Streit um Hinrichtungen: Auch Bahrain schließt Vertretung im Iran
Der saudische Außenminister Adel al-Dschubair gab den Abbruch der Beziehungen zum Iran bekannt.

Streit um Hinrichtungen: Auch Bahrain schließt Vertretung im Iran

AFP
Der saudische Außenminister Adel al-Dschubair gab den Abbruch der Beziehungen zum Iran bekannt.
International 1 3 Min.04.01.2016

Streit um Hinrichtungen: Auch Bahrain schließt Vertretung im Iran

Die Hinrichtung von 47 Menschen, darunter ein schiitischer Geistlicher, in Saudi-Arabien hat schwerwiegende Folgen. Das Königreich hat wegen Kritik aus dem Iran die diplomatischen Beziehungen zu seinem Erzrivalen abgebrochen. Bahrain folgt diesem Beispiel.

(dpa) - Saudi-Arabien bekommt bei seiner Konfrontation mit dem Iran Unterstützung von seinen sunnitisch regierten Nachbarn. Die Golfmonarchie Bahrain brach die Beziehungen zu Teheran ebenfalls ab, die Vereinigten Arabischen Emirate stuften sie herunter.

Saudi-Arabien habe sein Botschaftspersonal bereits aus Teheran abgezogen, teilte Außenminister Adel al-Dschubair am Sonntagabend mit. Die iranischen Diplomaten hätten 48 Stunden Zeit, das Königreich zu verlassen. Der iranische Vizeaußenminister Hussein Amirabdullahian bezeichnete die Entscheidung Saudi-Arabiens als „voreilig“.

Vorausgegangen war die Stürmung der saudischen Botschaft in Teheran durch wütende Bürger in der Nacht zum Sonntag, nachdem die Ölmonarchie am Samstag den prominenten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr und 46 weitere Verurteilte hingerichtet hatte. Der schiitische Iran, der mit dem sunnitisch geprägten Königreich um die Vormachtstellung in der Region ringt, hatte darauf empört reagiert.

Iran kritisiert Entscheidung Saudi-Arabiens

Der iranische Vizepräsident Ishagh Dschahngiri kritisierte am Montag die Entscheidung Saudi-Arabiens zum Abbruch der Beziehungen: „Die Politik der Saudis hat in den letzten Jahren für die Region nur Negatives gebracht.“ Auch die jüngste Entscheidung sei voreilig und irrational und würde nur zu mehr Spannungen in der Region führen.

Die US-Regierung äußerte sich zurückhaltend. Die USA glaubten, dass „diplomatisches Engagement von grundlegender Bedeutung“ sei, zitierte der Sender CNN den Sprecher des Außenministeriums, John Kirby.

Bahrain gab den iranischen Diplomaten der Nachrichtenagentur BNA zufolge 48 Stunden Zeit, das Land zu verlassen und kündigte eine Schließung seiner Auslandsvertretung in Teheran an. Die Entscheidung sei eine Reaktion auf die zunehmende „offene und gefährliche Einmischung“ des Irans nicht nur in die Angelegenheiten Bahrains, sondern auch die der anderen arabischen Staaten, hieß es. Das Königreich Bahrain ist ein enger Verbündeter Saudi-Arabiens und wird von einem sunnitischen Herrscherhaus regiert. Die Mehrheit der Bevölkerung ist jedoch schiitisch.

Demonstranten stürmen saudische Botschaft in Teheran

Saudi-Arabien hatte im Zuge einer Massenhinrichtung von 47 Menschen wegen Terrorismusvorwürfen am Samstag - nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die größte Hinrichtung im Königreich seit 1980 - auch den bekannten schiitischen Kleriker Nimr al-Nimr exekutiert. Dies verschärfte die Spannungen zwischen beiden Staaten massiv.

Iranische Demonstranten protestierten am Sonntag gegen die Hinrichtung von Nimr al-Nimr vor der saudischen Botschaft in Teheran.
Iranische Demonstranten protestierten am Sonntag gegen die Hinrichtung von Nimr al-Nimr vor der saudischen Botschaft in Teheran.
REUTERS

Der schiitische Iran, der mit dem sunnitisch geprägten Königreich um die Vormachtstellung in der Region ringt, hatte empört reagiert. Die saudischen Führer würden „die Rache Gottes spüren“, drohte der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei. In der Nacht zum Sonntag stürmten iranische Demonstranten die saudische Botschaft in Teheran, setzten Teile des Gebäudes in Brand und verwüsteten Büros.

Dieser Angriff sei ein „schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen“, sagte al-Dschubair am Sonntagabend. Er warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes Al-Kaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. „Wir lehnen es ab, mit einem Staat zu tun zu haben, der Terrorismus unterstützt und Chaos und sektiererische Spannungen in der islamischen Welt verbreitet.“

Tiefpunkt im Verhältnis beider Länder

Das Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien war bereits jahrzehntelang schwierig, Phasen der Spannung wurden durch Zeiten der Annäherung abgelöst. Die Eskalation vom Sonntag allerdings markiert einen lange nicht erreichten Tiefpunkt zwischen beiden Ländern. Vor fast 28 Jahren, 1988, hatte Saudi-Arabien das letzte Mal die Beziehungen zum Iran abgebrochen. Der Schritt bekräftigt auch die gestiegene Aggressivität des ultrakonservativen Königreichs unter König Salman, der seit knapp einem Jahr an der Macht ist.

Die beiden Länder spielen eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts in Syrien und dem Irak. Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat hatte zuletzt zu einer leichten Annäherung beider Widersacher geführt. Sie sind zugleich auch die wirtschaftsstärksten Staaten im Mittleren Osten.

Nach der Hinrichtung Al-Nimrs, der lange Zeit im Iran lebte und in Saudi-Arabien die Unterdrückung der schiitischen Minderheit anprangerte, waren am Sonntag Proteste unter Schiiten in anderen Ländern aufgeflammt - darunter im Irak, Bahrain und dem indischen Teil Kaschmirs.

Trotz weiträumiger Absperrungen versuchten in Teheran auch am Sonntag Hunderte Demonstranten zur saudischen Botschaft vorzudringen. Es gab Zusammenstöße mit der Polizei und Rufe nach dem „Tod der saudischen Königsfamilie“. Der iranische Präsident Hassan Ruhani verurteilte den nächtlichen Sturm auf die Auslandsvertretung.

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