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Tatverdächtiger in Volkmarsen nicht betrunken - Fast 60 Verletzte
International 3 Min. 25.02.2020

Tatverdächtiger in Volkmarsen nicht betrunken - Fast 60 Verletzte

Besucher und Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen beim ökumenischen Gottesdienst an der Kirche St. Marien und dem Rathaus.

Tatverdächtiger in Volkmarsen nicht betrunken - Fast 60 Verletzte

Besucher und Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen beim ökumenischen Gottesdienst an der Kirche St. Marien und dem Rathaus.
Foto: DPA
International 3 Min. 25.02.2020

Tatverdächtiger in Volkmarsen nicht betrunken - Fast 60 Verletzte

Auch einen Tag, nachdem ein Mann mit seinem Auto in einen Karnevalsumzug in Nordhessen gefahren ist, sind viele Fragen noch offen.

(dpa) - Die Ermittlungen nach der Gewalttat beim Rosenmontagszug in Nordhessen mit rund 60 Verletzten laufen weiter auf Hochtouren. Der Mann, der am Montag mit einem Auto in der Kleinstadt Volkmarsen in eine Menschenmenge gefahren ist, war nach Behördenangaben nicht betrunken. Ob er unter Drogeneinfluss gestanden habe, stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag. Bislang sei der Mann nicht vernehmungsfähig.

Der 29-Jährige war in der nordhessischen Kleinstadt mit einem Auto in einen Rosenmontagsumzug gefahren. Die Zahl der Verletzten stieg bis zum frühen Dienstagnachmittag auf fast 60. Auch der Fahrer zog sich den Angaben zufolge Verletzungen zu. Der Mann wurde vorläufig festgenommen. Das Motiv des deutschen Staatsbürgers, der aus Volkmarsen kommt, ist noch unklar. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Ökumenischer Gottesdienst


A broken handcart is seen in front of cars of the police, the fire brigades and an ambulance on Rose Monday, February 24, 2020 in Volkmarsen near Kassel, central Germany. - Several people were injured when a car drove into a carnival procession in Volksmarsen, police said, adding that the driver had been arrested. (Photo by Elmar SCHULTEN / AFP)
Autofahrer rast in Karnevalsumzug
Während des Rosenmontagsumzugs fährt ein Auto in Hessen in eine Menschenmenge. Es gibt mehrere Verletzte.

Am Dienstagabend besuchten Hunderte Menschen einen ökumenischen Gottesdienst, an dem auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth teilnahmen. Der Fuldaer Bischof Michael Gerber rief die Menschen zum Zusammenhalt auf. Die Tat könne man nicht verstehen, sagte der katholische Geistliche laut Redemanuskript. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, sagte, das Geschehene habe das Leben in Volkmarsen radikal verändert, doch Gott sei auch in diesen dunklen Momenten bei den Menschen.

Die Pfarrkirche St. Marien war schon lange vor Beginn des Gottesdienstes gefüllt. Hunderte Menschen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche, standen auf dem Kirchplatz zwischen Fachwerkhäusern und dem Rathaus. Einige Besucher hielten sich im Arm, wischten Tränen weg, Menschen beteten und sangen gemeinsam. Nach dem Gottesdienst, der über Lautsprecher nach draußen übertragen wurde, stellten Menschen Kerzen an der Kirche ab.

Volker Bouffie, Ministerpräsident von Hessen, gibt vor dem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche St. Marien ein Pressestatement.
Volker Bouffie, Ministerpräsident von Hessen, gibt vor dem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche St. Marien ein Pressestatement.
Swen Pförtner/dpa

„Wenn wir etwas brauchen in diesem Land, dann ist es Zusammenhalt“, sagte Bouffier. Die Täter - egal, welches Motiv sie hätten - hätten immer ein Ziel: „Sie wollen unser friedliches und häufig fröhliches Gemeinwesen stören. Sie wollen Angst schüren. Unsere Antwort muss klar sein, wir werden diesem nicht weichen.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich indes „tief erschüttert“ über den Vorfall. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Ich wünsche den Verletzten von Herzen eine vollständige Genesung“, sagte er laut einer Mitteilung auf Facebook. Steinmeier dankte zudem den Helfern: „Mein Dank gilt den Einsatzkräften vor Ort.“

Tatort freigegeben

Der Tatort in Volkmarsen wurde am Dienstag wieder freigegeben. Die Straße in der Innenstadt werde noch gereinigt und sei dann wieder für Fußgänger und Autofahrer nutzbar, sagte ein Polizeisprecher.

Bei dem Vorfall wurden mehrere Dutzend Menschen verletzt, darunter viele Kinder. Bis zum frühen Dienstagnachmittag stieg die Zahl der Verletzten auf fast 60. Das Polizeipräsidium bat auch Verletzte, die nicht in ärztlicher Behandlung waren, sich zu melden. Am Dienstagmittag waren noch 35 Menschen in stationärer Behandlung, wie die Polizei in Kassel mitteilte. Weitere wurden demnach ambulant behandelt. Die Zahl der verletzten Kinder liege bei 18, das jüngste sei drei Jahre alt. Wie schwer die Kinder verletzt sind, war zunächst unklar.


25.02.2020, Hessen, Volkmarsen: Ein Polizist geht vor einer Sichtblende vor dem Ort, wo am Vortag ein Mann mit seinem Auto in einen Karnevalsumzug raste und rund 30 Menschen, darunter auch Kinder, verletzte. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Foto: Uwe Zucchi/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Mehr als 50 Verletzte nach Tat in Volkmarsen - Motiv weiter unklar
Ein Mann fährt mit einem Auto in eine feiernde Menschenmenge. 50 Menschen werden verletzt, viele davon sind Kinder. Die Hintergründe der Tat liegen auch am Tag danach im Dunkeln.

Ein sogenanntes Gaffervideo hatte am Montag auch zu einer zweiten Festnahme geführt. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte, gegen den Festgenommenen werde wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen“ ermittelt. Ob es darüber hinaus einen Zusammenhang zu dem Vorfall gegeben habe, müsse noch ermittelt werden.

Die Karnevalisten in Hessen sagten eine Reihe geplanter Umzüge für Dienstag ab - viele hielten jedoch auch an ihren Plänen fest. Es gebe keine konkreten Hinweise darauf, dass sich die Gefährdungslage für die noch geplanten Umzüge im Land erhöht habe, teilte das hessische Innenministerium mit. Die Veranstalter der Umzüge wurden aber nachdrücklich dazu aufgefordert, ihre Sicherheitskonzepte nochmals zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. 


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