Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Sechs Tage vor der Wahl: Macron-Anhänger tanzen für ein optimistisches Frankreich
International 4 Min. 01.05.2017

Sechs Tage vor der Wahl: Macron-Anhänger tanzen für ein optimistisches Frankreich

Emmanuel Macron nach seiner Rede zum 1. Mai.

Sechs Tage vor der Wahl: Macron-Anhänger tanzen für ein optimistisches Frankreich

Emmanuel Macron nach seiner Rede zum 1. Mai.
AFP
International 4 Min. 01.05.2017

Sechs Tage vor der Wahl: Macron-Anhänger tanzen für ein optimistisches Frankreich

Fernduell am Tag der Arbeit: Emmanuel Macron und Marine Le Pen läuten den Wahlkampf-Endspurt ein. Ihre Kundgebungen zeigen zwei völlig gegensätzliche Sichtweisen auf Frankreich und Europa.

(dpa) - Die Warnung erscheint in großen Lettern auf den Videowänden der Wahlkampfkundgebung von Emmanuel Macron: „Die Geschichte wird sich an den 7. Mai 2017 erinnern. Aber wie?“

Wenige Tage vor der historischen Stichwahl zwischen Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen scheint die Antwort für die Anhänger des sozialliberalen Kandidaten klar. Schon Stunden vor der Rede des Politjungstars tanzen sie am Montag zu flotten Beats, schwingen Frankreich- und EU-Fahnen. Doch die Frage, ob Le Pen am Sonntag doch eine Chance haben könnte, überschattet diesen Maifeiertag in Paris.

Zum Auftakt des Wahlkampf-Endspurts liefern sich Macron und Le Pen am Tag der Arbeit eine Art Fernduell. Macron spricht am nordöstlichen Stadtrand von Paris, Le Pen im Vorort Villepinte.

Überschattet wurde der 1. Mai von Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Zwei konträre Sichtweisen auf Europa, zwei Ideen von Frankreich, zwei Versprechen des Bruchs mit dem etablierten politischen System. Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Cevipof, Martial Foucault, sagt: Das unglückliche, pessimistische Frankreich stimme für die Front National von Le Pen, das optimistische für Macron.

Macrons Kundgebung erinnert an eine große Party. Pastellbunte T-Shirts mit dem Slogan „Gemeinsam, Frankreich“ machen die Veranstaltungshalle zu einem Farbenmeer. „Er verkörpert den Wechsel“, sagt Marko Kake über den Ex-Wirtschaftsminister, der jenseits der traditionellen Parteien antritt.

„Er ist jung, er hat die richtige Vision von Frankreich.“ Der 42-Jährige Pariser ist überzeugt, dass Macron gegen Le Pen gewinnt. „Es gibt keine Gefahr“, versichert er.

Links sein, für Le Pen stimmen

Marine Le Pen und ihr Alliierter Nicolas Dupont-Aignan am 1. Mai.
Marine Le Pen und ihr Alliierter Nicolas Dupont-Aignan am 1. Mai.
AFP

Ein paar Stunden früher, einige Kilometer entfernt, ein ganz anderer Grundton. Hier ragen aus dem Mund von Emmanuel Macron Vampirzähne: An einem Regenschirm reckt Jean-Michel seine Wahlplakate Marke Eigenbau in die Höhe.

„Globalisierung für die Milliardäre“ mit Macron oder „Schutz für die Völker“ mit Le Pen - das sind aus Sicht des 64-Jährigen die Alternativen Frankreichs bei der Stichwahl. „Ich denke, man kann links sein und für Marine Le Pen stimmen“, sagt der Rentner am Rande der Wahlkampfkundgebung Le Pens. „Wenn wir unsere Unabhängigkeit nicht wiederfinden (...) ,können wir die soziale Gerechtigkeit nicht wiederherstellen.“

Kurz darauf tritt Marine Le Pen auf die Bühne und brandmarkt ihren Widersacher, der einst als Investmentbanker arbeitete, als das Gesicht der Finanzwelt und der Globalisierung.

Die Front-National-Politikerin hat ihre Melodie für den Endspurt gefunden: Während sie kurz vor dem ersten Wahlgang noch auf einen harten Anti-Einwanderungs-Diskurs setzte, stellt sie am Montag die soziale Situation des Landes in den Vordergrund.

Das Ziel ist klar: Es geht ihr um die enttäuschten Wähler des Linksaußen-Kandidaten Jean-Luc Mélenchon, der im ersten Wahlgang mit 19,6 Prozent ausgeschieden war. Mélenchon hat klargemacht, dass er nicht für Le Pen stimmen werde - gibt aber keinen Aufruf für Macron ab, dessen wirtschaftsfreundliche Positionen er ablehnt. Le Pen präsentiert sich als Vertreterin der Verlierer der Globalisierung.

Dass auch Macron polarisiert, zeigt sich an diesem Tag auf den Straßen von Paris. Die Gewerkschaften haben es nicht geschafft, sich zum 1. Mai gemeinsam zu positionieren. Bei den traditionellen Kundgebungen rufen manche zur Wahl Macrons auf, andere protestieren gegen Le Pen, wieder andere Demonstranten wollen „weder noch“.

Jésus, ein Lehrer in den 50ern, hält ein Schild mit der Aufschrift: „Was soll diese Scheiß-Auswahl?“ „Das ist keine wirklich demokratische Wahl (...) zwischen einem extremen Liberalen und der extremen Rechten“, sagt er. Er frage sich, ob er wählen gehe.

Gefahr durch Nichtwähler

Ein hoher Anteil an Nichtwählern oder Enthaltungen könnte der EU-Feindin Le Pen nützen, so die Sorge. Der Pro-Europäer Macron liegt in Umfragen klar vorn, doch sein Vorsprung ist leicht geschrumpft.

Der junge Arbeitslose Théo spürt Gefahr: „Es gibt ein großes Risiko, dass Marine Le Pen gewinnt. Ich gehe wählen, es ist gefährlich, sich zu enthalten.“ Macron hat das offensichtlich auch realisiert, er greift härter an und präsentiert sich am Montag als Verteidiger der Republik gegen die extreme Rechte, die für Abschottung, Isolation und Nationalismus stehe. „Die Front National ist die Partei des Anti-Frankreichs“, so Macron.

Der von Le Pen gewollte Euro-Austritt bedeute Verarmung, sagt er. Le Pen verbindet diese kontroverse Forderung nach der Rückkehr zu einer nationalen Währung inzwischen stets mit einer Beschwichtigung: Letztlich werde das Volk per Referendum entscheiden.

Der FN-Vize Florian Philippot macht am Montag aber klar, dass sich im Kern nichts an den Euro-Austrittsforderungen geändert hat. Ein Jahr nach einer Machtübernahme von Marine Le Pen werde das Baguette in Frankreich wahrscheinlich „mit neuem Franc“ bezahlt, sagt er dem Sender France Inter. Am Mittwoch treffen Le Pen und Macron in einem TV-Duell aufeinander. Es dürfte eine harte Debatte werden.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.