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Schwere Unruhen im Flüchtlingslager Moria
International 15 1 2 Min. 30.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Schwere Unruhen im Flüchtlingslager Moria

Wenn Tausende Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht sind, kann der kleinste Zwischenfall zu einer Explosion der Wut führen. Genau das ist auf Lesbos passiert.

Schwere Unruhen im Flüchtlingslager Moria

Wenn Tausende Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht sind, kann der kleinste Zwischenfall zu einer Explosion der Wut führen. Genau das ist auf Lesbos passiert.
Foto: AFP
International 15 1 2 Min. 30.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Schwere Unruhen im Flüchtlingslager Moria

Experten warnten seit Wochen vor einer solchen Entwicklung, jetzt ist sie eingetreten: Im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos kam es am Sonntagabend zu schweren Ausschreitungen. Randalierende Migranten legten Feuer. Eine Mutter und ihr Kind starben in den Flammen. Die Lage bleibt explosiv.

(dpa) - Nach dem Tod einer Frau und möglicherweise auch ihres Kindes im Migrantenlager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos bleibt die Lage am Montag im Camp äußerst angespannt. Dies sagte der Bürgermeister der Inselhauptstadt Mytilini, Stratos Kytelis, dem griechischen Nachrichtensender Skai. "Tausende Migranten müssen so schnell wie möglich aufs Festland gebracht werden."

Eine Leiche des Kindes sei nach neuesten Angaben des Rettungsdienstes und des Krankenhauses von Lesbos nicht entdeckt worden. Eine Decke mit sterblichen Überresten eines Menschen werde noch gerichtsmedizinisch untersucht, berichtete das Staatsfernsehen (ERT). Zuvor hatte das Staatsfernsehen und der Gouverneur der Region, Kostas Moutzouris, von zwei Toten - der Mutter und ihres Kindes - berichtet. Zudem seien nach Angaben des Rettungsdienstes 16 Menschen verletzt worden.

Das Feuer sei nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr in der Küche eines Wohncontainers ausgebrochen. „Brandstiftung schließe ich aus“, sagte ein Sprecher des Bürgerschutzministeriums im Staatsfernsehen (ERT).  

Die Regierung in Athen wollte um die Mittagszeit bei einer Krisensitzung unter Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis beraten, wie es weitergehen soll. Bereits vergangene Woche hatte Athen beschlossen, mehr als 10.000 Migranten von den Inseln zum Festland zu bringen.

Nachdem der Tod der Frau bekannt wurde, gingen Hunderte aufgebrachte Migranten - in ihrer Mehrheit Jugendliche - auf die Polizei und die Beamten los, die im Lager arbeiteten. „Kill the Police“ (tötet die Polizei) skandierten die Migranten sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizisten von Lesbos, Wasilis Rodopoulos, dem griechischen Nachrichtensender Protothema.  Sie schleuderten Steine und andere Gegenstände und legten Feuer, hieß es.


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Zudem hätten sie versucht, festgenommene Migranten aus einem Containergefängnis zu befreien, berichteten Reporter vor Ort. Mindestens acht Containerwohnungen seien zerstört worden. „Sie schlugen alles kurz und klein. Wir haben Angst“, sagte ein Einwohner des nahe gelegenen Dorfes Moria dem griechischen Nachrichtensender Skai.

Die Randalierer ließen die Feuerwehr gar nicht an die Brandherde heran. „Wir wurden angegriffen und konnten nicht sofort die Feuer im Lager löschen. Wir hatten Angst um unser Leben“, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Feuerwehrleute von Lesbos, Georgios Dinos, im griechischen Fernsehen. Ein anderes Feuer, das in einem sogenannten Satellitenlager außerhalb des Registrierlagers von Moria ausgebrochen war, konnte die Feuerwehr unter Einsatz eines Löschflugzeugs schnell löschen, wie das Fernsehen zeigte.

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Die Regierung brachte in der Nacht mit einem Transportflugzeug des Typs C-130 zusätzliche Einheiten der Bereitschaftspolizei nach Lesbos. Die Polizei setzte massiv Tränengas ein, um die ausgebrachten Migranten zurückzudrängen, berichteten Reporter.

Auf den der Türkei vorgelagerten Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos sind derzeit rund 30.000 Flüchtlingen unter teils prekären Umständen untergebracht, weil der Zustrom von Migranten aus der Türkei in den vergangenen Wochen zugenommen hat. Ihre Zahl ist die höchste seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes im März 2016.


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