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Schon über 700 Millionen für Notre-Dame gesammelt
Der Schaden im inneren der Kathedrale ist erheblich, aber die Struktur ist größtenteils stabil geblieben.

Schon über 700 Millionen für Notre-Dame gesammelt

Foto: Amaury BLIN / AFP
Der Schaden im inneren der Kathedrale ist erheblich, aber die Struktur ist größtenteils stabil geblieben.
International 4 Min. 17.04.2019

Schon über 700 Millionen für Notre-Dame gesammelt

In nur wenigen Stunden wurden Rekordsummen für den Wiederaufbau der Notre-Dame gesammelt. Großunternehmer-Familien gehören zu den größten Spendern. Doch das ruft auch kritische Stimmen auf den Plan.

(dpa/SC) - Der französische Präsident Emmanuel Macron kündigte in einer resoluten Rede am Dienstababend an, die Notre-Dame de Paris solle in nicht weniger als fünf Jahren wiederaufgebaut werden und erneut in ihrer früheren Pracht erscheinen. Auch wenn das Zeitfenster vielen Experten sehr eng erscheint, an finanziellen Mitteln dürfte das gewaltige Unterfangen wohl kaum scheitern.


Augenzeugen: "Da blutet das Kunsthistorikerherz"
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Kaum 48 Stunden nachdem die ersten Flammen am Dachstuhl der berühmten Notre-Dame Kathedrale hochzüngelten, wurden rund um die Welt schon über 700 Millionen Euro für den Wiederaufbau gespendet. 

Französiche Großkonzerne in Gönnerlaune

Allein 600 Millionen Euro wurden von vier großen Unternehmen in Frankreich gespendet. Die Milliardärsfamilie Bettencourt-Meyers und der Kosmetikriese L'Oreal wollen insgesamt 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau der stark beschädigten Kathedrale Notre-Dame spenden. 

Auch andere französische Milliardärsfamilien haben großzügige Spenden angekündigt - so etwa die Familie des französischen Unternehmers und Milliardärs Bernard Arnault. Sie will sich mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen. Die Familie Pinault versprach 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau. François-Henri Pinault ist Chef des Luxuskonzerns Kering, zu dem Modemarken wie Gucci, Brioni und Saint Laurent gehören. Die superreichen Franzosen Arnault und Pinault sind als Kunstliebhaber, Mäzene und Konkurrenten bekannt. 

Spender Antoine Arnault und seine Frau Natalia Vodianova kommen am Tag nach der Katastrophe an der Notre-Dame Kathedrale an um den Schaden ersterhand zu sehen.
Spender Antoine Arnault und seine Frau Natalia Vodianova kommen am Tag nach der Katastrophe an der Notre-Dame Kathedrale an um den Schaden ersterhand zu sehen.
Foto: FRANCOIS GUILLOT / AFP

Der Mineralölkonzern Total will 100 Millionen Euro für die Kathedrale bereitstellen, während die Bank Crédit Agricole ankündigte, fünf Millionen Euro für den Wiederaufbau beisteuern zu wollen. Die BNP Paribas und die Société Générale kündigten ebenfalls Spenden an, ohne jedoch genaue Summen zu nennen. Die Fluggesellschaft Air France will "allen offiziell am Wiederaufbau beteiligten Akteuren" Gratisflüge ermöglichen.   


Inspectors are seen on the roof of the landmark Notre-Dame Cathedral in central Paris on April 16, 2019, the day after a fire ripped through its main roof. - A major fire broke out at the landmark Notre-Dame Cathedral in central Paris sending flames and huge clouds of grey smoke billowing into the sky, the fire service said. The flames and smoke plumed from the spire and roof of the gothic cathedral, visited by millions of people a year, where renovations are currently underway. (Photo by Lionel BONAVENTURE / AFP)
Bereits mehrere hundert Millionen Euro für Notre-Dame gespendet
Frankreich zeigt sich nach der Brandkatastrophe von Notre-Dame entschlossen, die jahrhundertealte Kathedrale in Paris wieder aufzubauen. Erste Großspender stehen schon bereit.

