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Straßburg-Täter 2012 in Luxemburg aufgefallen
International 13 3 Min. 12.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Straßburg-Täter 2012 in Luxemburg aufgefallen

Mitglieder der "Brigade de recherche et d'intervention" der französischen Kriminalpolizei im Einsatz.

Straßburg-Täter 2012 in Luxemburg aufgefallen

Mitglieder der "Brigade de recherche et d'intervention" der französischen Kriminalpolizei im Einsatz.
Foto: AFP
International 13 3 Min. 12.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Straßburg-Täter 2012 in Luxemburg aufgefallen

Chérif C., der Attentäter von Straßburg war mutmaßlich 2012 in Luxemburg an einem Einbruch beteiligt. Seine DNA wurde im Rahmen der Spurensicherung gefunden.

(dpa/mth) - Nach dem Anschlag in Straßburg mit drei Toten ist der Täter noch immer auf der Flucht. Die Polizei fahndet mit einem Großaufgebot nach dem 29-jährigen Chérif C., der möglicherweise noch in einem gestohlenen Taxi unterwegs ist. Der Mann schoss am Dienstagabend mitten in der weihnachtlich geschmückten Innenstadt um sich und tötete drei Menschen. Nach Angaben des Innenministeriums in Paris vom Mittwoch wurden 13 Menschen verletzt, davon acht schwer und fünf leicht.

Auch in Luxemburg aktiv

Der Mann ist auch in Luxemburg der Justiz aufgefallen. Seine DNA ist bei einem versuchten Einbruchsdiebstahl im Jahr 2012 am Tatort gefunden worden. Danach sei auch ein Strafverfahren gegen Chérif C. eingeleitet worden: Eine Vorladung habe dem Mann aber nicht zugestellt werden können, da sein Wohnort damals unbekannt gewesen sei, sagte ein Sprecher der Luxemburger Justiz.

Der offizielle Fahndungsaufruf der französischen Polizei.
Der offizielle Fahndungsaufruf der französischen Polizei.
Foto: www.securite.interieur.gouv.fr

Der Pariser Antiterror-Staatsanwalt Rémy Heitz  sagte auf einer kurzen Pressekonferenz um 12 Uhr, dass Chérif C. insgesamt 27 mal vorbestraft sei - wegen Diebstahl, Raub und Gewaltdelikten. Zeugen hätten berichtet, dass er während des Anschlags "Allahu Akhbar" gerufen habe. Ein islamistisches terroristisches Motiv liege daher nahe.  Nach dem Anschlag in Straßburg hätten Ermittler vier Menschen aus dem Umfeld des Tatverdächtigen in Gewahrsam genommen, so Rémi Heitz weiter.

Anti-Terror-Ermittler sind im Einsatz. Deutsche Sicherheitsbehörden suchen mit nach dem Täter und fahnden auch nach dessen Bruder Sami C.. Die Stadt im Elsass unweit der Grenze zu Deutschland ist bei Touristen gerade in der Weihnachtszeit sehr beliebt - Zehntausende kommen pro Tag.

Die beiden französischen Staatsbürger mit nordafrikanischen Wurzeln wohnten nach Informationen aus Sicherheitskreisen zuletzt in Straßburg. Sie würden in Frankreich als radikalisiert eingestuft und dem Straßburger Islamistenmilieu zugerechnet, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte dem Berliner „Tagesspiegel“. In Deutschland tauchen die beiden Namen allerdings nach dpa-Informationen nicht in der Datei für islamistische Gefährder auf. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Registrierungsschwelle in Frankreichs „fiche-S-Datei“ sei deutlich niedriger als für die Aufnahme in die deutsche Gefährderdatei.

Der Täter soll nach Medienberichten vor seiner Flucht von Soldaten verletzt worden sein. Nach Informationen des Senders France Info entkam er mit einem Taxi, das er gestohlen hatte. Mehr als 600 Einsatzkräfte und mehrere Hubschrauber seien an der Fahndung beteiligt, hieß es. Die Bundespolizei kontrollierte mehrere Grenzübergänge von Deutschland nach Frankreich.


Members of the German police searches all the vehicles driving towards the border between France and Germany at the German bordering city of Kehl, on December 12, 2018, in order to find the gunman who opened fire near a Christmas market the night before, in Strasbourg, eastern France. - Hundreds of security forces were deployed in the hunt for a lone gunman who killed at least three people and wounded a dozen others at the famed Christmas market in Strasbourg, with the French government raising the security alert level and reinforcing border controls. (Photo by Frederick FLORIN / AFP)
Attentat in Straßburg: mindestens drei Tote und neun Schwerverletzte
In Straßburg hat ein bewaffneter Mann drei Menschen erschossen und zwölf verletzt. Der Täter ist flüchtig und könnte ins Nachbarland geflüchtet sein. Ein terroristischer Hintergrund ist nicht sicher.

Der mutmaßliche Attentäter hatte wegen schweren Diebstahls von Anfang 2016 bis Februar 2017 in Deutschland eine Haftstrafe verbüßt - zuerst in Konstanz. Nach Informationen des „Tagesspiegels“ wurde er später in die Justizvollzugsanstalt Freiburg verlegt. Im Februar 2017 wurde er nach Frankreich abgeschoben. Er wurde nach Medienberichten schon vor dem Attentat auch wegen versuchten Mordes gesucht.

Motiv könnte Rache gewesen sein

Das Motiv für den Angriff auf den Straßburger Weihnachtsmarkt könnte Rache gewesen sein, schreibt der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf Sicherheitskreise. Möglicherweise habe Chérif C. auf den Versuch seiner Festnahme durch die Polizei in Straßburg spontan reagiert. Den französischen Sicherheitsbehörden sei keine Vorbereitung eines Anschlags in Straßburg bekannt gewesen.

Die französische Regierung schließt nicht aus, dass der Straßburger Attentäter nach Deutschland geflüchtet sein könnte. „Aber was ich sagen möchte, ist, dass natürlich sofort die Grenzschließung sichergestellt wurde und Straßburg (...) abgeriegelt wurde“, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez, am Morgen dem Sender RTL. Dass der Täter dennoch ins benachbarte Deutschland geflohen sein könnte, könne aber nicht ausgeschlossen werden.

Frankreichs Regierung ließ nach dem Anschlag die höchste nationale Sicherheitswarnstufe ausrufen. Frankreich ist in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel von islamistisch motivierten Terroranschlägen geworden, die fast 250 Menschen das Leben kosteten. Auch diesmal übernahmen wieder Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Die Untersuchung wurde unter anderem dem Inlandsgeheimdienst DGSI übergeben, wie Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris bestätigten.

Unter den bei dem Attentat getöteten ist ein 45 Jahre alter Tourist aus Thailand, wie das Außenministerium in Bangkok bestätigte. Nach Medienberichten starb er durch einen Schuss in den Kopf.


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