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Studie: Neue Corona-Variante infektiöser als ursprüngliches Virus
International 2 Min. 03.07.2020

Studie: Neue Corona-Variante infektiöser als ursprüngliches Virus

Andersartige "Spike-Proteine" an der Viren-Hülle sollen die neue Sars-CoV-2-Variante infektiöser machen.

Studie: Neue Corona-Variante infektiöser als ursprüngliches Virus

Andersartige "Spike-Proteine" an der Viren-Hülle sollen die neue Sars-CoV-2-Variante infektiöser machen.
Grafik: CDC/ Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAM / Public domain / https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/82/SARS-CoV-2_without_background.png /
International 2 Min. 03.07.2020

Studie: Neue Corona-Variante infektiöser als ursprüngliches Virus

Neue Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Corona-Variante, die in Europa und den USA vorherrscht, ansteckender als die ursprüngliche Variante ist.

(AFP/mth) - Die SARS-CoV-2-Variante, die sich aktuell überwiegend auf der  Welt verbreitet, infiziert Zellen leichter als die Variante, die ursprünglich in China auftrat. Dies zeigt eine neue Studie, die am Donnerstag in der Zeitschrift Cell veröffentlicht wurde.

"Wir wissen noch nicht, ob die Variante auch eine schwerere Erkrankung auslöst oder nicht", sagte Anthony Fauci, Direktor des U.S. Institute of Infectious Diseases, am Donnerstag der Zeitschrift Jama. "Es scheint, dass sich das Virus besser repliziert und möglicherweise leichter übertragbarer ist, aber wir befinden uns noch im Forschungsstadium, um dies zu bestätigen. Einige sehr gute Genetiker arbeiten derzeit daran."


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Nachdem die ursprüngliche Virus-Variante aus China nach Europa gelangt war, entstand offenbar diese neue Variante, die sich dann auch in den USA durchsetzte. Die Variante mit der Bezeichnung D614G unterscheidet sich durch ein einzelnes Gen in der Viren-RNS, das ein so genanntes "Spike-Protein" an der Viren-Hülle beschreibt, mit dessen Hilfe das Virus in menschliche Zellen eindringen kann.

Genetische Mutationen im Corona-Virus werden weltweit von Forschern verfolgt, die das Genom der gefundenen Viren sequenzieren und sie in einer internationalen Datenbank (GISAID) mit mehr als 30.000 Sequenzen zur Verfügung stellen.

Im April stellten Forscher der Universitäten Sheffield und Duke sowie des Los Alamos National Laboratory in der neuen Studie fest, dass D614G nun dominant sei, und erklärten dann, mit einiger Besorgnis, dass die Mutation das Virus "übertragbarer" mache. Sie hatten ihre Ergebnisse vorveröffentlicht. Diese Hypothese war aber zunächst kritisiert worden, weil das Team nicht bewiesen hatte, dass die Mutation selbst die Ursache für die Dominanz war oder möglicherweise auf andere Faktoren zurückzuführen ist.


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Die Wissenschaftler führten daher zusätzliche Untersuchungen durch, insbesondere auf Wunsch der Herausgeber von Cell. Sie analysierten zunächst Daten von 999 britischen Patienten, die mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, und stellten fest, dass jene Patienten mit der neuen Variante mehr Viruspartikel in sich trugen, jedoch ohne, dass der Schweregrad der Krankheit verändert wurde - eine ermutigende Nachricht.

Auf der anderen Seite zeigten Laborexperimente, dass die Variante drei- bis sechsmal besser in der Lage war, menschliche Zellen zu infizieren. "Es scheint wahrscheinlich, dass es sich um ein leistungsfähigeres Virus handelt", sagt Erica Ollmann Saphire vom La Jolla Institute for Immunology.


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Das entscheidende Stichwort hier sei allerdings "Wahrscheinlichkeit": Ein In-vitro-Experiment könne die wirkliche Dynamik einer Pandemie nicht reproduzieren. Die einzig gesicherte Schlussfolgerung sei also, dass das derzeit zirkulierende Corona-Virus zwar theoretisch infektiöser sei, sich aber in der Realität nicht unbedingt schneller zwischen Menschen übertrage, da viele andere Faktoren eine Rolle spielten.


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