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„Sonst leg ich dich daneben“
International 3 Min. 10.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Verdächtiger von Kusel sagt aus

„Sonst leg ich dich daneben“

Die Polizei riegelte die K22 kurz nach der Tat ab.
Verdächtiger von Kusel sagt aus

„Sonst leg ich dich daneben“

Die Polizei riegelte die K22 kurz nach der Tat ab.
Foto: AFP
International 3 Min. 10.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Verdächtiger von Kusel sagt aus

„Sonst leg ich dich daneben“

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Florian V. will nicht selbst geschossen haben, aber er war dabei, als bei Kusel zwei Polizisten starben. Andreas S. habe ihn bedroht.

Es ist noch immer nicht geklärt, wie genau der zweifache Polizistenmord in der Nähe von Kusel am 31. Januar sich zugetragen hat. In den frühen Morgenstunden jenes Montags waren die 24-jährige Polizeianwärterin Yasmin B. und der 29-jährige Polizeioberkommissar Alexander K. auf der abgelegenen Landstraße K22 auf das Fahrzeug der beiden Wilderer Florian V. (32) und Andreas S. (38) getroffen. 

Die Fahrzeugkontrolle endete tödlich: K. kann noch über Funk Verstärkung anfordern („Die schießen!“), doch die kommt zu spät. K. und seine Kollegin erliegen an Ort und Stelle ihren Schussverletzungen nach Schüssen aus einer Schrotflinte und einem Jagdgewehr. Die beiden mutmaßlichen Täter werden am späten Nachmittag im Saarland gefasst, auf ihre Spur kam die Polizei durch Ausweispapiere von S., die am Tatort gefunden wurden. Der Mord habe offensichtlich der Vertuschung ihrer groß angelegten Wilderei gedient, so die Staatsanwaltschaft.


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Bereits am folgenden Dienstag präsentierten die Ermittler erste Ergebnisse: Man gehe davon aus, dass beide Verdächtigen geschossen hätten, so die Staatsanwaltschaft. Während Andreas S. bis jetzt von seinem Schweigerecht Gebrauch macht, hatte Florian V. bereits kurz nach der Tat ausgesagt, er habe zwar gewildert, aber nicht geschossen, auch nicht auf Tiere. Er sei von Andreas S. lediglich bezahlt worden, um die erlegten Tiere zum Auto zu schleifen. Eine Untersuchung auf Schmauchspuren werde den Beleg dafür erbringen, so sein Anwalt Christian Kessler. Deren Ergebnis steht aber noch aus. 

„Ich muss den Jagdschein nur holen“

Jetzt hat Florian V. Medienberichten zufolge Aussagen gemacht, die Andreas S. schwer belasten und die derzeit noch kriminaltechnisch auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden. Einem Artikel des deutschen Nachrichtenmagazins „Focus“ zufolge, hat V. die Tat wie folgt geschildert:


02.02.2022, Rheinland-Pfalz, Kusel: Ein Kranz sowie Blumen und Kerzen liegen am Tatort an der Kreisstraße 22 bei Ulmet (Rheinland-Pfalz) zum Gedenken. Am Montag wurden in der Nähe bei Ulmet eine Polizistin und ein Polizist im Dienst getötet. Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Die Beamten seien auf den Kastenwagen aufmerksam geworden, weil die Klappe offenstand. „Jagdhelfer“ V. sei mit einem Hirsch abseits der Straße beschäftigt gewesen. S. soll ihn gerufen haben. Die Polizistin habe zuerst nach Führerschein und Personalausweis, dann nach dem Jagdschein gefragt. S. soll ihr seine Papiere ausgehändigt und dann gesagt haben „Der Jagdschein ist im Auto, ich muss ihn nur holen.“ Doch statt der Jagderlaubnis, die er schon lange nicht mehr besaß, soll S. eine Schrotflinte aus dem Wagen geholt und Yasmin B. damit in den Kopf geschossen haben. Danach habe er die Waffe gewechselt und mit einem Jagdgewehr vom Typ Bergara Takedown Kaliber Winchester .308 die tödlichen Schüsse auf Alexander K. abgegeben. Zu V. habe S. dann gesagt: „Find’ meinen Ausweis, sonst leg’ ich dich neben die zwei!“

Der Focus beruft sich bei dieser Darstellung auf „Justizkreise“, laut dem Kaiserslauterer Oberstaatsanwalt Dr. Udo Gehring seien V.’s Aussagen noch nicht ausreichend überprüft. Anwalt Kessler kommentierte die durchgesickerten Aussagen nicht im Detail, sagte lediglich, er habe „die schrecklichen Ereignisse“ mit seinem Mandanten „sachlich erörtert“. 

Gab es Helfer?

Unterdessen beschäftigt die Ermittler auch die Frage, ob die beiden mutmaßlichen Täter Andreas S. und Florian V. in der Tatnacht alleine unterwegs waren. Bekannt ist mittlerweile, dass sie nach den tödlichen Schüssen eine Autopanne hatten und einen Bekannten zur Pannenhilfe anriefen, der auch kam und sie bis nach Sulzbach abschleppte. 


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Vor allem die große Menge des erlegten Damwilds im Kastenwagen wirft aber Fragen auf: In dem Renault befanden sich 22 tote Tiere. Wie der Kreisjagdmeister für den Bereich Pirmasens-Zweibrücken, Rolf Henner, dem SWR sagte, sei es extrem unwahrscheinlich, diese Menge zu zweit innerhalb einer Nacht zu schießen und „waidgerecht transportfähig“ zu machen: „Ich gehe seit 1978 zur Jagd und bin einmal mit drei Stück Wild heimgekommen. Zwei wäre schon die Ausnahme.“ Wilderer S. dürfte es generell mit dem waidmännischen Vorgehen alles andere als genau genommen haben. Trotzdem: „Ich glaube, dass weitaus mehr Leute in diese Wilderei verwickelt sind“, so Henner. 

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