Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Russland weist zahlreiche EU-Diplomaten aus
International 30.03.2018

Russland weist zahlreiche EU-Diplomaten aus

 Das russische Außenministerium in Moskau.

Russland weist zahlreiche EU-Diplomaten aus

Das russische Außenministerium in Moskau.
AFP
International 30.03.2018

Russland weist zahlreiche EU-Diplomaten aus

Moskau schlägt zurück: Im diplomatischen Streit mit dem Westen bestellt das Außenministerium Vertreter der EU ein. Zahlreiche Diplomaten müssen das Land verlassen.

(dpa) - Russland hat im Streit mit dem Westen um den vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal zahlreiche Diplomaten aus EU-Ländern ausgewiesen. Das Außenministerium in Moskau habe den Botschaftern jeweils eine Protestnote überreicht, in der die Gegenmaßnahmen mitgeteilt worden seien. Die Sanktionen seien die Antwort auf die Ausweisungen russischer Diplomaten, die „unfreundschaftliche Handlungen gegenüber Russland“ seien, teilte das Ministerium am Freitag weiter mit.


Der russische Außenminister Sergej Lawrov.
Russland schließt US-Konsulat in St.Petersburg
Tagelang hat Russlands Führung eine „angemessene“ Reaktion auf die Ausweisung seiner Diplomaten aus rund 25 Staaten vorbereitet. Nun schlägt Moskau zurück.

Die britische Vertretung habe einen Monat Zeit, um die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren, hieß es aus Moskau. Sie solle dann der Zahl der russischen Botschaftsmitarbeiter in London entsprechen. Polen muss nach Angaben aus Warschau binnen einer Woche vier Diplomaten abziehen, Finnland und Lettland verlieren den jeweiligen Außenministerien zufolge je einen Diplomaten in Moskau. Drei litauische und jeweils zwei italienische sowie niederländische Diplomaten müssen ebenfalls gehen.

Schlagabtausch

Der Schlagabtausch ist Teil des Konfliktes um den vergifteten Ex-Agenten Skripal und seiner Tochter Julia in Großbritannien. Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass beide mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden. London bezichtigt daher den Kreml als Drahtzieher des Anschlags. Moskau weist diese Anschuldigungen vehement zurück.


27.03.2018, Russland, Kemerovo: Wladimir Putin, Präsident von Russland, nimmt an einem Treffen mit Rettungskräften bezüglich der Unterstützungsmaßnahmen nach dem Brand in einem Einkaufszentrum in Sibirien teil. Foto: Alexei Druzhinin/Planet Pix via ZUMA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
USA warnen vor immer schlechteren Russland-Beziehungen
Russland und der Westen streiten heftig über den Nervengiftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Skripal. Vorwürfe werden ausgetauscht, Diplomaten ausgewiesen. Skripals Tochter geht es inzwischen besser. Kann sie neues Licht auf den Vorfall werfen?

Russland sei zu der diplomatischen Reaktion gezwungen gewesen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in einem Interview. „Wir haben den diplomatischen Krieg nicht begonnen.“ Russland bleibe aber weiterhin offen für gute Beziehungen zu den Ländern, sagte Peskow.

Aktion und Reaktion

Moskau reagierte auf die Entscheidung von rund 25 Staaten sowie der Nato, mehr als 140 russische Diplomaten des Landes zu verweisen. Der Kreml hatte bereits angekündigt, dass es ähnliche Maßnahmen geben werden. Am Donnerstagabend hatte Russland bereits die Ausweisung von 60 US-Diplomaten und die Schließung des US-Konsulats in St. Petersburg angekündigt. Bereits wenige Stunden später begannen Mitarbeiter, das Konsulat zu räumen.


27.03.2018, Großbritannien, Salisbury: Menschen gehen an dem Restaurant "Zizzi", das nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Skripal von der Polizei geschlossen wurde, vorbei. Die USA, Deutschland sowie mehr als 20 weitere Länder haben in einer bislang beispiellosen Gemeinschafsaktion mehr als 140 russische Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter ausgewiesen. Foto: David Mirzoeff/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Ermittler: Skripal kam zuhause in Kontakt mit Nervengift
Der vergiftete russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Yulia sind wohl zuhause in Kontakt mit dem Kampfstoff gekommen.

Die britischen Ermittler suchen fast vier Wochen nach dem Anschlag nach weiteren Spuren. Britische Medien berichteten, Julia Skripal sei wieder bei Bewusstsein. Die 33-jährige Russin könne bereits wieder essen und trinken. Die Ermittler hofften, durch eine Aussage von ihr zu erfahren, ob sie und ihr Vater vor dem Attentat verfolgt wurden. Das Nervengift Nowitschok soll an den Händen der Opfer nachgewiesen worden sein. Beide kamen wohl an ihrer eigenen Haustür in Salisbury mit dem Gift in Kontakt, wie die Ermittler herausfanden.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Skripal-Affäre: Moskau dringt auf Antworten aus London
Dutzende Diplomaten müssen im Polit-Krimi um den Anschlag auf den Ex-Agenten Skripal die Koffer packen. Doch viele Fragen bleiben offen. Am Londoner Flughafen Heathrow soll unterdessen eine russische Aeroflot-Maschine durchsucht worden sein.
Russland hat am Freitag der Reihe nach sämtliche Länder ins Aussenministerium bestellt, die zuvor diplomatische Sanktionen gegen das Land ergriffen hatten.
USA warnen vor immer schlechteren Russland-Beziehungen
Russland und der Westen streiten heftig über den Nervengiftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Skripal. Vorwürfe werden ausgetauscht, Diplomaten ausgewiesen. Skripals Tochter geht es inzwischen besser. Kann sie neues Licht auf den Vorfall werfen?
27.03.2018, Russland, Kemerovo: Wladimir Putin, Präsident von Russland, nimmt an einem Treffen mit Rettungskräften bezüglich der Unterstützungsmaßnahmen nach dem Brand in einem Einkaufszentrum in Sibirien teil. Foto: Alexei Druzhinin/Planet Pix via ZUMA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Gegenseitige Schuldzuweisungen
Die Skripal-Affäre eskaliert weiter: Russland weist ebenfalls Diplomaten aus, Deutschland, Frankreich und die USA stellten sich hinter Großbritannien. Ein russischer Diplomat hält den Westen für den Anschlag verantwortlich.
The Russian flag flies from the Russian consulate in central London on March 15, 2018.
Britain's Prime Minister Theresa May said Moscow was "culpable" of the attempted murder of Skripal, a Russian spy who sold secrets to the MI6 British intelligence agency and came to Britain in a 2010 spy swap. She announced the expulsion of 23 diplomats and the suspension of some high-level contacts. / AFP PHOTO / Justin TALLIS
Moskau kündigt Sanktionen gegen London an
Der Streit zwischen London und Moskau nimmt weiter an Schärfe zu. Britische Soldaten sollen vorsichtshalber gegen Milzbrand geimpft werden. Plant Moskau eine Ausweisung britischer Diplomaten?
Russian honour guards march during the changing of the guards ceremony at the Tomb of the Unknown Soldier by the Kremlin wall in Moscow on March 15, 2018.
Russia will vote for President on March 18. / AFP PHOTO / Mladen ANTONOV