Präsident Emmanuel Macron richtete mit "rebatirnotredamedeparis.fr" eine nationale Spendenaktion ein, einige Stunden später kamen bereits mehr als 11.5 Millionen von Wohltätern aus aller Welt zusammen. Ziel sind 100 Millionen Euro. Die Bürgermeisterin der Stadt Paris, Anne Hidalgo, kündigte ebenfalls bereits an, der Notre-Dame Kathedrale 50 Millionen Euro bereitstellen zu wollen. Als die private Kulturerbe-Stiftung Fondation du patrimoine Geld für die zerstörte Kathedrale zu sammeln begann, stützte die Webseite durch die hohe Anzahl der Aufrufe immer wieder zusammen.

Am Dienstag rief EU-Ratspräsident Donald Tusk alle EU-Mitgliedstaaten dazu auf, sich am Wiederaufbau des Monuments zu beteiligen.

Deutschland und Ungarn kamen diesem Aufruf bereits nach. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte den Franzosen Unterstützung beim Wiederaufbau zu und auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Deutschen zu Spenden auf. 

Zwei ungarische Städte - Szeged und Szekesfehervar - spendeten jeweils 10.000 Euro für den Wiederaufbau der am Montag von einem Brand verwüsteten Pariser Kathedrale Notre Dame. Der sozialistische Bürgermeister von Szeged, Laszlo Botka, begründete die Spende seiner Kommune vor allem damit, dass Paris vor 140 Jahren nach dem verheerendsten Hochwasser in der Geschichte der südostungarischen Stadt beim Wiederaufbau geholfen habe.

Spenden in der Kritik

Jahrelang buhlte die Diözese händeringend um Mittel, um zumindest die wichtigsten Reparaturarbeiten an den bröckelnden Fassaden und dem undichten Dach der Notre-Dame de Paris ausführen zu können. 


TOPSHOT - Smoke billows as flames burn through the roof of the Notre-Dame de Paris Cathedral on April 15, 2019, in the French capital Paris. - A huge fire swept through the roof of the famed Notre-Dame Cathedral in central Paris on April 15, 2019, sending flames and huge clouds of grey smoke billowing into the sky. The flames and smoke plumed from the spire and roof of the gothic cathedral, visited by millions of people a year. A spokesman for the cathedral told AFP that the wooden structure supporting the roof was being gutted by the blaze. (Photo by Fabien Barrau / AFP)
Reaktionen: Katholische Kirche in Luxemburg "tief betroffen"
Sowohl die katholische Kirche in Luxemburg als auch der großherzogliche Hof zeigten ihre Anteilnahme nach dem historischen Brand in Paris.

Doch die benötigten 150 Millionen Euro ließen sich bis Montag nur schwer zusammentreiben. Doch nach dem historischen Feuer, bei dem der gesamte Dachstuhl der Kathedrale in Flammen aufging und zerstört wurde, klingelt die Spendenkasse.

Michel Picaud, Berater für das von der Diözese gegründete Spendenprojekt "Freunde der Notre-Dame", bedauere die "paradoxe Situation", dass nun innerhalb von nur einem Tag etwa drei Mal so viel Geld zusammen gekommen ist, wie ursprünglich benötigt - aber erst nachdem viele der Besonderheiten der Kathedrale, die durch die Reparaturarbeiten erhalten bleiben sollten, im Feuer verloren gegangen sind.

Der Generaldirektor der Erzdiözese Paris, Philippe de Cuverville, äußerte sich sehr ähnlich: "Es ist eine Schande. Wir tendieren dazu, auf katastrophale Umstände zu warten, bevor wir etwas unternehmen. Das liegt in der menschlichen Natur."

Auch im Netz wurden kritische Stimmen laut, nachdem erste Berichte über die astronomischen Spendensummen bekannt wurden. In den sozialen Medien merkten einige Nutzer an, dass das Geld, das in nur wenigen Stunden gesammelt wurde, auch anderen Zwecken zugute hätte kommen können. "Das zeigt, wie einfach reiche Menschen die Probleme der Welt lösen könnten, wenn sie nur wollten", so eine Facebook-Nutzerin.

Ein Twitter-User verwies in dem Sinne auf den Hochhausbrand im Jahr 2017, bei dem im Londoner Grenfell Tower 71 Menschen ums Leben kamen. In dem 24-geschossigen Wohnhochhaus im Stadtteil North Kensington lebten vor allem finanziell schwache Familien.

Infolge des verheerenden Brandes wurden rund 30 Millionen Euro für die Opfer des Feuers gesammelt. Doch viele der Familien, die nach dem Brand nicht in ihre Wohnungen zurückkehren konnten, haben selbst zwei Jahre nach der Katastrophe noch kein neues Zuhause.



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