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So haben die Menschen in den Nachbar-Bundesländern gewählt
International 3 Min. 27.09.2021
Rheinland-Pfalz und Saarland

So haben die Menschen in den Nachbar-Bundesländern gewählt

SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer (Mitte) hat gut lachen: Ihre Partei schnitt auch in Rheinland-Pfalz sehr gut ab.
Rheinland-Pfalz und Saarland

So haben die Menschen in den Nachbar-Bundesländern gewählt

SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer (Mitte) hat gut lachen: Ihre Partei schnitt auch in Rheinland-Pfalz sehr gut ab.
Foto: AFP
International 3 Min. 27.09.2021
Rheinland-Pfalz und Saarland

So haben die Menschen in den Nachbar-Bundesländern gewählt

Schwere Wahlschlappen für amtierende CDU-Minister, zufriedene Gesichter bei der SPD: So lief die Wahl im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

(mer/dpa) - Mit einem Countdown wollte das Social-Media-Team der deutschen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) die letzten unentschlossenen Wählerinnen und Wähler überzeugen.   

„Noch 10 Stunden. Jetzt #AKK wählen“, hieß es am Wahlsonntag auf dem offiziellen Facebook-Account der CDU- Direktkandidatin für den Wahlkreis 296 - Saarbrücken. Später dann: „Noch 5 Stunden. Jetzt #AKK wählen“ . Und schließlich: „Noch eine Stunde. Jetzt #AKK wählen.“ 

Als das Stunden-Herunterzählen dann zu Ende war, folgte erst einmal - nichts mehr. „Erst wird Stündlich Genervt ... Jetzt Herrsacht Funkstille“, lästerte daraufhin in nicht ganz korrektem Deutsch ein User in einem Kommentar. 

Die saarländische Spitzenkandidatin, Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, schaffte es nicht, das Direktmandat zu erringen.
Die saarländische Spitzenkandidatin, Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, schaffte es nicht, das Direktmandat zu erringen.
Foto: dpa

Auch am Morgen danach gab es noch keinen Beitrag des AKK-Teams, das offenbar erst einmal Wunden lecken muss. Denn die ehemalige Ministerpräsidentin des Saarlands, die einstige CDU-Chefin und kurzzeitig als mögliche Nachfolgerin der Bundeskanzlerin gehandelte Spitzenfrau hat den Kampf um ihr Direktmandat verloren. Und das gegen eine 34-jährige Konkurrentin von der SPD: Josephine Ortleb, eine gelernte Restaurantfachfrau, sitzt seit 2017 im Bundestag.

Rote Erfolgswelle an der Saar

Zwar ist es keine totale Bauchlandung für AKK: Über die Landesliste zieht sie doch noch in den Bundestag ein. Genau wie ihr Parteifreund, Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Beim Direktmandat musste sich der Konservative einem Kabinettskollegen geschlagen geben: Außenminister Heiko Maas (SPD) war im zweiten Anlauf der Sieger.  


Co-leader of Germany's Greens (Die Gruenen) and the party's candidate for chancellor Annalena Baerbock (L) and co-leader of Germany's The Greens (Die Gruenen) party Robert Habeck react on stage during the Greens (Die Gruenen) electoral party after estimates were broadcast on television, in Berlin on September 26, 2021 after the German general elections. (Photo by David GANNON / AFP)
Gewonnen und doch verloren
Eigentlich können sich die Grünen freuen. Und doch fühlt sich ihr Ergebnis wie eine Niederlage an. Ähnlich kann es auch einem anderen ergehen.

An der Saar surften die Sozialdemokraten auf der Erfolgswelle, die auch ihren Kanzlerkandidaten Olaf Scholz nach vorne trug. Erstmals seit 16 Jahren wurde die Saar-SPD mit 37,3 Prozent (plus 10,1 Prozentpunkte im Vergleich zu 2017)  wieder stärkste Kraft bei einer Bundestagswahl. 

Das kleinste Flächenland stellt im neuen Bundestag neun Abgeordnete, einer weniger als 2017. Alle vier Wahlkreise eroberten die Roten. Die CDU büßte 8,8 Punkte ein und landete bei 23,6 Prozent. Die FDP legte 3,9 Punkte zu und wurde drittstärkste Kraft mit 11,5 Prozent. Die Linke sackte ab auf 7,2 (2017: 12,9) und die AfD lag bei 10,0 Prozent. Wegen parteiinterner Formfehler durften die Grünen an der Saar nicht mit ihrer Liste antreten.

CDU-Schlappe auch in Rheinland-Pfalz

So wie AKK und Altmaier im Saarland erging es auch CDU-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner: Ihr Direktmandat im Wahlkreis Kreuznach konnte sie nicht erreichen. Es ging stattdessen an den relativen Newcomer Sozialdemokraten Joe Weingarten, der 2019 als Nachfolger von Andrea Nahles in den Bundestag eingezogen war. Die CDU-Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin Klöckner hatte den Wahlkreis - zu dem ihr Heimatort Bad Kreuznach gehört - 2005 und 2009 gewonnen. 2013 und 2017 konnte Antje Lezius für die CDU das Direktmandat holen.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat das Direktmandat verpasst.
Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat das Direktmandat verpasst.
Foto: dpa

Hatten die Sozialdemokraten 2017 noch ein einziges Direktmandat gewonnen, so lag die Zahl nun bei acht. Die CDU verlor hingegen viele bislang sicher geglaubte Wahlkreise, darunter auch Trier mit der Stadt und dem Landkreis Trier/Saarburg. Dort hatte der CDU-Mann Andreas Steier, der viele Jahre als Grenzgänger in Luxemburg als Diplom-Ingenieur tätig gewesen war, 2017 noch das Direktmandat gegen die damalige Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) gewonnen. 

Nun verlor er das Rennen gegen die 33-Jährige Sozialdemokratin Verena Hubertz aus Konz, die 2013 mit einer Studienkollegin das Startup „Kitchen-Stories“ gegründet hatte.

 

In der Eifel konnte die CDU hingegen den Wahlkreis Bitburg, zu dem der Eifelkreis Bitburg-Prüm sowie der Landkreis Vulkaneifel gehören, behaupten. Dort ist Patrick Schnieder seit 2009 Abgeordneter. Im Wahlkreis Mosel/ Rhein-Hunsrück siegte CDU-Mann Marlon Bröhr, bislang Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises.

Ein anderer CDU-Landrat will zwar nicht in den Bundestag, musste sich parallel zur Bundestag aber auch der Wiederwahl stellen: Im traditionell CDU-geprägten Kreis Trier-Saarburg schaffte es Amtsinhaber Günther Schartz aus Wincheringen nicht, Gewinn aus seinem Bonus aus 15 Amtsjahren zu ziehen. Er kam mit 31,30 Prozent nur auf den zweiten Platz hinter Herausforderer Stefan Metzdorf von der SPD mit 32,37 Prozent. So muss nun eine Stichwahl am 10. Oktober entscheiden.  


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