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Taliban erobern zweite Provinzhauptstadt in Afghanistan
International 2 Min. 07.08.2021
Schiberghan

Taliban erobern zweite Provinzhauptstadt in Afghanistan

Seit dem Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen Anfang Mai haben die Taliban mehrere Offensiven in dem Land gestartet.
Schiberghan

Taliban erobern zweite Provinzhauptstadt in Afghanistan

Seit dem Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen Anfang Mai haben die Taliban mehrere Offensiven in dem Land gestartet.
Foto: AFP
International 2 Min. 07.08.2021
Schiberghan

Taliban erobern zweite Provinzhauptstadt in Afghanistan

Die Taliban nehmen in Afghanistan die zweite Provinzhauptstadt binnen 24 Stunden ein. Stehen sie bald in Kabul?

(dpa) - Binnen 24 Stunden haben die militant-islamistischen Taliban eine zweite Provinzhauptstadt in Afghanistan eingenommen. Lokalen Behördenvertretern zufolge ist die Stadt Schiberghan der Provinz Dschausdschan im Norden des Landes am Samstag an die Islamisten gefallen. Erst am Freitag war die kleine Provinzhauptstadt Sarandsch an der iranischen Grenze an die Taliban gefallen. Auch in anderen Städten dauerten heftige Gefechte an.

Seit dem Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen Anfang Mai haben die Taliban mehrere Offensiven in dem Land gestartet. Erst konnten sie vor allem im ländlichen Raum massive Gebietsgewinne verzeichnen. Danach eroberten sie mehrere Grenzübergänge. Nun liegt ihr Fokus offenbar auf den Hauptstädten der 34 Provinzen des Landes.

Dem Fall von Schiberghan gingen heftige Kämpfe voraus, sagten Provinzräte. Schlüsseleinrichtungen der Stadt hatten am Freitag mehrmals die Kontrolle gewechselt. Am Samstag brachten die Islamisten die wichtigsten Regierungsgebäude unter ihre Kontrolle - das Polizeihauptquartier, das Gefängnis und den Gouverneurssitz.


16.07.2021, Afghanistan, Bagram: Ein afghanischer Soldat steht Wache an einem Armee-Kontrollpunkt in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts Bagram, nachdem alle US- und NATO-Truppen den Stützpunkt in der Provinz verlassen haben. Die Nato hat ihren Militäreinsatz in Afghanistan nach knapp zwei Jahrzehnten beendet. Foto: Sayed Zakeria/Sputnik/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Sicherheits- und Pro-Regierungskräfte haben lokalen Behördenvertretern zufolge auch den Sitz des Geheimdienstes und das Haus des ehemaligen Kriegsfürsten und Vizepräsidenten Abdul Raschid Dostum verlassen und sind lediglich noch im Gebiet rund um den Flughafen und in einer Militärbasis.

Schiberghan liegt rund 130 Kilometer von Masar-i-Scharif entfernt an einer wichtigen Ost-West-Verbindung in Nordafghanistan. Die Stadt mit geschätzt 130.000 Einwohnern gilt als wichtiges Tor zu den nördlichen und nordöstlichen Regionen des Landes.

Sie ist seit langem der Machtsitz von Dostum. Als Teil der sogenannten Nordallianz bekämpften dessen Milizen im Bürgerkrieg der 1990er Jahre die Taliban. Dostum galt als besonders grausam gegenüber den Islamisten. In den aktuellen Gefechten um die Stadt waren seine Milizen unter Führung seines Sohnes im Einsatz, Dostum selbst war erst diese Woche nach einem Auslandsaufenthalt wegen einer Krankheit nach Kabul zurückgekehrt.

Weitere Gefechte

Heftige Taliban-Angriffe mussten Sicherheitskräfte am Samstag zudem in den Städten Kundus und Faisabad im Norden sowie Laschkargah im Süden abwehren. Provinzräte aus Faisabad sagten, die Islamisten hätten die Stadt aus fünf verschiedenen Richtungen angegriffen, seien aber auf starken Widerstand der Polizei und Armee gestoßen. Auch in Kundus rückten die Islamisten auf mehrere Polizeibezirke der Stadt gleichzeitig vor. Alle Geschäfte und Behörden seien wegen der Kämpfe geschlossen, es gebe zivile Opfer.


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Im Moment sehe es so aus, als ob die Taliban schneller vordrängen als von allen erwartet, sagt der Afghanistan-Experte Thomas Ruttig von der Kabuler Denkfabrik Afghanistan Analysts Network zur Deutschen Presse-Agentur. „Die US-Truppen haben noch nicht einmal vollständig das Land verlassen, da greifen sie schon Provinzstädte an.“ 

Die US-Botschaft in Kabul gab am Samstag eine neue Sicherheitswarnung heraus und forderte alle US-Bürger erneut „nachdrücklich“ auf, das Land zu verlassen. Die US-Militärmission in Afghanistan endet am 31. August. Der Abzug ist US-Angaben zufolge zu mehr als 95 Prozent abgeschlossen. 

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