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Sanders gewinnt zweite Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen knapp
International 4 Min. 12.02.2020

Sanders gewinnt zweite Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen knapp

Senator Bernie Sanders, hier mit seiner Frau Jane O'Meara-Sanders, hat in New Hampshire das Rennen gemacht.

Sanders gewinnt zweite Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen knapp

Senator Bernie Sanders, hier mit seiner Frau Jane O'Meara-Sanders, hat in New Hampshire das Rennen gemacht.
Foto: AFP
International 4 Min. 12.02.2020

Sanders gewinnt zweite Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen knapp

Der "demokratische Sozialist" Sanders würde im Weißen Haus als Präsident bald seinen 80. Geburtstag feiern. Der vier Jahrzehnte jüngere Ex-Bürgermeister Buttigieg ist ihm aber dicht auf den Fersen.

(dpa) - Der linke Senator Bernie Sanders hat die zweite Vorwahl im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten knapp gewonnen. Nach Auszählung fast aller Stimmen lag Sanders bei der Abstimmung im nordöstlichen Bundesstaat New Hampshire bei rund 26 Prozent, wie US-Medien in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) berichteten. Der gemäßigte frühere Bürgermeister Pete Buttigieg lag ihm demnach mit gut 24 Prozent der Stimmen dicht auf den Fersen. 


US Presidential Candidate former mayor of South Bend, Indiana, Pete Buttigieg speaks to his supporters during a primary night rally at Nashua Community College on February 11, 2020. - Bernie Sanders won New Hampshire's crucial Democratic primary, beating moderate rivals Pete Buttigieg and Amy Klobuchar in the race to challenge President Donald Trump for the White House, US networks projected. (Photo by Joseph Prezioso / AFP)
Sanders versus Buttigieg
In dem Kopf-an-Kopf-Rennen von New Hampshire hat sich der Revoluzzer Bernie Sanders gegen den Reformer Pete Buttigieg durchgesetzt. Die Demokraten rücken klar nach links.

Der 38-Jährige war in der vergangenen Woche bei der ersten Vorwahl in Iowa nach bisherigem Stand der Auszählungen überraschend knapp vor Sanders in Führung gegangen.

Sanders stellte sich nach dem Sieg in New Hampshire als den besten Kandidaten dar, um gegen den republikanischen Präsidenten Donald Trump anzutreten. "Dieser Sieg ist der Anfang vom Ende für Donald Trump", sagte Sanders vor Anhängern. Es gehe darum, bei der Wahl im November "den gefährlichsten Präsidenten der jüngeren Geschichte" zu besiegen, sagte Sanders. Er werde sich für eine bessere Gesundheitsversorgung, höheren Steuern für Reiche, strengere Waffengesetze und den Kampf gegen den Klimawandel einsetzen, versprach der 78-Jährige.

Überraschend stark schloss auch die moderate und weniger bekannte Senatorin Amy Klobuchar (59) aus Minnesota ab. Sie kam mit knapp 20 Prozent auf den dritten Platz. "Hallo Amerika! Ich bin Amy Klobuchar und ich werde Donald Trump schlagen", sagte sie vor jubelnden Unterstützern. Das Land brauche dringend einen Wechsel, forderte sie. 

V.l.n.r.: Bernie Sanders, Pete Buttigieg und Amy Klobuchar holten in New Hampshire die meisten Stimmen.
V.l.n.r.: Bernie Sanders, Pete Buttigieg und Amy Klobuchar holten in New Hampshire die meisten Stimmen.
Fotos: AFP

Auf Rang vier und fünf folgten die linke Senatorin Elizabeth Warren (gut 9 Prozent der Stimmen) und der gemäßigte frühere Vizepräsident Joe Biden mit einem Stimmanteil von gut 8 Prozent. Eine sichtlich enttäuschte Warren (70) erklärte vor Unterstützern, sowohl Sanders als auch Buttigieg seien "großartige Menschen und jeder von ihnen wäre ein wesentlich besserer Präsident als Donald Trump." Sie bleibe aber weiter im Rennen.

Biden (77) hatte in landesweiten Umfragen lange in Führung gelegen, es aber in Iowa nur auf den enttäuschenden Platz vier geschafft. Biden hatte daraufhin bereits gewarnt, dass er auch in New Hampshire schlecht abschneiden könnte. Der fünfte Platz dort dürfte seine Kampagne jedoch beschädigen: Sein Nimbus als aussichtsreichster Bewerber scheint gebrochen.

Auf Platz vier und fünf folgen in New Hampshire Elizabeth Warren und der frühere Vizepräsident Joe Biden.
Auf Platz vier und fünf folgen in New Hampshire Elizabeth Warren und der frühere Vizepräsident Joe Biden.
Fotos: AFP

Auch die nötigen Parteispenden dürften nun schwieriger einzuwerben sein. Biden gab sich jedoch kämpferisch. Bislang hätten erst zwei relativ homogene Bundesstaaten abgestimmt, sagte er. Biden hofft auf große Unterstützung bei Afroamerikanern und Latinos. "Der Kampf, Donald Trumps Präsidentschaft zu beenden, hat gerade erst begonnen", sagte er vor Unterstützern in South Carolina. In dem Staat wird am 29. Februar abgestimmt.


