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Schneechaos: Isolierte Dörfer, lange Staus
LKW im Schnee auf der Autobahn 8 zwischen München und Salzburg. Die wichtige Transitstrecke nach Österreich war durch Staus nach schweren Schneefällen blockiert.

Schneechaos: Isolierte Dörfer, lange Staus

Bernd März/dpa
LKW im Schnee auf der Autobahn 8 zwischen München und Salzburg. Die wichtige Transitstrecke nach Österreich war durch Staus nach schweren Schneefällen blockiert.
International 2 3 Min. 10.01.2019

Schneechaos: Isolierte Dörfer, lange Staus

In den Alpen bleibt die Lage wegen des Winterwetters angespannt. Mindestens sieben Menschen starben seit dem Wochenende in Österreich im Schnee.


So schön kann Winter sein: Frischer Schnee liegt in den Straßen und auf den Dächern von Berchtesgaden.
So schön kann Winter sein: Frischer Schnee liegt in den Straßen und auf den Dächern von Berchtesgaden.
Tobias Hase/dpa


Über Nacht schneite dieser Pendlerzug in Berchtesgaden ein.
Über Nacht schneite dieser Pendlerzug in Berchtesgaden ein.
AFP

BERCHTESGADEN: Wegen der Schneefälle gilt nun in drei oberbayerischen Landkreisen der Katastrophenfall. In dieser Region fallen durch das Wetter auch viele Züge aus. Rund um Berchtesgaden sind immer mehr Menschen von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Orte Vorderbrand und Ettenberg seien nun nicht mehr erreichbar, teilte das Landratsamt mit. Die Zufahrtsstraßen seien gesperrt, weil Bäume unter der Schneelast umzukippen drohten.

Eine Notversorgung der Bewohner sei eingerichtet. Zuvor waren schon die Straßen zur Siedlung Buchenhöhe in Berchtesgaden und zur Gemeinde Jachenau zugeschneit worden.

AYING: Ein neunjähriger Junge ist in Aying bei München von einem umstürzenden Baum erschlagen worden. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, war der Baum unter der hohen Schneelast zusammengebrochen.

Erst nach 20 Minuten entdeckten Zeugen den darunter begrabenen Bub und alarmierten die Rettungskräfte. Diese versuchten rund eine Stunde lang vergeblich, das Kind wiederzubeleben.

Immer mehr Orte sind aufgrund der sehr großen Lawinengefahr nicht mehr erreichbar - darunter auch der Ort Galtür in Tirol. Ebenfalls nicht mehr erreichbar waren am Mittwoch die bei Skitouristen beliebten Orte Lech, Zürs und Stuben im Bundesland Vorarlberg sowie Obertauern in Salzburg.
Immer mehr Orte sind aufgrund der sehr großen Lawinengefahr nicht mehr erreichbar - darunter auch der Ort Galtür in Tirol. Ebenfalls nicht mehr erreichbar waren am Mittwoch die bei Skitouristen beliebten Orte Lech, Zürs und Stuben im Bundesland Vorarlberg sowie Obertauern in Salzburg.
Expa/Jfk/APA/dpa

SALZBURG: In Österreich starben seit dem Wochenende mindestens sieben Menschen im Schnee - darunter zwei Deutsche, die am Sonntag in Vorarlberg von Lawinen verschüttet wurden. Am Mittwoch wurde ein 16 Jahre alter Deutsch-Australier vor den Augen seiner Familie beim Skifahren von einer Lawine in den Tod gerissen. Unter anderem starben zwei Skifahrer, die bei Stürzen im meterhohen Schnee versanken, sowie zwei junge Schneeschuhwanderer, die am Montag tot unter einem Lawinenkegel gefunden wurden.

Die andauernden Schneefälle in weiten Teilen Österreichs haben der Tourismusbranche einen Dämpfer versetzt: Bei der österreichischen Wirtschaftskammer ist bereits von einem Minus von 50 Prozent bei kurzfristigen Buchungsanfragen die Rede.

WERNIGERODE: Die Harzer Schmalspurbahn (HSB) hat den dritten Tag in Folge daran gearbeitet, einen eingeschneiten Zug zu bergen. Die Dampflok und ein verbliebener Waggon konnten am Donnerstag aus den Schneemassen ausgebuddelt werden, wie HSB-Sprecher Dirk Bahnsen am Abend sagte. Der Wagen wurde am Nachmittag ins Tal gezogen, die Lok sollte im Laufe des Abends von einer anderen Zugmaschine ins Schlepptau genommen und in Schrittgeschwindigkeit weggezogen werden.

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ALLGÄU: Polizisten retteten in Kaufbeuren (Bayern) einen frierenden Säugling vor dem Schnee und hielten ihn mit einer Uniformjacke warm. Passanten hatten die hilflose Mutter des Kindes betrunken im Schnee neben einem Gehweg entdeckt, die Frau hielt ihr nur unzureichend bekleidetes Baby im Arm. Die Streifenbeamten wickelten das kleine Mädchen in eine Uniform und legten es in den Polizeiwagen, bis der Rettungsdienst kam: „Nachdem es im warmen Rettungswagen noch eine Mütze aufgesetzt bekommen hatte, fiel es sofort in den Schlaf.“

RUHPOLDING: Mit vielen Helfern kämpfen die Organisatoren vor dem Biathlon-Weltcup in Ruhpolding (Bayern) gegen die Schneemassen. Der örtliche Ski-Club hatte in einem öffentlichen Aufruf darum gebeten, den Schnee in der Chiemgau-Arena zu beseitigen, um die Veranstaltung in der nächsten Woche nicht zu gefährden. Engelbert Schweiger, der Generalsekretär des Weltcup-Organisationskomitees, sagte dem „Traunsteiner Tagblatt“: „Der Weltcup ist derzeit nicht gefährdet.“ Doch er ergänzte: „Dass wir aber vor großen logistischen Herausforderungen stehen, ist nicht zu bestreiten.“

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HERMSDORF: Auf der A9 in Thüringen kam es in der Nacht zum Donnerstag zu einem zeitweise rund 50 Kilometer langen Stau. Die Fahrer Dutzender Lastwagen mussten die Nacht in ihren Fahrzeugen auf der Autobahn verbringen. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes verteilten warme Decken und heiße Getränke. Der Stau löste sich am Donnerstag auch deshalb nur zögerlich auf, weil viele Fahrer erst hätten geweckt werden mussten.

ULM: Auch auf der A8 saßen in der Nacht zum Donnerstag Hunderte Lastwagen- und Autofahrer wegen Schneefalls und Glätte fest. Der Verkehr sei dadurch zwischen Ulm und Nellingen in Baden-Württemberg auf einer Länge von etwa 35 Kilometern zum Erliegen gekommen. In dem stockenden Verkehr starb bei Dornstadt eine 54 Jahre alte Autofahrerin. Sie stand Polizeiangaben zufolge in dem Stau und saß allein in ihrem Fahrzeug. Die Todesursache werde geklärt, sagte ein Polizeisprecher. Ein Verbrechen schließe die Polizei aus.

In Kaufbeuren knipste der Fotograf dieses fast schon surreale Bild.
In Kaufbeuren knipste der Fotograf dieses fast schon surreale Bild.
AFP



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