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Schwere Panne bei Einsatz in Chemnitz

Schwere Panne bei Einsatz in Chemnitz

AFP
International 01.09.2018

Schwere Panne bei Einsatz in Chemnitz

Es hätten mehrere Hundertschaften zu den Ausschreitungen am Montag nach Chemnitz beordert werden können, meldet die „Welt am Sonntag“. Der Hilferuf ging aber an die falsche Dienststelle. 20 Personen wurden verletzt, darunter zwei Polizisten.

(dpa) - Bei den Ausschreitungen am vergangenen Montag in Chemnitz hat laut der „Welt am Sonntag“ eine schwere Panne bei der Polizei zur Unterbesetzung geführt. Es seien sehr wohl zusätzliche Kräfte der Bundespolizei als Verstärkung angefordert worden, berichtet die Zeitung. Das Innenministerium in Dresden habe auf Anfrage bestätigt, dass es während des Einsatzes am Abend einen Hilferuf der Polizeidirektion Chemnitz ans Lagezentrum des Innenministeriums gab und die Bundespolizeiinspektion Pirna um Unterstützung gebeten wurde. Das sei allerdings kurzfristig nicht möglich gewesen.


The far-right group "Pro Chemnitz" stage a protest at the entrance to the stadium of Chemnitz FC, where Minister President of Saxony, Michael Kretschmer will meet with members of the public on August 30, 2018 amid tensions sparked by a deadly stabbing in Chemnitz, eastern Germany. - After the fatal stabbing of a German man allegedly by a Syrian and an Iraqi, thousands of far-right protesters marched in the city of Chemnitz some chasing down people they believed were immigrants. (Photo by Odd ANDERSEN / AFP)
Tausende Teilnehmer zu Demonstrationen in Chemnitz erwartet
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Zuständig für derartige Anforderungen wäre laut der Zeitung aber das Bundespolizeipräsidium in Potsdam und nicht die untergeordnete Dienststelle in Pirna gewesen. Dieser übliche Meldeweg sei „unverständlicherweise“ nicht beschritten worden. Dabei hätten mehrere Hundertschaften nach Chemnitz beordert werden können, bei Bedarf auch mit Hubschraubern.

Am Montagabend standen 6000 Demonstranten aus dem eher rechten Spektrum, darunter gewaltbereite Neonazis und Hooligans, etwa 1500 Gegendemonstranten gegenüber - dazwischen knapp 600 Polizisten. Es gab mindestens 20 Verletzte, unter ihnen zwei Polizisten.

Auch für Samstag werden wieder tausende Teilnehmer zu Demonstrationen in Chemnitz erwartet. Beide Lager haben Veranstaltungen angekündigt. Indessen hat U2-Frontmann Bono die Auseinandersetzungen beim Tour-Auftakt in Berlin schwer kritisiert. „Solche Leute gehören nicht zu Europa und diesem Land“, rief der 58 Jahre alte Sänger beim Konzert der Band am Freitagabend in der Berliner Mercedes Benz Arena. Während der Show der vier Musiker tauchte plötzlich der Slogan „#wirsindmehr“ auf dem riesigen Bühnen-Bildschirm auf. Die Menge applaudierte und jubelte. Für Montag haben unter dem Hashtag #wirsindmehr unter anderem Kraftklub, die Toten Hosen und Feine Sahne Fischfilet zu einem kostenlosen Konzert nach Chemnitz eingeladen - als Gegenprotest zu den rechten Krawallen. Bono sagte auch: „Wir müssen verstehen, warum Menschen so wütend sind.“


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