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Stichwahl um Präsidentenamt in der Ukraine begonnen - Selensky ist Favorit
Polit-Neuling Wolodymyr Selenskyj hat gewählt.

Stichwahl um Präsidentenamt in der Ukraine begonnen - Selensky ist Favorit

AFP
Polit-Neuling Wolodymyr Selenskyj hat gewählt.
International 21.04.2019

Stichwahl um Präsidentenamt in der Ukraine begonnen - Selensky ist Favorit

Petro Poroschenko war vor fünf Jahren als Hoffnungsträger ins höchste Staatsamt in der verarmten Ukraine gewählt worden. Nach einer brutalen Kampagne droht dem Oligarchen nun eine Wahlschlappe: Ein extrem beliebter Komiker könnte ihm den Posten wegschnappen.

(dpa) - In der Ukraine hat am Sonntagmorgen die Stichwahl um das Präsidentenamt begonnen. Die rund 30 Millionen Wähler sind aufgerufen, sich zwischen Amtsinhaber Petro Poroschenko und dem Polit-Neuling Wolodymyr Selenskyj zu entscheiden. Erste Prognosen werden kurz nach Schließung der Wahllokale ab 19.00 Uhr erwartet. In den von einem blutigen Konflikt geprägten Separatistengebieten Donezk und Luhansk im Osten der ehemaligen Sowjetrepublik wird nicht gewählt.

Kandidat Petro Poroshenko hat gewählt.
Kandidat Petro Poroshenko hat gewählt.
AFP

Bereits im ersten Wahlgang vor drei Wochen hatte der Komiker und Schauspieler Selenskyj die meisten Stimmen geholt. Auch in den aktuellen Umfragen liegt der 41-Jährige mit einem sehr großen Vorsprung vorn. Poroschenko droht eine herbe Niederlage. Beide Kandidaten, die einen sehr hitzigen Wahlkampf geführt hatten, stehen für einen prowestlichen Kurs in Richtung EU und Nato.


Am 21. April findet die Stichwahl zwischen Petro Poroschenko (l.) und Wladimir Selenski statt.
Wahl zwischen zwei "Clowns"
Russland verfolgt irritiert den sich zuspitzenden Präsidentschaftswahlkampf in der Ukraine. Zumal dort dem Machthaber eine Niederlage droht.

Vor allem der blutige Konflikt im Osten der Ukraine war eines der wichtigsten Themen im hitzigen Wahlkampf. Poroschenko war vor fünf Jahren mit dem Versprechen ins Amt gewählt worden, den Konflikt schnell zu beenden. Nach UN-Angaben sind bei Kämpfen zwischen Regierungssoldaten und prorussischen Separatisten mehr als 13.000 Menschen getötet worden. Die Gefechte halten an. Die Umsetzung des 2015 unter anderem durch deutsche und französische Vermittlung vereinbarten Minsker Friedensplans liegt auf Eis. In den Separatistengebieten Donezk und Luhansk im Osten wird nicht gewählt.  

Sowohl in der Europäischen Union als auch im benachbarten Russland wird deshalb die Abstimmung mit großem Interesse verfolgt. Das nach IWF-Statistiken ärmste Land Europas steuert einen Kurs Richtung EU und Nato an. Präsident Poroschenko besuchte vor wenigen Tagen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den französischen Staatschef Emmanuel Macron. Auch Selenskyj reiste nach Paris.

Der Herausforderer tritt auch mit dem Versprechen an, stärker gegen Vetternwirtschaft in der Machtelite vorzugehen. Der 41-Jährige wurde mit seiner TV-Serie „Diener des Volkes“ beliebt, in der er bereits das Staatsoberhaupt spielt. Kritiker werfen dem Politneuling Populismus und einen Mangel an Erfahrung vor.