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Skripal-Affäre: Moskau dringt auf Antworten aus London
International 2 Min. 31.03.2018

Skripal-Affäre: Moskau dringt auf Antworten aus London

Russland hat am Freitag der Reihe nach sämtliche Länder ins Aussenministerium bestellt, die zuvor diplomatische Sanktionen gegen das Land ergriffen hatten.

Skripal-Affäre: Moskau dringt auf Antworten aus London

Russland hat am Freitag der Reihe nach sämtliche Länder ins Aussenministerium bestellt, die zuvor diplomatische Sanktionen gegen das Land ergriffen hatten.
AFP
International 2 Min. 31.03.2018

Skripal-Affäre: Moskau dringt auf Antworten aus London

Dutzende Diplomaten müssen im Polit-Krimi um den Anschlag auf den Ex-Agenten Skripal die Koffer packen. Doch viele Fragen bleiben offen. Am Londoner Flughafen Heathrow soll unterdessen eine russische Aeroflot-Maschine durchsucht worden sein.

(dpa) - Russland hat Großbritannien aufgefordert, 27 Fragen zum Fall des in England vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal zu klären. Der Fall hat die Beziehungen Russlands zu den westlichen Staaten erheblich verschlechtert und zur gegenseitigen Ausweisung Dutzender Diplomaten geführt. 

Die russische Botschaft in London warf der britischen Regierung am Freitag eine klare Verletzung ihrer Verpflichtungen gemäß des Wiener Übereinkommens über konsularische Beziehungen vor, weil sie offene Fragen in dem Fall nicht beantworte. Sie zählte 27 konkrete Fragen auf. Dabei ging es um politische Angelegenheiten, wie die Verweigerung des Zugangs russischer Diplomaten zu Skripal und die Frage, wie die politischen Sanktionen mit der Aussage von Scotland Yard vereinbar seien, dass die Ermittlungen noch Monate in Anspruch nehmen würden.

Es ging aber auch um konkrete Fragen nach den verabreichten Gegenmitteln oder dem Ort der Vergiftung. „Nervengifte wirken eigentlich sofort. Warum war das nicht bei den Skripals der Fall?“, heißt es. „Mit welchen Methoden haben Experten die Substanz (das Gift) so schnell identifiziert?“ Und woher hätten sie den Stoff zum Testen der Substanz gehabt? Skripal und seine Tochter Julia waren nach britischen Angaben vor fast vier Wochen mit einem in der Sowjetunion produzierten Kampfstoff vergiftet worden. Der Ex-Agent befindet sich noch in einem kritischen Zustand. Julia Skripal gehe es deutlich besser. Die 33-jährige Russin, die ihren Vater nur in England besucht hatte, könne wieder essen und trinken, heißt es.

"Mit welchen Methoden haben die Experten das Gift identifiziert", will Russland nun von Großbritannien wissen. Nur eine von 27 Fragen, die Moskau am Freitag London hat zukommen lassen.
"Mit welchen Methoden haben die Experten das Gift identifiziert", will Russland nun von Großbritannien wissen. Nur eine von 27 Fragen, die Moskau am Freitag London hat zukommen lassen.
AFP

Im Zuge der gegenseitigen Ausweisungen von Botschaftspersonal sollen die US-Geheimdienste nach Moskauer Angaben versuchen, russische Diplomaten anzuwerben. Die US-Dienste böten den Diplomaten Hilfe „auf Gegenseitigkeit“ an, erklärte das russische Außenministerium. „Unsere Kollegen werden buchstäblich attackiert mit solchen Anträgen.“ Eine Stellungnahme der USA gab es dazu zunächst nicht.

Auge um Auge

Die USA hatten im Fall Skripal 60 russische Diplomaten in den USA und bei den Vereinten Nationen zu unerwünschten Personen erklärt. Außerdem wurde ein Konsulat geschlossen. Moskau wies daraufhin am Donnerstag 60 US-Diplomaten aus und verfügte die Schließung eines Konsulats. Insgesamt wiesen westliche Staaten in dem Streit mehr als 140 russische Diplomaten aus. Russland zahlt grundsätzlich in gleicher Münze zurück. Im Falle Großbritanniens ist das Ausmaß der russischen Reaktion nicht ganz klar. Die britische Vertretung soll die Anzahl ihrer Mitarbeiter in Monatsfrist so reduzieren, dass sie der Anzahl der russischen Botschaftsmitarbeiter in London entspricht.

Das Vorgehen gegen Moskau ist in der EU umstritten. Mehrere Staaten, darunter Österreich und Griechenland, haben sich nicht an den Diplomatenausweisungen beteiligt. Luxemburg hat lediglich seinen Botschafter aus Moskau zu Konsultationen abgezogen.

Am Londoner Flughafen Heathrow wurde Medienberichten zufolge unterdessen eine Maschine der russischen Fluglinie Aeroflot durchsucht. Die russische Botschaft in London verurteilte die Durchsuchung am Freitag als „eine weitere offensichtliche Provokation durch die britischen Behörden“ und forderte vom Außenministerium eine Erklärung für den Vorgang, wie die Nachrichtenagentur Tass berichtete. Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen der Durchsuchung und dem Fall Skripal gibt, war zunächst unklar.