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Schüsse auf Eritreer in Deutschland waren wohl rassistische Tat
International 2 Min. 24.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Schüsse auf Eritreer in Deutschland waren wohl rassistische Tat

Alexander Badle, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, beantwortet die Fragen von Journalisten, nachdem am 22.07.2019 im hessischen Wächtersbach auf einen 26-jährigen Eritreer geschossen worden war.

Schüsse auf Eritreer in Deutschland waren wohl rassistische Tat

Alexander Badle, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, beantwortet die Fragen von Journalisten, nachdem am 22.07.2019 im hessischen Wächtersbach auf einen 26-jährigen Eritreer geschossen worden war.
Foto: Lennart Stock/dpa
International 2 Min. 24.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Schüsse auf Eritreer in Deutschland waren wohl rassistische Tat

Deutliche Hinweise auf fremdenfeindliche Motive, nicht aber auf rechtsextremen Hintergrund: Das ist die derzeitige Erkenntnis der Ermittler zu dem Schuss auf einen Eritreer in Deutschland.

(dpa) - Der Bauchschuss auf einen 26-jährigen Eritreer in Deutschland war nach ersten Erkenntnissen rassistisch motiviert. "Wir gehen momentan ganz klar von einem fremdenfeindlichen Motiv aus", sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag.


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Der mutmaßliche Schütze habe wohl gezielt nach einem Opfer gesucht. Der Eritreer sei offensichtlich ein Zufallsopfer gewesen. Augenzeugen benachrichtigten die Rettungsdienste und die Polizei. Der 26-Jährige sei nach seinen Informationen nach einer Notoperation außer Lebensgefahr, sagte der Behördensprecher.

In seiner Stammkneipe "Martinseck" im hessischen Bibergemünd-Kassel soll der Mann seine Tat angekündigt haben. Dort soll der 55-Jährige laut Informationen der Hessenschau am Montagvormittag erklärt haben, er "knalle nun einen Flüchtling ab". Nach der Ankündigung setzte sich der Mann in sein Auto und schoss aus seinem Fahrzeug dreimal auf sein Opfer. Der 26-Jahre alte Familienvater wurde von den Kugeln in den Bauch getroffen. Nach der Tat soll der mutmaßliche Täter in die Schenke zurückgekehrt sein und dort mit seiner Tat geprahlt haben. 

Alexander Badle, Sprecher der  Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, beantwortet die Fragen von Journalisten, nachdem am 22.07.2019 im hessischen Wächtersbach auf einen 26-jährigen Eritreer geschossen worden war.
Alexander Badle, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, beantwortet die Fragen von Journalisten, nachdem am 22.07.2019 im hessischen Wächtersbach auf einen 26-jährigen Eritreer geschossen worden war.
Foto: Lennart Stock/dpa

Der 55 Jahre alte mutmaßliche Schütze tötete sich später mit einem Schuss in den Kopf. Bisher sei der Mann nicht polizeiauffällig gewesen, so der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Bei dem deutschen Staatsangehörigen seien zwei halbautomatische Waffen gefunden worden.  

Das Opfer sei "aufgrund seiner Hautfarbe" ausgewählt worden. Auch andere Hinweise aus der Durchsuchung der Wohnung des mutmaßlichen Täters erhärteten die Vermutung.

Der Verantwortung, die wir da haben, sind wir uns durchaus bewusst.

Gleichzeitig wandte er sich gegen Spekulationen, dass eine "rechtsextreme oder rechtsnationalistische Gesinnung im Raum steht". "Wir haben nach derzeitigen Ermittlungen keine belastbaren validen Erkenntnisse, dass Kontakte in die rechtsnationale oder rechtsextreme Szene bestanden", sagte der Sprecher. Allerdings stünden die Ermittlungen noch ganz am Anfang. Das Umfeld und die Vergangenheit des mutmaßlichen Schützen würden nach entsprechenden Kontakten durchleuchtet.   


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Bei der Durchsuchung der Wohnung wurden drei weitere Waffen sichergestellt, eine halbautomatische Pistole und zwei Langwaffen. Alle hätten sich legal im Besitz des Mannes befunden. Der 55-Jährige habe eine weitere halbautomatische Waffe kurz vor der Tat verkauft. Der Käufer sei ermittelt und die Waffe sichergestellt, hieß es.

Regierung spricht nach Schüssen auf Eritreer von "abscheulicher Tat"

Die deutsche Regierung hat die mutmaßlich rassistisch motivierten Schüsse auf einen Eritreer im hessischen Wächtersbach verurteilt. "Die Bundesregierung ist bestürzt über diese Tat und verurteilt sie auf das Schärfste", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Mittwoch in Berlin. Es handele sich um eine "abscheuliche Tat", die nicht hingenommen werden dürfe.

Der Kampf gegen rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten sei ein Kernanliegen der Regierung. Man nehme diese Gefahr sehr ernst. "Die Sicherheitsbehörden arbeiten mit ganzer Kraft daran, dass alle Menschen in Deutschland in Sicherheit leben können", sagte Demmer.


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