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Biden ganz unpräsidial

"Son of a ...": US-Präsident beleidigt einen Journalisten

25.01.2022

Ein Reporter von Fox News stellt Joe Biden bei einem öffentlichen Auftritt eine Frage zur Inflation – und trifft damit offenbar einen empfindlichen Nerv.

(dpa) - US-Präsident Joe Biden inszeniert sich üblicherweise gerne als Inbegriff von Anstand, Würde und Respekt - und in dieser Hinsicht als größtmöglichen Kontrast zu seinem Vorgänger Donald Trump. Am Montagabend (Ortszeit) reagierte Biden auf die unliebsame Frage eines Journalisten allerdings etwas weniger tugendhaft. 

Als der Reporter dem Präsidenten am Rande eines öffentlichen Auftritts in Washington die Frage zuwarf, ob die zunehmende Inflation im Land bei der Kongresswahl im Herbst eine politische Bürde sei, murmelte Biden - hörbar für alle, da sein Mikrofon noch angeschaltet war - und klar ironisch: Nein, Inflation sei ein Vorteil, „mehr Inflation“. Mit Kopfschütteln und leicht verzogenem Gesicht schob Biden eine derbe Beleidigung nach: „What a stupid son of a bitch.“


(FILES) In this file photograph taken on June 20, 2002, French gendarmes stand near a sign for the town of Bitche, Moselle Region, eastern France - The French town of Bitche celebrated its return to Facebook on April 13, 2021, three weeks after censors took down its page, believing the name to be an insult. The mayor of the northeastern town of 5,000 inhabitants, near the border with Germany, said that Facebook took down the page on March 19 on the basis that Bitche was a "violation of the conditions applying to Facebook pages". (Photo by THOMAS WIRTH / AFP)
Doppeldeutig? Facebook sperrt französische Gemeinde Bitche
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Im Englischen ist „son of a bitch“ ein Schimpfwort, dessen unschmeichelhafte Palette an Bedeutungen weit reicht: von „Bastard“, „Scheißkerl“ oder „Kotzbrocken“ bis hin zur sehr wörtlichen und eher ungebräuchlichen Übersetzung „Hurensohn“. Im öffentlichen Vokabular von Präsidenten jedenfalls kommt der Begriff in der Regel eher nicht vor. Warum also Bidens heftige Reaktion?

Inflation als Wahlkampfthema

Die dramatisch gestiegene Inflationsrate in den USA ist in der Tat ein großes politisches Problem für Biden und seine Demokraten mit Blick auf die Kongresswahl im November. Steigende Preise schaffen Unmut in der Bevölkerung. Das ist kein Geheimnis. Und: Der Fragesteller - Peter Doocy, ein Reporter des früher höchst Trump-treuen Fernsehsenders Fox News - konfrontiert den Präsidenten und dessen Sprecherin Jen Psaki regelmäßig mit unbequemen Nachfragen.


US President Joe Biden speaks about the hostage incident at a synagogue in Texas as he arrives to pack food boxes while volunteering in honor of Martin Luther King, Jr., Day of Service, at Philabundance, a hunger relief organization, in Philadelphia, Pennsylvania, January 16, 2022. (Photo by SAUL LOEB / AFP)
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Doocy nahm Bidens Kommentar mit Humor. In einer Schalte mit seinem Sender kurz nach dem Vorfall sagte ein anderer Fox-News-Kollege spöttisch zu Doocy, er finde, der Präsident habe eigentlich recht. Doocy entgegnete grinsend: „Ja, bis jetzt hat noch niemand einen Faktencheck dazu gemacht und gesagt, dass es nicht stimmt.“

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