SOMERSWORTH, NEW HAMPSHIRE - FEBRUARY 05: Democratic presidential candidate former Vice President Joe Biden gets on his campaign bus after speaking on February 05, 2020 in Somersworth, New Hampshire. Following his fourth-place finish in the Iowa Caucus, the former vice president is seeking to gather momentum for his candidacy in New Hampshire.   Spencer Platt/Getty Images/AFP
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Die Aura des Verlierers
Joe Biden sinkt nach der Schlappe bei den Vorwahlen der Demokraten in Iowa in den Umfragen wie ein Stein. In New Hampshire kämpft der eben noch als Favorit gesetzte Ex-Vizepräsident um sein politisches Überleben.

Senator Sanders aus Vermont beschreibt sich selbst als "demokratischen Sozialisten" und ist vor allem bei jungen Wählern beliebt. Er wirft Buttigieg mangelnde Erfahrung vor. Der frühere Bürgermeister der Stadt South Bend wiederum hält Sanders vor, dass dessen zahlreiche Wahlversprechen nicht finanzierbar seien. Buttigieg stellt sich als Kandidat der Mitte dar, der auch von Trump enttäuschte Republikaner für sich gewinnen will. "Wir müssen das schaffen", sagte er vor Anhängern. Das Land könne sich keine weiteren vier Trump-Jahre mehr leisten, sagte er.

Andrew Yang und Michael Bennet geben auf

Die Kandidaten Andrew Yang und Michael Bennet gaben nach enttäuschenden Ergebnissen im unteren einstelligen Prozentbereich das Ende ihrer Wahlkampagnen bekannt. Damit bemühen sich immer noch neun Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Partei. Ursprünglich waren es mal rund 30 Bewerber gewesen. Bei den Republikanern wiederum gelten die Vorwahlen nur als Formsache: Präsident Donald Trump hat keine ernstzunehmende parteiinterne Konkurrenz.

Andrew Yang, der im Wahlkampf bis zuletzt von seiner passionierten "Yang-Gang" unterstützt wurde, gab sein Ausscheiden bekannt.
Andrew Yang, der im Wahlkampf bis zuletzt von seiner passionierten "Yang-Gang" unterstützt wurde, gab sein Ausscheiden bekannt.
Foto: AFP

Bei den Vorwahlen in New Hampshire werden nur 24 Delegiertenstimmen vergeben, die beim entscheidenden Nominierungsparteitag im Sommer zum Tragen kommen. Den Hochrechnungen zufolge sollten Sanders und Buttigieg jeweils neun Delegierte und Klobuchar sechs bekommen. Um sich die Präsidentschaftskandidatur der Partei zu sichern, muss ein Bewerber aber fast 2000 Stimmen gewinnen.


WASHINGTON, DC - FEBRUARY 04: President Donald Trump departs the U.S. Capitol after the State of the Union address in the chamber of the U.S. House of Representatives on February 04, 2020 in Washington, DC. President Trump delivers his third State of the Union to the nation the night before the U.S. Senate is set to vote in his impeachment trial.   Mark Wilson/Getty Images/AFP
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Ein langer Weg
US-Präsident Donald Trump verspürt im Moment Rückenwind. Bislang haben die Demokraten keine Antwort auf ihn gefunden.

Die Bedeutung der Abstimmung liegt daher vor allem in ihrer Signalwirkung zu Beginn des langen Vorwahlkampfs: Ein gutes Abschneiden kann Kandidaten wichtigen Rückenwind geben, eine Niederlage kann dazu führen, dass Bewerber aufgeben müssen. Die erste große Entscheidung, bei der es um Hunderte Delegiertenstimmen gehen wird, steht am 3. März an. Am sogenannten "Super Tuesday" wird in mehr als einem Dutzend US-Bundesstaaten abgestimmt werden.

Die Vorwahlen ziehen sich dann noch bis Juni hin. Anschließend küren beide Parteien ihren Präsidentschaftskandidaten offiziell. Die Präsidentenwahl ist für den 3. November angesetzt.

Der Multimilliardär und fühere Bürgermeister von New York, Mike Bloomberg, micht das Rennen auf.
Der Multimilliardär und fühere Bürgermeister von New York, Mike Bloomberg, micht das Rennen auf.
Foto: AFP

Eine Überraschung im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur könnte noch der frühere New Yorker Bürgermeister Mike Bloomberg werden. Der Multimilliardär kandidierte in den relativ kleinen Staaten Iowa und New Hampshire nicht, sondern setzt auf einen Erfolg in den großen Staaten am "Super Tuesday". Dort werden Hunderte Delegiertenstimmen vergeben. Bloomberg hat dort bereits zig Millionen US-Dollar für Fernsehwerbung ausgegeben. Er nimmt keine Spenden an, sondern finanziert seinen Wahlkampf selbst. In zwei landesweiten Umfragen war er jüngst auf die Plätze drei und vier gekommen.


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