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Schwerer Schlag gegen Cosa Nostra 2.0
International 2 Min. 22.01.2019

Schwerer Schlag gegen Cosa Nostra 2.0

Nachwuchs-Pate Leandro Greco wird von den Carabinieri abgeführt.

Schwerer Schlag gegen Cosa Nostra 2.0

Nachwuchs-Pate Leandro Greco wird von den Carabinieri abgeführt.
AFP
International 2 Min. 22.01.2019

Schwerer Schlag gegen Cosa Nostra 2.0

Die jungen Bosse der Cosa Nostra haben berühmt-berüchtigte Mafia-Nachnamen: Verhaftet wurde am Dienstagmorgen der 28-jährige Leandro Greco, Enkel des prominenten Paten Michele Greco. Der inzwischen verstorbene Großvater des Verhafteten galt jahrelang als der Kassier der sizilianischen Mafia und war unter dem Spitznamen "der Papst" bekannt.

Von LW-Korrespondent Domink Straub in Rom

Bei der Razzia ins Netz gegangen ist auch der 47-jährige Calogero Lo Piccolo, Sohn eines zu lebenslänglicher Haft verurteilten Paten, der mit Erpressungen reich geworden war. Neben Greco und Lo Piccolo wurden vier weitere Mafiosi sowie zwei Unternehmer verhaftet, die mit den Paten verbandelt gewesen sein sollen. Die jungen Bosse gehören zu einer neuen Generation der Cosa Nostra. Anti-Mafia-Oberstaatsanwalt Federico Cafiero de Raho zufolge haben sie nach dem Tod des Superpaten Toto Riina im November 2017 zusammen mit anderen Mafia-Familien aus Palermo versucht, eine neue "Mafia-Kommission" ins Leben zu rufen.

Die "Commissione" oder "Cupola" ist das oberste Entscheidungsorgan der sizilianischen Mafia, in der sich die Bosse der einzelnen Familien zusammensetzen, um ihre kriminellen Geschäftsfelder abzustecken. Damit soll erreicht werden, dass sich die Clans so wenig wie möglich ins Gehege kommen. Die "Commissione" ist auch die Wächterin über den Ehrenkodex der Cosa Nostra.

Calogero Lo Piccolo ist einer von sieben hochrangigen Mafiosi, die am Dienstag verhaftet wurden.
Calogero Lo Piccolo ist einer von sieben hochrangigen Mafiosi, die am Dienstag verhaftet wurden.
AFP

Die Ehre der Paten

Tatsächlich hatte die Gründungsversammlung für eine neue "Commissione", eine Art "Cupola 2.0", am 29. Mai des vergangenen Jahres stattgefunden. Es war die erste seit 1993, als Riina, der "Boss der Bosse" verhaftet worden war. Laut dem Ehrenkodex der Mafia durfte bis zu dessen Tod keine neue "Commissione" gegründet werden. Somit wurde erst beim Gipfeltreffen der "neuen" Cosa Nostra der 80-jährige Juwelier Settimo Mineo altershalber zum neuen Oberpaten gewählt. Mineo selbst ist ein alter Bekannter der Anti-Mafia-Ermittler, bei Fehden zwischen den Clans hat er zwei Brüder verloren.

Bei dem historischen Treffen vom vergangenen Mai wurden die alten Mafia-Regeln bestätigt und die Einflusszonen neu aufgeteilt. Allerdings sollte es nicht lange dauern, bis die Anti-Mafia-Behörden der "Cosa Nostra 2.0" einen entscheidenden ersten Schlag versetzen konnten: Im Dezember wurden bei einer Großrazzia gleich 46 Bosse verhaftet, darunter auch der neue Oberpate Settimo Mineo. Dabei kam den Ermittlern zugute, dass die jungen Bosse bei Weitem nicht das gleiche Kaliber aufzuzeigen hatten, wie die alte Generation um die "Bestie" Riina. So hatte einer der neuen Cosa-Nostra-Chefs nicht gemerkt, dass die Polizei sein Auto verwanzt hatte. Ungeniert plauderte er mit seinem Chauffeur über die erste Sitzung im Mai und verriet dabei Namen und Geheimnisse der "Commissione". Einem Riina wäre das wohl niemals passiert.

Pentiti packen aus

Nach der Razzia im Dezember ging es plötzlich schnell: Zwei der Verhafteten begannen innerhalb kürzester Zeit im Gefängnis auszupacken. Was erneut die fundamentalen Unterschiede zwischen der alten Garde und der neuen Generation belegt: In seinen 25 Jahren Isolationshaft hatte Riina nie mit der Polizei zusammengearbeitet.

Toto Riina genießt auch nach seinem Tod noch hohes Ansehen innerhalb der Famiglia.
Toto Riina genießt auch nach seinem Tod noch hohes Ansehen innerhalb der Famiglia.
REUTERS

Die Verhaftungen vom Dienstag gehen tatsächlich auf das Konto der beiden "Pentiti" - Mitglieder, die sich nicht an das Gebot der Omertà halten. Die "Cupola 2.0" ist damit erst einmal zerschlagen. Doch haben die Ermittlungen gezeigt, dass die Cosa Nostra ihre Tentakel weiterhin in Teile der Wirtschaft und der Politik ausstreckt. Sie bereichert sich bei öffentlichen Bauaufträgen, bei der Müllentsorgung und mit illegalen Online-Wetten. Im Drogenhandel haben sich die sizilianischen Clans überdies mit der kalabrischen 'Ndrangheta verbündet, der heute mächtigsten und gefährlichsten Mafia-Organisation Italiens.



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