Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Seit Anfang Juni: Belgische Behörden verheimlichten Fipronil-Verdacht
International 05.08.2017 Aus unserem online-Archiv

Seit Anfang Juni: Belgische Behörden verheimlichten Fipronil-Verdacht

Welche Eier sind noch sicher? Ein Mitarbeiter des Chemischen Veterinäruntersuchungsamts Münsterland-Emscher-Lippe untersucht eine Stichprobe auf giftige Rückstände.

Seit Anfang Juni: Belgische Behörden verheimlichten Fipronil-Verdacht

Welche Eier sind noch sicher? Ein Mitarbeiter des Chemischen Veterinäruntersuchungsamts Münsterland-Emscher-Lippe untersucht eine Stichprobe auf giftige Rückstände.
Foto: AFP
International 05.08.2017 Aus unserem online-Archiv

Seit Anfang Juni: Belgische Behörden verheimlichten Fipronil-Verdacht

Nathalie RODEN
Nathalie RODEN
Belgische Behörden wussten schon vor rund zwei Monaten um die mögliche Eierverseuchung, entschieden jedoch, vorerst nicht damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Das bestätigte eine Sprecherin der Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK.

(dpa) - Die belgischen Behörden waren bereits seit Anfang Juni über einen Fipronil-Verdachtsfall bei Eiern informiert. Das bestätigte eine Sprecherin der belgischen Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Zuvor hatte der Sender n-tv darüber berichtet.

„Ein belgischer Betrieb hat uns gemeldet, dass es ein Problem mit Fipronil geben könnte“, sagte Sprecherin Katrien Stragier. Dennoch habe die Behörde entschieden, den Verdacht nicht öffentlich zu machen. „Das war, damit die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit machen konnte.“ Die Staatsanwaltschaft ermittle wegen Betrugs.

Gemeldet hatten die belgischen Behörden erste Fipronil-Fälle nach Angaben der EU-Kommission erst Wochen später am 20. Juli. Am 22. Juli wurde das Gift in den Niederlanden in Eiern von sieben Betrieben nachgewiesen. In den Tagen darauf folgten weitere Funde, auch vier deutsche Geflügelhöfe sowie eine Briefkastenfirma sind betroffen.

"Im Einklang mit europäischen Regeln"

Stragier verteidigte die Entscheidung, erst am 20. Juli andere europäische Länder zu informieren. Man habe erst Informationen über die Dimension des Problems sammeln müssen. Dass belgische Verbraucher nicht früher informiert worden seien, stehe im Einklang mit europäischen Regeln, da die Höchstwerte von Fipronil in Eiern in Belgien nicht erreicht worden seien.

In fast allen deutschen Bundesländern wurde inzwischen Fipronil in Eiern nachgewiesen. Das für diesen Zweck verbotene Insektengift war vor allem in den Niederlanden in Legehennenbetrieben eingesetzt worden, viele der dort produzierten Eier wurden nach Deutschland verkauft.

Die giftige Substanz gelangte nach derzeitigem Stand der Ermittlungen über das Reinigungsmittel Dega-16 in die Ställe. Mutmaßlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt.

Experten sehen momentan keine großen Gesundheitsrisiken beim Verzehr belasteter Eier oder daraus hergestellter Produkte. Millionen mit Fipronil belastete Eier wurden bereits aus dem Verkehr gezogen. Inzwischen gibt es in Deutschland auch erste Rückrufe für Produkte mit verarbeiteten Eiern.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Fipronil erneut in Eiern nachgewiesen
Das giftige Insektenschutzmittel Fipronil ist erneut in Eiern nachgewiesen worden. Deutsche Behörden entdeckten die Substanz in Eiern eines Bio-Legehennenbetriebes aus den Niederlanden.
Millionen von Eiern sind 2017 vernichtet worden.
Editorial: Faule Eier
Im Skandal um die mit dem Insektizid Fipronil verseuchten Eier kommt die Wahrheit ans Licht, wenn auch nur scheibchenweise.