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Studie: Zahl der Covid-19-Toten in Pflegeheimen stark unterschätzt
International 14.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Studie: Zahl der Covid-19-Toten in Pflegeheimen stark unterschätzt

Bewohner in Pflegeheimen sind durch das Corona-Virus besonders gefährdet.

Studie: Zahl der Covid-19-Toten in Pflegeheimen stark unterschätzt

Bewohner in Pflegeheimen sind durch das Corona-Virus besonders gefährdet.
Foto: Christoph Schmidt/dpa
International 14.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Studie: Zahl der Covid-19-Toten in Pflegeheimen stark unterschätzt

Laut einer Untersuchung über fünf europäische Länder sind rund die Hälfte der Todesfälle in Seniorenheimen auf den Erreger Sars-CoV-2 zurückzuführen.

(dpa) - Etwa jeder zweite Todesfall durch das Corona-Virus in fünf europäischen Ländern wird einer Studie zufolge aus einem Pflegeheim gemeldet. Eine Forschergruppe der London School of Economics hat für ihre Untersuchung die offiziellen Daten von fünf Ländern ausgewertet: Italien, Spanien, Irland, Belgien und Frankreich. Demnach standen zwischen 42 und 57 Prozent aller Todesfälle in diesen Heimen in Verbindung mit dem neuartigen Erreger.

Die Wissenschaftler betonten am Dienstag, dass ihre Studie nur bedingt aussagekräftig sei: Die einzelnen Länder zählten die Fälle auf verschiedene Weisen; auch die Definition von „Pflegeheim“ unterscheide sich von Staat zu Staat. Dies könnte die Ergebnisse beeinflusst haben, erläutern die Experten. Dennoch dürfe das Ausmaß der Infektionen und Todesfälle in den Heimen nicht ignoriert werden.


VENTURA, CA - APRIL 3: Mary-Lou McCullagh, 83, and her husband Bob, 84, greet Axel Stirton, 2, the little boy who lives across the street April 3, 2020 in Ventura, California. Mary-Lou and Bob are in isolation from the Covid-19 pandemic, trying to ensure that they do not come in contact with the virus. Mary-Lou has a medical condition that makes her especially vulnerable. They are using Zoom technology to stay in touch with family and friends. Axel is a regular visitor in normal times, but he can no longer come into the house because of the risks of the Covid-19 virus. Mary-Lou and Bob comfort him in his confusion through the window. Mary-Lou is wearing Happy Birthday glasses in honor of her sons birthday which was yesterday. As infection rates soar in the USA, more and more elderly people are in isolation and cut off from any physical contact with their families and friends.   Brent Stirton/Getty Images/AFP
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Eindeutig ist die Lage demnach in Irland, da das Land zentral die Daten zu den Covid-19-Erkrankungen erfasst. Von den bis Samstag 6.444 registrierten Patienten mit der Lungenerkrankung starben 288. 156 von ihnen - also 54 Prozent - waren Bewohner in Pflegeheimen. In Spanien kam das Team sogar auf 57 Prozent. Hier basierten die Zahlen jedoch auf Medienberichten zu den von Regionalregierungen veröffentlichten Statistiken. Belgien kam auf den einen Wert von 42 Prozent, Frankreich auf 45 und Italien auf 53 Prozent.

Große Sorge in britischen Altenheimen

Kritiker bemängeln seit Wochen, dass in die Statistiken in Großbritannien bislang kaum Todesfälle in Heimen eingehen. Rosalind Altmann, Mitglied des britischen Oberhauses, sagte im BBC-Interview am Dienstag, sie sei ernsthaft besorgt. Bewohner in Pflegeheimen hätten ihr berichtet, das sie sich „wie Lämmer beim Schlachter“ fühlten. Auch Senioren müssten angemessen behandelt werden.

Der britische Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) ist chronisch unterfinanziert. Es fehlt im Kampf gegen die Pandemie an Klinikpersonal, Betten, Schutzausrüstungen und Tests. Ärzte müssen einer Richtlinie zufolge nach Überlebenschancen entscheiden, wer beispielsweise beatmet wird, falls die Kapazitäten nicht mehr ausreichen sollten.

Link zur Studie