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"Aftenposten"-Chefredakteur legt sich mit Facebook an
International 2 Min. 09.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Streit um historisches Antikriegsfoto

"Aftenposten"-Chefredakteur legt sich mit Facebook an

Chefredakteur Espen Egil Hansen ärgert sich über die wachsende Allmacht und Intransparenz bei Facebook.
Streit um historisches Antikriegsfoto

"Aftenposten"-Chefredakteur legt sich mit Facebook an

Chefredakteur Espen Egil Hansen ärgert sich über die wachsende Allmacht und Intransparenz bei Facebook.
Foto: Aftenposten
International 2 Min. 09.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Streit um historisches Antikriegsfoto

"Aftenposten"-Chefredakteur legt sich mit Facebook an

Roland ARENS
Roland ARENS
Weil ein berühmtes Vietnam-Kriegsbild von der Facebook-Seite der norwegischen Tageszeitung gelöscht wurde, stellt deren Chefredakteur nun Mark Zuckerberg an den Pranger.

(rar) - Immer mehr Menschen beziehen ihre Informationen und Nachrichten aus den Sozialen Netzwerken. In den USA sind es bereits sechs von zehn Menschen, die sich regelmäßig auf diese Weise informieren. Die meisten nutzen dazu Facebook, die weltumspannende Netzgemeinde.

Was die Nutzer zu sehen bekommen, berechnen die Computer des blauen Riesen. Und dann gibt es da noch die Zensoren von Facebook, also echte Menschen, deren Aufgabe es ist, Hasskommentare und obszöne Bilder aus dem Informationsfluss herauszufiltern.

Nach welchen Kriterien Facebook dabei vorgeht, bleibt weitgehend im Verborgenen, ein Widerspruchsrecht ist nicht vorgesehen, nicht einmal für professionelle Journalisten. Es sei denn, man macht es wie der Chefredakteur der norwegischen  Tageszeitung "Aftenposten".

"Aftenposten" druckte die Philippika ihres Chefredakteurs auf der Titelseite.
"Aftenposten" druckte die Philippika ihres Chefredakteurs auf der Titelseite.
Foto: Aftenposten

In einem öffentlichen Brandbrief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg macht Espen Egil Hansen seinem Ärger über die wachsende Allmacht des Netzwerks Luft. Auslöser war das weltberühmte Foto der vietnamesischen Mädchens Kim Phuc auf der Flucht nach einem Napalm-Abwurf, das die Zeitung in einem Beitrag auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht hatte.

Am Mittwoch erhielt "Aftenposten" eine E-Mail von Facebook mit der Aufforderung, dieses Bild von seinem Account innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Doch die Facebook-Zensoren warteten gar nicht erst auf eine Reaktion der Redaktion und löschten den gesamten Artikel ohne viel Federlesens von der Seite der Zeitung.

"Lieber Mark Zuckerberg", schreibt Hansen daraufhin. "Ich schreibe Dir diesen Brief, um Dich zu informieren, dass ich Deiner Aufforderung nicht Folge leisten werde, ein Fotodokument aus dem Vietnamkrieg von Nick Ut zu entfernen. Nicht jetzt und nicht in Zukunft."

Hansen bezeichnet Zuckerberg als den mächtigsten Herausgeber der Welt. Doch Facebook beschneide seine Verantwortung als Chefredakteur. "Ich denke, Du missbrauchst Deine Macht."

Der Journalist weist auf die allgemeine Bedeutung des Falles für Presse und Medien hin: "Ich bin bestürzt, enttäuscht - ja sogar erschrocken - darüber, was du gerade mit einem Standbein unserer demokratischen Gesellschaft machst."

Hansen bekennt sich als begeisterter Nutzer der "weltweit führenden Plattform für die Verbreitung von Informationen, Diskussionen und zwischenmenschlichen Kontakten" und spart nicht mit Lob an die Adresse Zuckerbergs. "Du hast diese Position erreicht, weil du es verdient hast."

Illusionen über die tatsächlichen Kräfteverhältnisse gibt sich Hansen allerdings nicht hin. Selbst für die größte Tageszeitung Norwegens sei es sehr schwer, an Facebook vorbeizukommen, so der Chefredakteur.

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