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Sondersitzung der Nato nach Angriff auf türkische Soldaten
International 2 Min. 28.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Sondersitzung der Nato nach Angriff auf türkische Soldaten

Ein türksiches Fahrzeug feuert auf syrische Stellungen bei Idlib.

Sondersitzung der Nato nach Angriff auf türkische Soldaten

Ein türksiches Fahrzeug feuert auf syrische Stellungen bei Idlib.
Foto: AFP
International 2 Min. 28.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Sondersitzung der Nato nach Angriff auf türkische Soldaten

Politiker warnen vor einem Krieg des Nato-Partners Türkei mit Syrien. Die Nato fordert Deeskalation und erklärt sich solidarisch mit Ankara. Spielt die Türkei mit dem Flüchtlingspakt?

(dpa) - Nach dem Tod von mindestens 33 türkischen Soldaten bei einem syrischen Luftangriff in Nordsyrien wächst die Befürchtung eines Krieges des Nato-Mitglieds Türkei mit Syrien sowie dessen Schutzmacht Russland. Die EU forderte ein sofortiges Ende der Eskalation in Syrien. Es gebe das Risiko einer „größeren, offenen internationalen militärischen Konfrontation“, schrieb der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Freitag auf Twitter.

Jens Stoltenberg
Jens Stoltenberg
Foto: AFP

Idlib ist das letzte große Rebellengebiet in dem Bürgerkriegsland. Die Situation dort war jüngst eskaliert. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt islamistische Rebellen. Mit Russland als Schutzmacht der syrischen Regierung hatte sie ein Abkommen getroffen, um in Idlib eine Deeskalationszone einzurichten, und hatte dort Beobachtungsposten eingerichtet. Eigentlich gilt auch eine Waffenruhe. In den vergangenen Wochen war Syrien mit russischer Unterstützung weiter in dem Gebiet vorgerückt. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Die humanitäre Lage ist dramatisch.


Smoke billows over the town of Saraqib in the eastern part of the Idlib province in northwestern Syria, following bombardment by Syrian government forces, on February 27, 2020. - Syrian rebels reentered the key northwestern crossroads town of Saraqib lost to government forces earlier this month but fierce fighting raged on in its outskirts today, an AFP correspondent reported. (Photo by Aref TAMMAWI / AFP)
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Unter syrischem Beschuss sterben mindestens 33 türkische Soldaten. Die Türkei startet Vergeltungsangriffe, fordert Beistand der Nato - und droht kaum verhohlen mit einer Grenzöffnung für syrische Flüchtlinge.

Angesichts der Eskalation des Konflikts kam der Nordatlantikrat der Nato am Freitag zu einem Sondertreffen zusammen. „Die Alliierten verurteilen die fortgesetzten rücksichtslosen Luftangriffe des syrischen Regimes und Russlands auf die Provinz Idlib“, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg danach. Er rief Syrien und Russland dazu auf, ihre Offensive zu beenden, internationales Recht zu achten und die Bemühungen der UN für eine friedliche Lösung zu unterstützen. „Diese gefährliche Situation muss deeskaliert werden.“

Solidarität mit der Türkei

Die Türkei hatte kurzfristig um das Treffen des Nordatlantikrats gebeten. Stoltenberg sagte, es sei „ein deutliches Zeichen der Solidarität mit der Türkei“. Die Türkei sei ein geschätzter Alliierter in der Nato. Die Bündnispartner überprüften regelmäßig, wie sie die Türkei weiter unterstützen könnten.

Moskau warf der Türkei am Freitag vor, ihre getöteten Soldaten seien zum Zeitpunkt des Angriffs mit der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) unterwegs gewesen. Die Rebellen hätten eine große Offensive auf syrische Regierungstruppen versucht, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Dabei seien auch die türkischen Soldaten unter Beschuss gekommen.

Türkei nicht einverstanden


A dinghy with 15 Afghan refugees, 5 children, 3 women and 7 men, approaches the Greek island of Lesbos on February 28, 2020 next to UK Border Force patrol boat HMC Valiant (background), a cutter patroling in Agean sea under European Union border force Frontex. - Turkey will no longer close its border gates to refugees who want to go to Europe, a senior official told AFP on February 28, shortly after the killing of 33 Turkish soldiers in an airstrike in northern Syria. (Photo by ARIS MESSINIS / AFP)
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Die Türkei wies das zurück. „Ich möchte klarstellen, dass während dieses Angriffs keine bewaffneten Gruppen in der Nähe unserer Truppen waren“, sagte Verteidigungsminister Hulusi Akar der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge. Akar betonte, dass die Stellungen der türkischen Truppen zuvor mit Russland koordiniert worden seien.

Die Eskalation brachte anscheinend auch ein zuvor fraglich gewordenes Treffen Erdogans mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin wieder auf der Tagesordnung. Nach einem Telefonat der beiden am Freitag teilte der Kreml mit, dass sie ein baldiges Treffen auf höchster Ebene vereinbart hätten. Gleichzeitig liefen in Ankara Verhandlungen auf Arbeitsebene weiter.    

An vielen Stellen - wie hier in Ankara - betrauern die Menschen die 33 gefallenen Soldaten.
An vielen Stellen - wie hier in Ankara - betrauern die Menschen die 33 gefallenen Soldaten.
Foto: AFP



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