Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Sturm Harvey: Mit dem Hund unterm Arm auf der Flucht
International 16 2 Min. 01.09.2017

Sturm Harvey: Mit dem Hund unterm Arm auf der Flucht

International 16 2 Min. 01.09.2017

Sturm Harvey: Mit dem Hund unterm Arm auf der Flucht

Michel THIEL
Michel THIEL
Tropensturm „Harvey“ hat nicht nur Menschen obdachlos gemacht. Auch viele Tiere sind betroffen. Für sie schaffen Tierheime Platz - und transportieren bisherige Bewohner per Flugzeug ab.

(dpa) - Belinda Penn ist bis auf die Haut durchnässt. Haarsträhnen kleben ihr auf der Stirn, das Wasser reicht ihr fast bis an die Knie. Unter die Arme geklemmt trägt sie zwei kleine weiße Hunde. Winston und Baxter, der eine West Highland Terrier, der andere Shih Tzu, sind pitschnass, aber wohlauf.

Es war keine Option für uns, sie zurückzulassen“, sagte die Texanerin der „New York Times“. Penn und ihr Mann sind Betroffene des Tropensturms „Harvey“, der Regenmassen und Überschwemmungen nach Texas gebracht hat. Wie den Penns geht es vielen: Wer kann, versucht neben Hab und Gut auch seine Lieblinge vor den Fluten zu retten.

Es gelingt nicht allen. So stranden in den Tierheimen der betroffenen Regionen immer mehr herrenlose Haustiere. „Bitte helft uns! Wir brauchen dringend Käfige in Handgepäck-Größe“, veröffentlichte ein Tierheim im texanischen San Antonio auf seiner Facebook-Seite einen Hilferuf.

Um Platz zu schaffen, müssen bisherige Heimbewohner weichen. Das Hochwasser in Texas erfordert eine logistische Leistung von Tierschützern in den gesamten USA: Helfer transportieren bisherige Tierheim-Schützlinge per Flugzeug in andere Teile des Landes. Allein aus San Antonio zogen bereits mehrere Hundert Hunde auf dem Luftweg um, unter anderem bis ins mehr als zweitausend Kilometer entfernte New Jersey an der US-Ostküste, wie die Tierschützer auf ihrer Facebook-Seite weiter schrieben.

Nicht abtransportiert würden selbstverständlich diejenigen Tiere, die die Retter erst wegen „Harvey“ aufgegriffen hätten, beruhigen die Verantwortlichen besorgte Facebook-Nutzer: „Dies sind nicht die an der Küste geretteten Tiere.“ Die sollen „heimatnah“ untergebracht werden, in der Hoffnung, bald zu ihren Besitzern zurückkehren zu können.

In den sozialen Netzwerken machten einige herzzerreißende Bilder die Runde: So war ein Hund zu sehen, der mit einer Futtertüte im Maul durch den Regen trottete. Ein CNN-Reporter teilte auf Instagram ein Foto, das zwei Golden Retriever in einem Boot im texanischen Dickinson zeigt. Die beiden Hunde seien von ihren Besitzern vor einem überfluteten Haus zurückgelassen worden, schrieb er dazu. Andere Aufnahmen zeigten Freiwillige, die Pferde aus kniehohem Wasser retten.

Das Foto eines Hundes, der seine Futtertüte vor den Fluten rettete, verbreitete sich viral im Netz.
Das Foto eines Hundes, der seine Futtertüte vor den Fluten rettete, verbreitete sich viral im Netz.
Foto: Screenshot Facebook

Nachdem es in der größten Notunterkunft in Houston zunächst Irritationen um abgewiesene Tierbesitzer gab, sind dort mittlerweile Haustiere willkommen. Gemäß einer nach Hurrikan „Katrina“ erlassenen Verordnung sind bei einer Evakuierung im Katastrophenfall auch Tiere zu berücksichtigen.

Damals hatten sich viele Menschen geweigert, ihre Häuser zu verlassen, weil Katzen und Hunde in New Orleans bleiben sollten. Andere ließen ihre Haustiere in dem Glauben zurück, nach wenigen Tagen wieder da zu sein. Tatsächlich dauerte es in einigen Fällen Wochen, bis Bewohner zurückkehren durften. Etwa 250 000 Hunde und Katzen kamen nach Angaben der Tierschutzgesellschaft ASPCA 2005 bei „Katrina“ ums Leben oder wurden herrenlos.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Erste Bilanz: "Harvey" beschädigte 100.000 Häuser
Das Weiße Haus zieht eine erste Bilanz des Tropensturms "Harvey", der in Texas für verheerende Überschwemmungen gesorgt hatte. 100.000 Häuser seien beschädigt worden. Der texanische Gouverneur beziffert die Kosten auf über 125 Milliarden Dollar.
Die Schäden in Texas gehen in die Milliarden.
Tropensturm Harvey: Die Lage bleibt dramatisch
«Harvey» wird schwächer, aber die Gefahr ist noch lange nicht gebannt. Die Rettungskräfte in Texas kämpfen sich weiter durch die Fluten. Die Marine schickt Schiffe ins Katastrophengebiet.
HOUSTON, TX - AUGUST 30: Rescue workers and volunteers help to rescue residents of an apartment complex after it was inundated with water following Hurricane Harvey on August 30, 2017 in Houston, Texas. Harvey, which made landfall north of Corpus Christi August 25, has dumped nearly 50 inches of rain in and around Houston.   Scott Olson/Getty Images/AFP
Der Kommentar: Der Sturm
"Harvey" offenbart, dass die Menschen nicht gegen die ungezügelt tobende Kraft der Elemente gewinnen können. Die Niederlage fällt umso heftiger aus, wenn sie sich nicht einigermaßen gegen die Naturgewalten wappnen.
(Keine) nassen Füße: Der US-Präsident und seine Gattin auf dem Weg ins Katastrophengebiet.
Tropensturm "Harvey": Ausgangssperre in Houston
Das Hochwasser in Texas hat Rekordwerte erreicht. Die Stadt Houston ist besonders betroffen, es gab mindestens vier Tote. Um Plünderer abzuhalten, galt in der Nacht eine Ausgangssperre. Jetzt zittert Louisiana vor dem Regen.
HOUSTON, TX - AUGUST 29: The Houston skyline is seen after the area was inundated with flooding from Hurricane Harvey on August 29, 2017 in Houston, Texas. Harvey, which made landfall north of Corpus Christi late Friday evening, is expected to dump upwards to 40 inches of rain in Texas over the next couple of days.   Joe Raedle/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.