn der nicht genehmigten Kundgebung im Zentrum von Moskau festgesetzt, wie die Agentur Tass meldete. Beobachter gingen davon aus, dass die Anti-Korruptionsproteste am Wochenende die größten landesweiten Aktionen seit 2011 waren.

Nawalny will bei der Präsidentenwahl 2018 gegen Präsident Wladimir Putin kandidieren, der wahrscheinlich zur Wiederwahl antritt. Ein Gericht hat den Kremlkritiker allerdings zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Nawalny wirft den Behörden vor, ihn an der Kandidatur hindern zu wollen.

„Mir geht es gut. Sie haben mich mitgenommen“, twitterte Nawalny. „Setzt den friedlichen Spaziergang fort. Das Wetter ist gut.“ Seinen Angaben zufolge sollen alle Mitarbeiter seines Fonds zur Bekämpfung der Korruption festgenommen worden sein. Polizeiquellen in Moskau sprachen von mehr als 500 Festgenommenen allein in der Hauptstadt.

Nawalny hatte zu friedlichen Demonstrationen aufgerufen

Nawalny hatte zuvor dazu aufgerufen, in 100 Städten friedlich gegen Korruption in Russland zu demonstrieren. Die Demonstration im Zentrum Moskaus wurde von der Stadtverwaltung nicht genehmigt, Behörden hatten bei einer Teilnahme mit hartem Durchgreifen gedroht. Dennoch folgten mehrere Tausend Demonstranten in St. Petersburg und Moskau dem Aufruf, in zahlreichen Städten in Sibirien gab es ebenfalls Proteste. In Wladiwostok an der Pazifikküste wurden von 180 Demonstranten rund 25 Menschen in Gewahrsam genommen.

Nawalny hatte Anfang März in einem Video Regierungschef Dmitri Medwedew Korruption im großen Stil vorgeworfen. Er soll sich mit Hilfe von Strohmännern zahlreiche Immobilien angeeignet haben. Mit seinem Fonds veröffentlicht Nawalny regelmäßig Belege für die angebliche Bestechlichkeit ranghoher Staatsdiener. Medwedew wirft er vor, zu den reichsten und korruptesten Politikern des Landes zu zählen.

Die Polizei in Moskau setzte Spezialkräfte ein, mehrere Hubschrauber kreisten über dem Zentrum. Die Polizisten gingen brutal gegen die friedlichen Demonstranten vor. „Ihr sollt doch dem Volk dienen!“, schrie ein Passant den Einsatzkräften zu. „Wir dienen nur dem Präsidenten“, antwortete ein Polizist.

Die Demonstrationen verliefen zunächst weitgehend friedlich. Autofahrer hupten auf den Straßen als Zeichen ihrer Unterstützung. Viele skandierten politische Slogans. „Wir sind frustriert, dass sich in Russland nichts ändert“, sagte die 24-jährige Studentin Anastassija in Moskau. „Natürlich wird der Protest die Machthaber nicht stürzen, aber wir wollen ein Zeichen setzen.“ Sie nehme dafür auch in Kauf, festgenommen zu werden.

Zuletzt hatten Unzufriedene in Russland im Winter 2011/12 gegen Wahlfälschungen demonstriert, diese Bewegung hatte Putin niederschlagen lassen. Gedenkkundgebungen mit mehreren Tausend Teilnehmern gibt es auch zu den Jahrestagen der Ermordung des Oppositionspolitikers Boris Nemzow.


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