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Sea-Watch fordert politische Lösung - Luxemburg bereit
International 1 2 Min. 02.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Sea-Watch fordert politische Lösung - Luxemburg bereit

Chris Grodotzki, Schiffs-Medienkoordinator, Marie Naaß, Leiterin politische Öffentlichkeitsarbeit, und Ruben Neugebauer, Sprecher von Sea-Watch (v.l.) bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Berlin.

Sea-Watch fordert politische Lösung - Luxemburg bereit

Chris Grodotzki, Schiffs-Medienkoordinator, Marie Naaß, Leiterin politische Öffentlichkeitsarbeit, und Ruben Neugebauer, Sprecher von Sea-Watch (v.l.) bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Berlin.
Foto: Christoph Soeder/dpa
International 1 2 Min. 02.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Sea-Watch fordert politische Lösung - Luxemburg bereit

Der Sprecher der Hilfsorganisation, Ruben Neugebauer, gab sich bei einer Pressekonferenz am Dienstag kämpferisch in Richtung der EU. Unterdessen kommt Bewegung in die Frage der Aufnahmeländer.

TOPSHOT - Demonstrators hold a banner reading "Free Carola" during a vigil on July 2, 2019 in Cologne, western Germany, for Carola Rackete, a German captain of a migrant rescue ship, who was arrested in Italy. - Sea-Watch 3 skipper Carola Rackete was arrested at the weekend after a two-week standoff at sea and faces up to 10 years in jail if convicted. (Photo by Federico Gambarini / dpa / AFP) / Germany OUT
Erleichterung und Kritik nach Freilassung von Rackete
Von allen Vorwürfen ist Carola Rackete nicht befreit. Aber die Kapitänin ist auf freiem Fuß. Für viele ist die Entscheidung des Gerichts in Italien ein wichtiges Signal.

(KNA/dpa) Die Seenotretter von Sea-Watch fordern eine schnelle politische Lösung für die im Mittelmeer von Schiffen aufgelesenen Flüchtlinge. Eine europäische Lösung wäre schön, aber an erster Stelle müsse stehen, dass auf dem zentralen Mittelmeer die Menschenrechte konsequent eingehalten würden, sagte der Sprecher der zivilen Rettungsorganisation, Ruben Neugebauer, am Dienstag in Berlin. Notfalls solle Deutschland vorangehen. 

Am Wochenende hatte die Kapitänin des Rettungsschiffs "Sea-Watch 3", Carola Rackete, ohne Erlaubnis Italiens mit 40 Migranten an Bord auf der Insel Lampedusa angelegt. Seitdem steht sie unter Hausarrest. Vorgeworfen wird ihr unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung. Die geretteten Menschen seien nach wie vor auf Lampedusa, das Schiff beschlagnahmt, hieß es.


ARCHIV - 20.06.2019, ---, Mittelmeer: HANDOUT - Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin der «Sea-Watch 3», aufgenommen an Bord des Rettungschiffs. Die Kapitänin des Rettungsschiffs ist bereit, die Konfrontation mit der italienischen Regierung weiter eskalieren zu lassen. Wenn es keine Einigung über die Migranten an Bord gebe und das Schiff somit anlegen dürfe, sei sie bereit, ohne Erlaubnis in den Hafen der Insel Lampedusa zu fahren, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. «Die Situation (auf dem Schiff) ist aktuell sehr angespannt.» Sie könne nicht mehr für die Sicherheit der Menschen an Bord garantieren. Manche drohten über Bord zu springen. Foto: Till M. Egen/Sea-Watch.org/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Fragen und Antworten zur "Sea-Watch 3"
Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete ist in Lampedusa unter Hausarrest, ihre Passagiere durften an Land. Doch was ist eigentlich passiert, wie ist die Rechtslage und wie geht es jetzt weiter?

Sea-Watch verteidigte den Schritt der Kapitänin als Gebrauch des Nothafenrechts. An Bord des Schiffes hätten kritische Umstände geherrscht. Die Katastrophe auf dem Mittelmeer setze sich unvermindert fort, kritisierte Neugebauer. Immer wieder gebe es Situationen, wo keine Rettungskräfte in der Nähe seien. Zudem würden Handelsschiffe mitunter aktiv von Notfällen wegfahren. Man sei sehr enttäuscht von der Bundesregierung, sagte der Sprecher. Die Situation geschlossener Häfen bestehe bereits seit etwa einem Jahr. Seitdem hätten Deutschland und die EU Zeit gehabt, eine Lösung für die Verteilung der Bootsflüchtlinge zu finden. 

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"Beschämend!"

Die Bundesregierung könnte alle Menschen aus der zivilen Seenotrettung aufnehmen, da es aktuell nur um ein paar Hundert gehe. Es sei beschämend, wenn eines der reichsten Länder dies nicht schaffe und ermögliche. Zugleich zeigte sich Neugebauer kämpferisch: Sollte die "Sea-Watch 3" beschlagnahmt bleiben, werde man mit einem neuen Schiff starten. Zuletzt seien mit mehr als einer Million Euro so viele Spenden wie noch nie für die zivile Seenotrettung eingegangen. Dies zeige, dass es kein Konsens sei, Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken zu lassen. "Wir werden auf dem Mittelmeer Menschenrechte durchsetzen und der Europäischen Union auf die Finger schauen", versprach Neugebauer.


An image grab taken from a video released by Local Team on June 26, 2019, shows the Sea-Watch 3 NGO boat heading towards the Lampedusa island, on the Mediterranean Sea. - The Sea-Watch 3 NGO boat carrying migrants rescued in the Mediterranean is headed for Lampedusa island despite the threat of hefty fines from Italy's far-right interior minister. (Photo by - / LOCALTEAM / AFP) / Italy OUT
Asselborn appeliert an Italiens Außenminister, Frank Engel zieht nach
"Menschenleben retten ist eine Pflicht und sollte nie als ein Delikt oder Verbrechen eingestuft werden", schreibt Jean Asselborn auf Facebook. Und wendet sich damit an Italiens Außenminister.

Den sogenannten Kampf der Europäischen Union gegen Schlepper auf dem Mittelmeer nannte er ein "Konjunkturpaket für Schlepper: Man kann Migration nicht aufhalten." Durch die Politik der geschlossenen Häfen werde die Überfahrt für Menschen, die nach Europa wollten, nur teurer und gefährlicher. 

Im ersten Halbjahr 2019 sind nach UN-Angaben über 27.300 Flüchtlinge und Migranten über das Mittelmeer nach Italien, Zypern, Malta, Spanien und Griechenland gekommen. Seit Jahresbeginn seien schätzungsweise 584 Menschen bei dem Versuch ertrunken.


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