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Straßburg: Studentin geschlagen, weil sie Rock trug
International 2 Min. 24.09.2020

Straßburg: Studentin geschlagen, weil sie Rock trug

Die 22-jährige Elisabeth sprach mit einem Radiosender über den Gewaltvorfall in Straßburg.

Straßburg: Studentin geschlagen, weil sie Rock trug

Die 22-jährige Elisabeth sprach mit einem Radiosender über den Gewaltvorfall in Straßburg.
Screenshot: Twitter/France Bleu
International 2 Min. 24.09.2020

Straßburg: Studentin geschlagen, weil sie Rock trug

Der Fall einer 22-jährigen Frau, die auf offener Straße von drei Männern attackiert wurde, sorgt in Frankreich für Empörung. Die Regierung kündigt nun weitere Schutzmaßnahmen an.

(dpa/AFP/jt) - Ein mutmaßlich sexistisch motivierter Angriff auf eine Studentin sorgt in Frankreich für Empörung. Die mutmaßlichen Täter sollen sich dabei an der Kleiderwahl der Frau gestört haben. 

Die Regierung verurteile den Vorfall im elsässischen Straßburg scharf, sagte Sprecher Gabriel Attal am Mittwoch. Jeder müsse in Frankreich in der Lage sein, in der Kleidung auf die Straße gehen zu können, die sie oder er tragen wolle. Frauen dürften sich nicht wegen der Wahl ihrer Klamotten gefährdet fühlen, belästigt, bedroht oder angegriffen werden, betonte Attal.

Kein Passant ging dazwischen

Die 22 Jahre alte Studentin wurde nach eigenen Angaben vergangenen Freitag tagsüber nahe dem Einkaufszentrum Rivétoile in Straßburg von drei Männern erst beschimpft und dann geschlagen, weil sie einen Rock trug. Die Männer hätten sie „Schlampe in einem Rock“ („Regarde, cette p... en jupe“)  genannt, sagte die Frau dem regionalen Radiosender France Bleu Alsace. 

Anschließend hätten sie zwei der Männer festgehalten und der dritte ihr ins Gesicht geschlagen bevor sie flohen, so die Studentin. Sie erhob zudem Vorwürfe gegen Zeugen des Angriffs. Rund 15 Menschen hätten diesen gesehen, aber nichts unternommen, sagte die 22-Jährige.

Die Polizei leitete Medienberichten zufolge Ermittlungen zu dem Fall ein. Demnach erstatte die Studentin auch Anzeige. Die beigeordnete Ministerin im Innenministerium und Ex-Staatssekretärin für Gleichstellung, Marlène Schiappa, reiste am Mittwoch nach Straßburg, um sich dort mit Vertretern der Polizei und Präfektur zu treffen, um über einen besseren Schutz für Frauen zu sprechen. „Der Rock ist nicht für den Angriff verantwortlich und die Frau noch weniger“, sagte Schiappa France Bleu.


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In Straßburg werde bis 2021 durch das Innenministerium ein Sozialarbeiter oder eine Sozialarbeiterin in der Polizeistation eingestellt, sagte Schiappa einem Bericht der Lokalzeitung „DNA“ zufolge. Damit solle der Dialog zwischen Opfern geschlechtsspezifischer und sexueller Gewalt und der Polizei verbessert werden.

Marlène Schiappa verteidigte das von ihr initiierte Gesetz zur Bekämpfung von sexueller Belästigung auf der Straße, das im Juli 2018 verabschiedet wurde. Seither seien 1.831 gebührenpflichtige Verwarnungen wegen grober Gesten oder Beleidigungen in der Öffentlichkeit ausgestellt worden. „Das ist viel, aber es entspricht nicht der Gesamtheit der sexistischen Vorfälle, die viel zahlreicher vorkommen“, erklärte die LREM-Politikerin. Die Verantwortlichen der Police nationale und der Gendarmerie nationale sollen nun eine Analyse anstellen, warum das Delikt der sexuellen Belästigung auf der Straße nicht öfter geahndet werde.


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