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Streiks in Frankreich schwächen sich ab
International 2 Min. 16.01.2020

Streiks in Frankreich schwächen sich ab

Auch am Donnerstag waren - wie hier in Nantes - wieder Tausende auf den Straßen.

Streiks in Frankreich schwächen sich ab

Auch am Donnerstag waren - wie hier in Nantes - wieder Tausende auf den Straßen.
Foto: AFP
International 2 Min. 16.01.2020

Streiks in Frankreich schwächen sich ab

Nach sechs Wochen gibt es Ermüdungserscheinungen - die Auswirkungen der Streiks sind weniger spürbar. Ist es der Anfang vom Ende?

(dpa) - Trotz neuer Zugeständnisse der Regierung sind in Frankreich wieder Tausende gegen die Rentenreform auf die Straße gegangen. Am Donnerstagnachmittag zogen Demonstranten durch den Süden von Paris, auch in anderen Städten wie Toulouse, Marseille oder Rouen gab es Proteste. Es ist der sechste Massenprotest gegen die Reformpläne seit Beginn der Dauerstreiks vor sechs Wochen. Die Zahl der Demonstranten war zuletzt aber deutlich zurückgegangen. Auch die Lage im Bahnverkehr hatte sich in den vergangenen Tagen spürbar verbessert - für die Bahn bedeuten die Streiks allerdings Einbußen in schwindelerregender Höhe.

Man nähere sich bei den Einbußen einer Milliarde Euro, sagte der Vorstandsvorsitzende der Staatsbahn SNCF, Jean-Pierre Farandou, der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge. Bereits jetzt stehe man bei 850 Millionen Euro und kündigte einen Sparplan an. Landesweit legten am Donnerstag rund 30 Prozent der Lokführer die Arbeit nieder. Damit stieg die Zahl der Streikenden bei der Bahn wieder etwas an.

Aktion vor Wirtschaftsministerium

Am Vormittag versammelten sich einige Demonstranten zu einer Aktion vor dem Wirtschaftsministerium in Paris. Sie warfen Hausschuhe vor das Gebäude. Damit prangerten sie an, dass französische Beamte oftmals zu guten Konditionen in die Privatwirtschaft wechseln - das nennt sich umgangssprachlich im Französischen „Pantouflage“. Neben den Eisenbahnern legten auch Anwältinnen, Lehrerinnen oder Mitarbeiter der Pariser Oper die Arbeit nieder.


General secretary of the French national trade union General Confederation of Labour (CGT) Philippe Martinez speaks to people upon his arrival at a rally by the department store Au Printemps, in central Paris, on January 3, 2020 to distribute leaflets on the 30th day of a nationwide multi-sector strike against the government's pensions overhaul. (Photo by Christophe ARCHAMBAULT / AFP)
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Die Hafenblockaden gingen ebenfalls weiter. In Marseille war die Lage besonders angespannt. Vor den Hafentoren hätten sich lange Lastwagen-Schlangen gebildet, berichtete die Zeitung „Corse Matin“. Zahlreiche Fährverbindungen nach Korsika und Algerien sind seit Tagen massiv gestört. Viele Frachtschiffe können zudem ihre Ladung nicht löschen. In Paris hatte sich die Lage im öffentlichen Nahverkehr in den vergangenen Tagen wieder entspannt - auch am Donnerstag fuhren viele Züge fast den ganzen Tag über. Die Hardliner-Gewerkschaft CGT hatte zu den Blockaden aufgerufen, die seit Anfang der Woche anhalten. Auch Häfen wie La Rochelle oder Le Havre waren betroffen.


French skyscraper climber Alain Robert, popularly known as the "French Spiderman", climbs the Total tower in the west of Paris's business district of La Defense on January 13, 2020 as a symbolic action to support on strike workers on the 40th day of a nationwide movement against a French government pension reform. (Photo by Thomas SAMSON / AFP)
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Zuletzt hatte Frankreichs Premier Édouard Philippe ein großes Zugeständnis an die Gewerkschaften gemacht. Nach den Plänen der Regierung hätten Arbeitnehmer, die mit 62 in Rente gehen, mit Abschlägen rechnen müssen. Erst ab 64 Jahren sollte es volle Bezüge geben. Dagegen liefen die Gewerkschaften Sturm - es war einer der Hauptstreitpunkte.

Fraglich ist nun, wie viele Menschen die CGT und andere Gewerkschaften noch mobilisieren können. Zuletzt hatten am Samstag in ganz Frankreich dem Innenministerium zufolge 149 000 Menschen gegen die Reformpläne demonstriert, in Paris waren es 21 000. Die CGT machte deutlich höhere Angaben und sprach von einer halben Million Menschen.


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 / AFP PHOTO / JEAN-SEBASTIEN EVRARD
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