SPD-Parteitag

Die Selbstzweifel-Partei-Deutschlands

(dpa) - Martin Schulz macht sich klein. Ganz bewusst. Seine Rede dauert nur ein paar Minuten, da entschuldigt er sich mal wieder. Ihm steckten wie allen in der Partei die 20,5 Prozent bei der Bundestagswahl im September in den Knochen.

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Erst der „Schulz-Hype“, dann der Absturz. Er wisse, viele Menschen in und außerhalb der SPD seien von ihm enttäuscht, sagt der Mann, der als 100-Prozent-Held startete und als Kanzlerkandidat unterging. „Weil ich all das weiß, bitte ich für meinen Anteil an dieser bitteren Niederlage um Entschuldigung.“ Er könne die Uhr nicht zurückdrehen: „Aber ich möchte als Parteivorsitzender meinen Beitrag dazu leisten, dass wir es besser machen.“

Ratlosigkeit

Knapp 80 Minuten später weiß nach seiner Rede aber niemand so richtig, wie denn die Strategie des Vorsitzenden für die Partei in dieser schicksalhaften Situation aussieht. Am Vorabend im glamourösen Tipi-Theaterzelt in direkter Nachbarschaft von Angela Merkels Kanzleramt beschrieb er den Parteitag wegen der anstehenden Richtungsentscheidung über „GroKo“, Duldung einer Minderheitsregierung oder Opposition als „historisch“.

Dieser Größenordnung kann Schulz selbst kaum gerecht werden. Nur ansatzweise zeigt er auf, wie und warum überhaupt mit der CDU/CSU gesprochen werden soll. Die ganze SPD wirkt derzeit wie eine Partei ohne Plan.

Eiertanz

Symptomatisch dafür steht der Eiertanz um die große Koalition - dem Bürger kann kaum vermittelt werden, was man genau will. Jetzt fordert man zum Beispiel einen Familiennachzug für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutz - dabei sagen führende Genossen, dass wenig die „kleinen Leute“ so verunsichert wie das Flüchtlingsthema. Und die Christdemokraten werden da kaum mitmachen. Es werden die Vereinigten Staaten von Europa gefordert oder eine einheitliche Krankenversicherung, gegen die die CDU/CSU jetzt schon Sturm läuft.

In der SPD wird für den Falle der Fälle ohnehin nicht mit einer Regierung vor März gerechnet - auch weil es einen zwei Millionen Euro teuren, bis zu drei Wochen dauernden Mitgliederentscheid geben würde.