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Südafrika: Händewaschen in der Wasserkrise?
International 3 Min. 21.03.2020

Südafrika: Händewaschen in der Wasserkrise?

Sich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen bleibt in Südafrika eine Herausforderung - insbesondere im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Südafrika: Händewaschen in der Wasserkrise?

Sich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen bleibt in Südafrika eine Herausforderung - insbesondere im Kampf gegen die Corona-Pandemie.
Illustration: Shutterstock
International 3 Min. 21.03.2020

Südafrika: Händewaschen in der Wasserkrise?

2010 erklärte die UNO Wasser zum Menschenrecht. Doch in Südafrika ist der Zugang immer noch eingeschränkt. Was bedeutet das für die Corona-Pandemie?

Von LW-Korrespondent Markus Schönherr (Kapstadt)

Khayelitsha, das zweitgrößte Township Südafrikas: Nebenan, in der modernen Metropole Kapstadt, laufen die Vorbereitungen im Kampf gegen das Corona-Virus an. Am Sonntag rief Präsident Cyril Ramaphosa den Katastrophenzustand aus. Bisher gibt es nur 85 Infizierte. 

Schlammige Brühe

Doch die Township-Bewohnerin Nonceba Ndlebe ist besorgt: „Wenn das Virus durch ungewaschene Hände übertragen wird, werden wir alle es bekommen.“ Gemeinsam mit ihren Nachbarn teilt sie sich drei Gemeinschaftswasserleitungen, wie das südafrikanische Portal GroundUp berichtet. Der Weltwassertag am Sonntag steht am Kap im Zeichen des Corona-Virus: Wie Händewaschen, wenn bloß 46 Prozent der Südafrikaner über eine hauseigene Wasserleitung verfügen?

Für zahlreiche Südafrikaner bleibt fließendes Wasser zuhause ein Luxus.
Für zahlreiche Südafrikaner bleibt fließendes Wasser zuhause ein Luxus.
Foto: Ralph di Marco

Die Statistik steht im Gegensatz zu Südafrikas Image als moderner Schwellenstaat mit der zweitgrößten Wirtschaft am Kontinent – und der Tatsache, dass offiziell über 90 Prozent Zugang zu Wasser haben. Sichtbar wird das Problem im Township Tumahole südlich von Johannesburg. 

So sieht der Alltag im ländlichen Südafrika oft aus.
So sieht der Alltag im ländlichen Südafrika oft aus.
Foto: LW-Archiv/REUTERS

Auch dort werden die Bewohner von Gemeinschaftsleitungen versorgt. Trotzdem schaffen die meisten ihr Wasser mit Schubkarren in Kanistern heran, denn aus ihrer Leitung kommt nur eine schlammige Brühe.

Wut auf Vetternwirtschaft

Auch die Zahl der Südafrikaner mit Zugang zu einem Waschbecken mit Seife variiert stark: Sind es im Westkap rund um Kapstadt mehr als 80 Prozent, sinkt die Zahl in der unterentwickelten Provinz Limpopo auf 36 Prozent. 

Viele Südafrikaner können im Kampf gegen das Corona-Virus lediglich auf den Mundschutz zurückgreifen - was längst nicht so effizient ist wie regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife.
Viele Südafrikaner können im Kampf gegen das Corona-Virus lediglich auf den Mundschutz zurückgreifen - was längst nicht so effizient ist wie regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife.
Foto: AFP

Für die südafrikanische Journalistin Redi Tlhabi ist der Aufruf zum Händewaschen ein „Witz“, solange es Gemeinden gebe, „die um Wasser betteln, die vor Gericht um Wasser kämpfen müssen, und deren Gelder für Infrastruktur die Taschen von jemand anderen füllen“.


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Angesichts des Gesundheitsnotstands versprach Südafrikas Wasserministerin Lindiwe Sisulu nun schnelle Hilfe für die Armenviertel des Landes. Die Regierung will die Townships mithilfe von Wassertrucks und Desinfektionsmöglichkeiten versorgen. Doch einige Kritiker zweifeln an dem Vorhaben, funktioniert die Versorgung in vielen Landesteilen schon in normalen Zeiten kaum bis gar nicht.

Der ANC hat versagt

Dhesigen Naidoo ist Geschäftsführer der staatlichen Wasserforschungskommission. Für ihn steht fest: „Südafrikas Wasserprobleme gründen in unserem fortdauernden Unvermögen, das Wasser, das wir bereits haben, erfinderisch, effektiv und wirksam zu nutzen.“ 

Der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) wirbt regelmäßig damit, dass er Millionen Südafrikanern nach der Apartheid nicht nur Strom und Sozialwohnungen, sondern auch fließendes Wasser brachte. Vor kurzem mussten die Politiker in der Hauptstadt Pretoria jedoch eingestehen: Der Anteil der Haushalte mit verlässlichem Wasserzugang ist im Vergleich zu 1994 gesunken.

„Während sich die Wasser- und Sanitärkrise negativ auf das Wirtschaftswachstum und die ökologische Nachhaltigkeit auswirkt, bedroht sie vor allem Gesundheit und Wohlbefinden von armen Südafrikanern“, heißt es im kürzlich vorgestellten „Masterplan“ von Südafrikas Regierung. Mit ihm will Ministerin Sisulu Südafrikas Wasserkrise bis 2030 beenden. Kostenpunkt: 52 Milliarden Euro, um das alte und marode Wassernetz zu erneuern. 

Der Afrikanische Nationalkongress hat es nicht fertig gebracht, seine Versprechen einzulösen und die Wasserversorgung der Südafrikaner zu verbessern.
Der Afrikanische Nationalkongress hat es nicht fertig gebracht, seine Versprechen einzulösen und die Wasserversorgung der Südafrikaner zu verbessern.
Foto: LW-Archiv/AP

Darüber hinaus müssten Südafrikaner ihre Einstellung zur Ressource ändern, erinnern die Verantwortlichen. Denn obwohl es in Südafrika nur etwa halb so viel regnet, verbrauchen seine Bewohner pro Kopf 60 Liter mehr Wasser am Tag als der Weltdurchschnitt.

Klimawandel und Korruption

Hinzu kommt eine Dürre, die Südafrika derzeit fest im Griff hat. Die Kleinstadt Makhanda, ehemals Grahamstown, musste wegen des Wassermangels auf Notbetrieb umstellen. Jeden dritten Tag wird den 70.000 Einwohnern das Wasser abgestellt. Einige Geschäfte und Behörden schlossen vorübergehend. Schulen und Krankenhäuser können den Betrieb dank Hilfsorganisationen aufrechthalten, die Wasser per Lastwagen heranschaffen.


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Der frühere südafrikanische Präsident Jacob Zuma äußerte sich am Montag erstmals vor einer Untersuchungskommission zu Korruptionsvorwürfen. Er sieht sich selbst als Opfer einer Verschwörung.

Verschwendung, Klimawandel, marode Rohre. All das spielt eine Rolle in Südafrikas Wasserdilemma, doch Beobachter vermuten noch andere Ursachen. Laut der Enthüllungsplattform "Daily Maverick" hätten die Korruptionsskandale der letzten Jahre unter Ex-Präsident Jacob Zuma auch vor dem Wasserministerium nicht Halt gemacht. Milliarden seien auf fragwürdige Weise verschwunden, heißt es.


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