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Suche nach 800 Kinderleichen im irischen Tuam genehmigt
International 1 24.10.2018 Aus unserem online-Archiv

Suche nach 800 Kinderleichen im irischen Tuam genehmigt

Catherine Corless wertete die Namenslisten des Heims aus und fand Ungereimtheiten.

Suche nach 800 Kinderleichen im irischen Tuam genehmigt

Catherine Corless wertete die Namenslisten des Heims aus und fand Ungereimtheiten.
REUTERS
International 1 24.10.2018 Aus unserem online-Archiv

Suche nach 800 Kinderleichen im irischen Tuam genehmigt

Knapp 800 Kinder sollen zwischen 1925 und 1961 in einem von der katholischen Kirche betriebenen Heim gestorben und namenlos wie Abfall verscharrt worden sein. Nach ihnen gefragt hat bis 2014 niemand. Jetzt beginnen Ausgrabungen.

(dpa/tom) - Auf der Suche nach fast 800 Kinderleichen hat die irische Regierung systematische Ausgrabungen und forensische Untersuchungen auf dem Grundstück des ehemaligen  St. Mary’s Mother and Baby Home genehmigt. Der katholische Orden der Schwestern von Bon Secours hatte die Mutter-Kind-Einrichtung für Unverheiratete im westirischen Tuam von 1925 bis 1961 betrieben. Die Bewohner sollen dort wie Sklaven gehalten und viele unterernährte kleine Kinder an Krankheiten gestorben sein.


Unter dieser Grünfläche fanden die Ermittler das Massengrab, vermutlich aus dem Zeitraum 1925 bis 1961. Die inoffizielle Gedenkplatte rechts im Bild stammt von 2014.
In Irland: Kinderleichen in Mutter-Kind-Heim gefunden
"Erhebliche Mengen" menschlicher Überreste sind im westirischen Tuam gefunden worden. Eine Untersuchungskommission bestätigte jetzt entsprechende Hinweise aus den Jahren 1975 und 2014.

Erste Skelette im Erdreich waren bereits vor Jahrzehnten von spielenden Kindern entdeckt worden. Anwohner glaubten Berichten zufolge anfangs, dass es sich um Opfer der irischen Hungersnot im 19. Jahrhundert handelte.

Später entdeckten Experten unterirdische Kammern mit menschlichen Überresten - es waren Föten und Kleinkinder im Alter von bis zu drei Jahren. Nun soll das Grundstück systematisch abgesucht werden, wie das irische Kinderministerium am Montag in Dublin mitteilte.

Wie Abfall verscharrt

In dem Heim seien tote Mädchen und Jungen wie Abfall verscharrt worden, berichteten Überlebende. Die ortsansässige Hobby-Historikerin Catherine Corless hatte den Fall ins Rollen gebracht. Sie fand in einem Sterberegister Einträge für knapp 800 Kinder, die im Laufe der 36 Jahre in dem Heim gelebt hatten. Aber nur für ein Kind konnte sie nachweisen, dass es beerdigt worden war.

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Tuam ist kein Einzelfall. Die Republik Irland arbeitet mit Hilfe einer Kommission landesweit die Geschichte von Heimen für ledige Mütter und deren Kinder auf. Zehntausende „gefallener Frauen“ sollen in solchen Einrichtungen untergebracht worden sein.


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