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Streit um Zölibat: Zweifel an Rolle von Papst Benedikt XVI.
International 3 Min. 14.01.2020

Streit um Zölibat: Zweifel an Rolle von Papst Benedikt XVI.

Papst Franziskus besucht im Dezember 2018 seinen Vorgänger Papst Benedikt XVI.

Streit um Zölibat: Zweifel an Rolle von Papst Benedikt XVI.

Papst Franziskus besucht im Dezember 2018 seinen Vorgänger Papst Benedikt XVI.
Foto: AFP
International 3 Min. 14.01.2020

Streit um Zölibat: Zweifel an Rolle von Papst Benedikt XVI.

Hat Benedikt XVI. im Streit um den Zölibat seinem Nachfolger Franziskus tatsächlich in die Parade gefahren? Oder ist er das Opfer einer Manipulation durch einen konservativen Kardinal?

(KNA/mer) - "Papst gegen Papst", "Vorgänger irritiert mit Zölibat-Plädoyer", "Der Neben-Papst": Zahlreich waren am Montag die Schlagzeilen, die von einer Konfrontation zwischen dem amtierenden Papst Franziskus und seinem 2013 zurückgetretenen Vorgänger Benedikt XVI. handelten. Im "Luxemburger Wort" hieß es: "Der emeritierte Papst Benedikt hat sich aus dem Ruhestand zu einem heiklen Thema in der katholischen Kirche zu Wort gemeldet und sich gegen eine Aufweichung des Zölibats ausgesprochen." Zölibat bedeutet die verpflichtende Ehelosigkeit für römisch-katholische Priester.

Doch ist dem tatsächlich so? Ist der deutsche Papst, ein renommierter Theologe, tatsächlich seinem Nachfolger in die Parade gefahren und hat diesem den Weg zu Reformen bei dem heiklen Thema erschwert? In verschiedenen Medien ist in Reaktion auf die Meldungen vom Montag eine Debatte darüber entbrannt, ob Benedikt XVI. wirklich Co-Autor des neuen Buchs von Kardinal Robert Sarah über Priestertum und Zölibat ist.

Der emeritierte Papst, der nach seinem Rücktritt Zurückhaltung und ein stilles Leben im Gebet gelobt hatte, habe "nicht vierhändig ein Buch mit Kardinal Sarah geschrieben", zitierte die Zeitung "Corriere della Sera" am späten Montagabend eine nicht näher benannte Quelle aus dem Umfeld des 2013 zurückgetretenen Papstes. Vielmehr habe Benedikt XVI. "vor einigen Monaten eine Aufzeichnung über das Priestertum verfasst". Sarah habe ihn gebeten, diese sehen zu dürfen.

Der Emeritus habe Sarah den Text gegeben, "weil er wusste, dass er ein Buch zum Thema Priestertum" schreiben wollte. Er habe aber "nie den Buch-Einband gesehen" oder einer Mitherausgeberschaft zugestimmt, so der Bericht im "Corriere". Ähnlich äußerte sich der Vatikan-Korrespondent des US-Magazins "America", Gerald O'Connell, auf Twitter unter Berufung auf eine Quelle im Umfeld von Benedikt XVI.

Der Einband des Buches "Des profondeurs de nos coeurs" (Aus den Tiefen unserer Herzen), das am Mittwoch in Frankreich erscheint, zeigt Sarah und Benedikt XVI. im Foto und nennt ihre Namen als Autoren. Die Zeitung "Le Figaro" hatte am Montag Auszüge publiziert sowie ein Interview mit Kardinal Sarah.

Die spanische Zeitung "ABC" schrieb am späten Montagabend, Sarahs Buch sei "eine redaktionelle und mediale Manipulation, an der der emeritierte Papstlaut Quellen, die Joseph Ratzinger sehr nahe stehen, nicht beteiligt war". Der Vatikan-Korrespondent von "ABC" vermutete, Benedikt XVI. sei durch Kardinal Sarah, einen "der wichtigsten sichtbaren Gegner von Franziskus" manipuliert worden.


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Sarah selbst wehrte sich gegen die Vorwürfe. Einem eigenen Tweet fügte er Fotos dreier Briefe von Benedikt XVI. bei. Im letzten vom 26. November schrieb der emeritierte Papst demnach unter anderem: "Von meiner Seite aus kann der Text in der von Ihnen vorgesehenen Form veröffentlicht werden."

Auch der US-Verlag "Ignatius Press", in dem die englische Übersetzung des Buchs erscheinen soll, wehrt sich laut einem Bericht des privaten Mediennetzwerks CNA/EWTN gegen den Vorwurf, Benedikt habe an dem Werk nicht mitgeschrieben. Das Buch mit Texten von Sarah, Benedikt XVI. und Herausgeber Nicolas Diat spricht sich laut Vorabdruck im "Figaro" vehement für die Beibehaltung der Zölibatsverpflichtung katholischer Priester aus und warnt vor einer Aufweichung. Von vielen Kommentatoren wird dies als klarer Affront auch des ehemaligen Papstes gegen den aktuellen Amtsinhaber Franziskus gedeutet.

Begründet wird dieser Gegensatz mit dem von Franziskus angekündigten und bald erwarteten nachsynodalen Schreiben zur Amazonas-Synode. Deren Teilnehmer hatten sich zum Abschluss mehrheitlich für eine begrenzte Lockerung des Zölibats ausgesprochen, um gegebenenfalls auch verheiratete ständige Diakone zu Priestern weihen zu können. Damit wolle man vor allem der Notlage begegnen, dass viele Gemeinden am Amazonas aufgrund des Priestermangels sonst nur sehr selten die heilige Messe feiern können.

In einer Stellungnahme wies der Vatikan am Montag darauf hin, dass auch Franziskus sich gegen einen freiwilligen Zölibat ausgesprochen habe. Mögliche Ausnahmen könne es nur in sehr entlegenen Gebieten geben, wenn eine seelsorgliche Notwendigkeit bestehe.


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